#134 Kampf gegen das Kükenschreddern

Wer den Begriff „Kükenschreddern“ noch nie gehört hat und vielleicht gerade sein oder ihr Frühstücksei genießt – lieber erst fertigessen. Denn dieses Wort beschreibt, was mit männlichen Hühnerküken in Zuchtbetrieben passiert. Da Hähne einerseits natürlich keine Eier legen, aber auch nicht für die Mast geeignet sind, weil sie nicht genügend Fleisch ansetzen, werden sie bereits am ersten Tag nach dem Schlüpfen entweder vergast oder geschreddert. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland jährlich 50 Millionen männliche Küken getötet werden, in Österreich sind es laut der NGO „Vier Pfoten“ rund 9,4 Millionen, laut einem Bericht von derStandard.at (März 2017) sind es rund 5 Millionen.

Doch die Biomarke „Alnatura“ (in Österreich erhältlich REWE-Supermärkten und bei Müller, in Deutschland bei Edeka, Müller, Rossmann und in eigenen Alnatura-Filialen sowie in der Schweiz in Alnatura-Filialen und Migros) hat nun die Bruderküken-Initiative ins Leben gerufen:

Das Ziel: Alnatura will langfristig unter der Marke Alnatura nur noch Eier von Legehennen anbieten, deren männliche Küken („Bruderküken“) als Masthähnchen aufgezogen werden. Die ersten Bruderküken-Eier werden seit September 2016 in Bayern und Baden-Württemberg ausgeliefert. Seitdem weitet Alnatura das neue Konzept nach und nach auf alle übrigen Filialen aus. Auf den 6er bzw. 10er-Kartons mit den neuen Eiern befindet sich ein Hinweis auf die Bruderküken-Initiative. In der 6er-Verpackung kostet das Bruderküken-Ei pro Stück fünf Cent mehr als bisher, im 10er-Karton sind es lediglich vier Cent mehr pro Ei. (alnatura.de)

In der Erklärung von Alnatura wird auch darauf hingewiesen, warum die männlichen Küken nicht mal mehr für die Mast genutzt werden können: Denn die ZüchterInnen haben nur noch Legehennen gezüchtet, die ausschließlich zum Eierlegen vorgesehen waren – dadurch verloren sie durch die Zucht die Eigenschaft, neben Eiern auch Fleisch zu liefern. Und dies wird natürlich auch an nachkommende Generationen weitergegeben.

Kein Schreddern dank Geschlechtsfrüherkennung?

Eine neue Technologie soll Eier drei Tage nachdem sie von einer Henne gelegt worden sind, untersuchen – also lange bevor daraus ein männliches oder weibliches Küken schlüpft. Bei dieser Untersuchung soll bereits das Geschlecht bestimmt werden. Eier mit männlichen Kükenföten können dann industriell weiterverarbeitet werden (z.B. für Tierfutter), während „weibliche Eier“ normal ausgebrütet werden.

Der deutsche Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt kündigte an, dass bereits Mitte dieses Jahres das Kükenschreddern beendet und durch diese Technologie ersetzt werden soll.

In Österreich gibt es übrigens seit 2015 im Biobereich bereits eine Vereinbarung:

Männliche Küken von Biolegehennen dürfen in Österreich laut einer brancheninternen Vereinbarung seit 2015 jedenfalls nicht mehr nach dem Schlüpfen getötet werden. (derStandard.at)

Die Tierschutzsprecherin der österreichischen Grünen, Christiane Brunner, hat hinsichtlich eines gesetzlichen Verbotes von Kükenschreddern am 15. März im Gesundheitsausschuss einen Entschließungsantrag im Parlament eingebracht.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, congerdesign, Pixabay

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