#325 Neuer Ansatz zur Entwicklung eines Aids-Impfstoffs

Wiener Forschern ist es gelungen, „aus der Hülle von Bodenbakterien eine leicht abgewandelte HIV-Oberfläche“ herzustellen, „mit der man neutralisierende Impfseren gegen das Virus herstellen kann“

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Wiener Forschern ist es gelungen, „aus der Hülle von Bodenbakterien eine leicht abgewandelte HIV-Oberfläche“ herzustellen, „mit der man neutralisierende Impfseren gegen das Virus herstellen kann“ (derstandard.at). Bislang war die Entwicklung  eines Impfstoffs gegen den Aids-Virus erfolglos, weil die Außenseite des Virus körpereigenen Strukturen ähnelt und der Impfstoff damit keine Immunantwort auslösen konnte.

Die Forscher des Departments für Chemie der Universität für Bodenkultur Wien haben dabei die Zellwandstruktur eines Bodenbakteriums durch chemische Synthese modifiziert. Ziel war es, dass durch die leichte Abänderung die Immunantwort besser ausfällt – was bei ersten Tests auch der Fall ist. Gemeinsam mit kanadischen KollegInnen konnten sie beobachten, dass der Antikörper bei fünf von sieben HIV-Stämmen neutralisierende Wirkung zeigte.


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Bildquelle: Bild von der Newsaussendung von boku.ac.at

#265 Neuer Antikörper greift 99 % der HIV-Stämme an

WissenschaftlerInnen des US National Institutes of Health und des Pharmaunternehmens Sanofi haben einen Antikörper entwickelt, nicht nur 99 % der HIV-Stämme angreift, sondern bei Primaten auch dazu führt, dass eine Infektion verhindert wird. Studien an Menschen sollen 2018 beginnen.

WissenschaftlerInnen des US National Institutes of Health und des Pharmaunternehmens Sanofi haben einen Antikörper entwickelt, nicht nur 99 % der HIV-Stämme angreift, sondern bei Primaten auch dazu führt, dass eine Infektion verhindert wird. Klinische Studien am Menschen beginnen im kommenden Jahr (2018) – sie werden zeigen, welche Wirkung der Antikörper auf den Menschen wirkt – ob er eine Infektion verhindern bzw. behandeln kann.

In einem/r einzelnen Patienten/-in befinden sich ganz viele verschiedene HIV-Mutationen. Vergleichbar ist das mit Grippestämme bei einer weltweiten Influenza-Saison. Für den Körper ist es dadurch schwieriger, gezielt gegen einzelne HIV-Stämme vorzugehen, wenn sie von unzähligen weiteren Stämmen abgelenkt werden. Dass der neue entwickelte Antikörper wirklich 99 % der verschiedenen Stämme erreicht und angreift, ist daher ein „aufregender Durchbruch“, wie die International Aids Society erklärt.

Nach jahrelanger Infektion entwickelt eine kleine Anzahl an PatientInnen sogenannte „broadly neutralising antibodies“ (übersetzt: weitgehend neutralisierende Antikörper) – ForscherInnen haben versucht, diese Antikörper zu nutzen. Wie sie in der Studie im Science-Fachmagazin erklären, haben sie drei solcher Antikörper kombiniert, was die Wirkung noch stärker gemacht hat. Denn normale „natürliche“ Antikörper kommen auf maximal 90 % HIV-Stammabdeckung. Bei Experimenten an 24 Affen mit diesem Antikörper kam es zu 0 (in Worten: null) Infektionen (nachdem der Virus injiziert wurde)


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#207 Todesfälle durch HIV/Aids in einem Jahrzehnt halbiert

Laut einem Bericht von UNAids hat sich die Zahl der Todesfälle durch HIV/Aids innerhalb eines Jahrzehnts halbiert – ebenso sank die Zahl der Neuinfektionen seit dem Höchstwert vor 20 Jahren um die Hälfte.

Innerhalb des vergangenen Jahrzehnts hat sich die Zahl der Todesfälle durch HIV-Infektion/Aids (fast) halbiert. Ein Bericht des „Joint United Nations Program on HIV/Aids (UNAids)“ zeigt: 2005 wurde mit 1,9 Millionen Toten weltweit der Höchstwert erreicht, 2016 waren es nun 1 Million Tote. Im Jahr 2000 galt eine Erkrankung auch zu den Top-10-Todesursachen, bei einer neuen Auflistung der Weltgesundheitsorganisation 2015 ist der HI-Virus daraus verschwunden. Zugleich sank auch die Zahl der Neuinfektionen: dem Höchstand von 3,5 Millionen im Jahr 1997 stehen nun 1,8 Millionen Infektionen im Jahr 2016 gegenüber.

Ein Grund für den Rückgang der Todesfälle ist, dass heutzutage erstmals mehr als die Hälfte aller Erkrankten Zugang zu medikamentöser Behandlung haben. Die Erkrankung kann nicht geheilt werden – doch mittels täglicher Einnahme von Medikamenten können Menschen nun gut mit der Krankheit leben.

Worldwide, 36.7 million are living with HIV and 53% of them are getting the therapy that gives a near-normal life expectancy. (bbc.com)

2015 erreichte man das Ziel, 15 Millionen Menschen in Behandlung zu haben – bis 2020, also innerhalb von fünf Jahren, soll sich die Anzahl der in Behandlung befindlichen Menschen verdoppeln – und man ist zuversichtlich, dies zu erreichen.


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Bildquelle: CC BY NC (2.0), Ikhlasul Amal, „STOP HIV/AIDS“ auf Flickr

#133 Lebenserwartung mit HIV auf fast normalem Niveau

Die Lebenserwartung von Menschen mit HIV-Infektion ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen: Zwanzigjährige, die 2010 eine antiretrovirale Therapie begannen, leben um zehn Jahre länger als jene, die sie 1996 begannen.

Zwanzigjährige, die im Jahr 2010 eine antiretrovirale Therapie begonnen haben, werden um zehn Jahre länger leben als Zwanzigjährige, die 1996 die ersten antiretroviralen Therapien erhalten haben. Das besagt eine neue Studie von ForscherInnen der University of Bristol (England, Vereinigtes Königreich), welche am 10. Mai 2017 im Fachmagazin „The Lancet HIV“ veröffentlicht wurde.

„The introduction of combination antiretroviral therapy (ART) has been one of the great public health success stories of the past 40 years.“ (Ingrid T. Katz und Brendan Maughan-Brown, The Lancet HIV)

Ein Grund dafür ist die Weiter- und Neuentwicklung von Medikamenten: neuere Medikamente zeigen weniger Nebenwirkungen und wirken besser, wenn es darum geht, den Virus davon abzuhalten, sich im Körper zu reproduzieren. Außerdem ist es für den Virus durch neuere Medikamente schwierig, eine Resistenz auf sie zu entwickeln.

Für die Studie wurden Daten von mehr als 88.000 Menschen in 18 europäischen und nordamerikanischen Staaten verglichen. Die Daten zeigten, dass die Lebenserwartung eines mit dem HI-Virus infizierten Menschen in antiretroviraler Therapie bei 78 Jahren liegt. Das ist nur gering unter der allgemeinen Lebenserwartung – diese lag 2014 in den USA bei 78,95 Jahre, in der Europäischen Union bei 80,9 Jahren.

Antiretrovirale Therapie besteht aus einer Kombination von drei oder mehr Medikamenten, welchen die normale Entwicklung des HI-Virus abbremst oder gar aufhält.

Die StudienautorInnen erklärten, dass die Ergebnisse zeigen, dass die bestehenden HIV-Therapien wirken – und dass nicht unbedingt neuere Medikamente benötigt werden; vielmehr sollte der Zugang zu den bestehenden Medikamenten für viel mehr Menschen möglich sein.


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#59 Wie ein junger Mann HIV-Neuinfektionen in England zurückdrängte

Greg Owen hat eine Website geschaffen, auf der er Generika von prophylaktischen HIV-Medikamenten verkaufte, bevor sie in England vom Gesundheitssystem übernommen wurden. Die gesunkenen Zahlen der Neuinfektionen sprechen deutlich für ihn.

Die Anzahl der HIV-Neudiagnosen bei schwulen Männern in London ist innerhalb von 12 Monaten um 40 Prozent, in ganz England um ein Drittel gesunken. Der Grund dafür ist Greg Owen und sein Einsatz für PrEP (Präexpositionsprophylaxe), also Medikamente, die bei täglicher Einnahme vor einer möglichen HIV-Infektion schützen sollen.

In einem langen Beitrag im britischen Buzzfeed erzählt Journalist Patrick Strudwick wie Owen dies gelang. Der junge Mann hatte selbst Angst davor, sich mit dem HI-Virus zu infizieren und wollte 2015 mit PrEP starten, was er auch in einem Facebook-Posting verlautbarte. Am Tag darauf wollte er noch einen Doppelcheck (Blut und Urin) durchführen lassen – doch die Nachricht, die er dort erhielt, war unerwartet: Er hatte sich bereits infiziert. Er war HIV-positiv. Als er auch das veröffentlichte er auf Facebook, bekam unglaublichen Zuspruch, Unterstützung, aber, wegen seinem vorhergegangenen Posting auch zahlreiche Fragen zu PrEP.

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Das Logo von Owens Website für PrEP-Medikamenten

Das brachte ihn dazu, sich zu fragen, wie man PrEP mehr und mehr verbreiten kann: Denn die Behandlung wurde von der britischen National Health Service (NHS) nicht bezahlt; wollte man es sich privat verschreiben lassen, hätte das pro Monat 500 Pfund (587,52 Euro) gekostet. Owens Idee, ein Generikum des Medikaments aus dem Ausland zu importieren und es auf einer eigenen Website anzubieten, war schließlich der Schlüssel zum Erfolg. Was jetzt ein bisschen dubios klingt, war mit Ärzten besprochen und die angebotenen Generika waren natürlich bereits zahlreichen Tests unterzogen. Die Kosten beliefen sich für eine Monatsration an Medikamenten auf rund 50 Pfund (58,75 Euro).

Vor allem auch, weil es 2016 erst daran scheiterte, dass die NHS begann, die Kosten für das Medikament zu übernehmen, um es schließlich im November doch noch zuzulassen, brachte viel Aufmerksamkeit auf PrEP und Owens Website. Zehntausende Menschen pro Monat informierten sich über die Medikamente und bestellten die Generikas. Deshalb ist er auch der wichtigste Part, der für den Rückgang in England zuständig ist, wie Professor Sheena McCormack, eine der angesehensten HIV-Ärztinnen, erklärt:

“She said, ‘It’s all very well us doing this – professors, doctors, researchers – but you did something that none of us could have done. You convinced people that they would want to use PrEP because you showed them how easy it was. And then you implemented support for them and then made it easy for them to buy it. None of us could have done that because none of us are you.’”

Reich geworden ist Owen damit nicht: Mit der Website verdient er selber nichts. Und musste deshalb in den vergangenen Monaten noch regelmäßig auf den Couches von Freunden und Familie schlafen und sich irgendwie durchschlagen. Dafür kann er sagen, dass er zu einem immensen Teil zuständig für einen der größten Rückgange an Neuinfektionen in England in den über 35 Jahren seit der Entdeckung des HI-Virus.


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#55 Erfolg gegen HIV bei frühen Impfstoffversuchen

Mit einem Medikamentenmix aus zwei innovativen HIV-Impfstoffen und einem Krebsmedikament ist es gelungen, dass bei einigen Studienteilnehmern das Virus zumindest für größeren Zeitraum nicht mehr nicht mehr nachweisbar war.

Heutzutage kann man mit einer HIV-Infektion durch die tägliche Einnahme von antiretroviralen Medikamenten. Aber natürlich forscht man weltweit an einer Möglichkeit, den Virus mittels Impfung bekämpfen zu können. Wird der HI-Virus nicht behandelt, bricht fast immer die Krankheit AIDS aus.

Ein Forschungsteam des IrsiCaixa Aids Research Institue in Barcelone hat für eine Studie zwei innovative HIV-Impfstoff, welche an der University of Oxford entwickelt wurden, und ein Krebs-Medikament Romidepsin miteinander kombiniert. Die Studie dauerte drei Jahre lang – dabei wurden 24 TeilnehmerInnen, welche vor kurzem erfahren hatten, dass sie das HI-Virus in sich trugen, zuerst einmal lange Zeit beobachtet, damit die ForscherInnen herausfanden, wie das Immunsystem auf die täglichen antiretroviralen Medikamente reagiert. Erst relativ spät bekamen dann 15 von ihnen schließlich die innovative Medikamentenkombi.

Bei fünf der TeilnehmerInnen war das Virus nach Erhalt der Behandlung vorübergehend mehr als ein Monat (und darüber hinaus) nicht mehr nachweisbar, durch das Immunsystem wurde dabei seine Verbreitung gestoppt. Einer von ihnen ist sogar seit sieben Monaten medikamentenfrei. Beim Rest wurden nach den ersten vier Wochen jedoch schon wieder das Virus festgestellt.

Das ist definitiv ein großer Fortschritt in der Forschung nach einem Impfstoff gegen HIV. So sieht das auch Mitchell Warren von der „Aids Vaccine Advocacy Coalition“:

Mitchell Warren, executive director of the Aids Vaccine Advocacy Coalition (Avac), said the study had been carried out on a small scale but its findings were “interesting and important”.

“Long-term systems that don’t require daily pill taking could really help accelerate getting 37 million people with HIV undetectable and not infectious – that would be a great opportunity to turn the tide on the epidemic,” he told The Independent.

Warum diese Medikamentenmix so besonders ist? Die beiden Impfstoffe stimulieren dabei die Produktion von weißen Blutkörperchen im Körper. Diese weißen Blutkörperchen sind fähig, Zellen zu erkennen und zu zerstören, die durch das Virus infiziert worden sind. Das Krebsmedikament Romidepsin dient dazu, dass der HI-Virus aus Geweben, in denen er sich niedergelassen hat, herausgespült wird.


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#4 Lebenserwartung am afrikanischen Kontinent steigt deutlich an

Von 2000 bis 2014 stieg die Lebenserwartung in vielen Staaten Afrikas in starkem Ausmaß an.

Die Bewohner des afrikanischen Kontinents wiesen bislang die weltweit durchschnittlich geringste Lebenserwartung aus. Wie ein Beitrag der (internationalen) Financial Times erklärt, hat sich die Lebenserwartung in einigen Ländern in großem Maße verbessert. Quelle für diese Aussage sind Zahlen der World Bank.

So stieg sie z.B. in Malawi von 2000 bis 2014 um 42,2 % bzw. um 18,6 Jahre (von 44,1 auf 62,7 Jahre). Fünf weitere Länder verspüren einen Anstieg von über 30%, sieben einen Anstieg von über 20 %. Den geringsten Anstieg gibt es in Südafrika (2,5 Prozent) und Swaziland (0,4%).

Viele afrikanische Staaten erlebten in den 90ern vor allem aufgrund der HIV/Aids-Epidemie starke Einbrüche in der Lebenserwartung. Auch heute kommen 25 Millionen der weltweit 35 Millionen HIV-Infizierten aus Subsahara-Afrika. Auch heute gibt es noch kein Heilmittel gegen den Virus. Aber antiretrovirale Medikamente (also Medikamente, die die Reproduktion von Retroviren wie z.B. HIV hemmen) wurden für viele Bewohner des Kontinents zugänglicher und leistbar – selbst für Menschen mit geringem Einkommen. Ebenso haben leistbare Generika von ganz herkömmlichen Medikamenten die Gesundheitsversorgung in Afrika verbessert.

2016 liegt die Lebenserwartung bei Frauen im Durchschnitt bei 62 Jahren, jene der Männer bei 59 Jahren, mit der höchsten in Nordafrika und der geringsten in Zentralafrika.


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