#144 Abgestorbenes Seegras als Dämmung

Abgebrochenes Seegras landet meistens am Strand rum, sieht aus wie Heu und noch dazu stinkt es, wenn es nass ist. Nicht gerade die besten Merkmale, um bei BetreuerInnen der Strände für Freudentänze zu sorgen. Deshalb versucht man das Seegras so rasch wie möglich vom Strand wegzuschaffen und zu entsorgen.

Doch das tote Pflanzenmaterial kann nicht nur so am Strand rumliegen – es kann auch richtig gut Dämmen: Wie das Magazin enorm erklärt, hat es nicht nur gute Isoliereigenschaften, sondern auch eine „bessere Ökobilanz, da es fast unverarbeitet verbaut wird. Zudem ist es resistent gegen Schimmel und Ungeziefer“.

Durch Zufall stieß der Architekt Richard Meier im Spanienurlaub 2006 auf das Seegras, nahm etwas davon mit nach Deutschland und ließ es vom Frauenhofer-Institut überprüfen. „Das Ergebnis bestand darin, dass dieses Material durch seine silikathaltige Struktur gute Wärmespeicherfähigkeiten aufweist, relativ schwer entflammbar sowie gegen Feuchtigkeit und Schimmel resistent ist“ (hausjournal.net). Ein Jahr später, im Jahr 2007, erhielt er schließlich das Patent für sein Produkt „NeptuTherm„.

Meier starb Ende des Jahres 2016 überraschend an einem Herzinfarkt – seine Frau Monika und Sohn Michael führen aber „in seinem Sinne“ das Unternehmen weiter. Sie beziehen das Seegras aus Tunesien und Albanien. Selbst trotz des Transportweges hinterlässt es einen deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck als vergleichbare Dämmmaterialien.

Ich finde, wenn die Natur uns das schenkt, dann sollten wir das auch annehmen. (Richard Meier, swr.de)

Preislich spielt Seegras im „preislichen Mittelfeld des Dämmstoffmarktes“. Der Quadratmeterpreis liegt zwischen 24 und 35 Euro. „Mit gängigen Dämmmaterialien wie Stein- und Glaswolle oder Polystyrolen (EPS, XPS), aber auch mit Naturstoffen wie Flachs und Hanf lässt sich ein Gebäude zum Teil deutlich günstiger dämmen, der Vorteil von Seegras besteht demgegenüber in seiner zu 100 % ökologischen Qualität“ (hausjournal.net).

Auch Jörn Hartje, eigentlich Ornithologe, ist auf Seegras gestoßen – an der Ostsee. Er hat sein eigenes Haus damit gedämmt und Freunde wollten es ihm gleichtun. So hat er die Firma „Seegrashandel“ gestartet.

Die Idee, Seegras als Dämmmaterial zu verwenden ist nicht neu: „Im 18. Jahrhundert war Seegras der erste kommerziell gehandelte Dämmstoff, sagt Hartje. In der USA sei er sehr verbreitet gewesen, zum Beispiel wurde das Rockefeller-Center mit Seegras gedämmt“ (enorm-magazin.de).

Der große Nachteil, sowohl für Hartje als auch für Meier ist, dass oft nicht vorhersehbar ist, wo, wann und wie viel Seegras angespült wird – das erfordert schnelle Reaktion, rasches Handeln und gute Koordination.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, cocoparisienne, Pixabay

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