#256 Wenn der Windstrom billiger als die Atomkraft wird

Strom aus Offshore-Windanlagen in Großbritannien ist aktuell billiger als Strom aus Atomkraftwerken. Damit ist ein großer Kritikpunkt von Erneuerbarer Energie beseitigt – die Kostenfrage.

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Im Südwestküste Englands wird das Atomkraftwerk Hinkley Point C entstehen, zum ersten Mal seit 20 Jahren wird in der Europäischen Union wieder erneut ein solches Kraftwerk gebaut. Die Kosten dafür sind von 16 Milliarden Pfund (18,3 Mrd. Euro) auf 18 und nun auf 20,3 Mrd. Pfund angestiegen. Experten haben bereits 2016 errechnet, dass man mit dem Investment für Hinkley Point C es schaffen würde, Offshore-Anlagen in dem Ausmaß zu erbauen, dass sie die geplanten 5,7 Gigawatt des Atomkraftwerks ebenso erreichen würden.

Zudem ist der Preis für Strom aus den Offshore-Windanlagen ist unter das Niveau gefallen, dass mit Hinkley Point garantiert wurde. Bei den aktuellen Auktionen für neue Offshore-Farmen soll der garantierte Preis bei 70 Pfund pro Megawattstunde liegen – vor zwei Jahren lag der Preis bei 119,89 Pfund, 2014 gar bei 155 Pfund.

Die französische Firma EDF, die für Hinkley Point C verantwortlich ist, hat 92,50 Pfund pro Megawattstunde subventioniert bekommen – die Windfarm-Betreiber zwischen 70 und 80 Pfund.

Doch die Atomkraft wird doch weiterhin gebraucht – die Windfarmen werden 2.5 bis 3.5 Prozent des Energiebedarfs des Vereinten Königreichs decken. Und nachdem man in Zukunft auf Kohlekraftwerke – aufgrund des Pariser Abkommens – verzichten möchte, kann auf Atomkraft vorerst noch nicht verzichtet werden.


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#191 Über 120 Staaten unterzeichnen Verbot von Atombomben

122 Staaten haben einen Vertrag unterzeichnet, der ein Verbot von Atombomben vorsieht. Durch den Boykott der Staaten mit Atombomben und der NATO-Staaten wird es nur als symbolischer Akt angesehen – doch er soll Druck in Richtung Abrüstung ausüben.

Die Vereinten Nationen haben in einer Konferenz einen rechtsverbindlichen Vertrag ausverhandelt, der ein Verbot von Atombomben vorsieht. 122 Nationen haben dafür gestimmt, Niederlande stimmte dagegen und Singapur enthielt sich. Jedoch haben alle Staaten, welche Atombomben in ihrem Arsenal haben, die Verhandlungen boykottiert – sowie alle NATO-Mitglieder bis auf die Niederlande.

Kurz gesagt: Jene Länder ohne Atombomben haben sich für ein Verbot von Atombomben ausgesprochen. Man kann nun natürlich sagen, dass dies ein zahnloser Vertrag ist, dessen Umsetzung in Wahrheit unmöglich ist. Und doch ist es der allererste Vertrag zu diesem Thema. Jene Länder, die den Vertrag ratifizieren, erklären „“never under any circumstances to develop, test, produce, manufacture, otherwise acquire, possess or stockpile nuclear weapons or other nuclear explosive devices“. Somit wird zumindest die Zahl der Länder mit Atombomben nicht weiter steigen.

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Quelle: SIPRI. (n.d.). Anzahl der nuklearen Sprengköpfe weltweit 2016. In Statista – Das Statistik-Portal. Zugriff am 9. Juli 2017

Die Aufrüstung mit Atombomben ist ein Relikt aus dem Kalten Krieg. So verrückt es sich auch anhört, haben die Bomben den Frieden bewahrt – doch immer mit der Gefahr einer Eskalation. Die Kuba-Krise 1962 machte den Menschen erstmals die Gefahr eines globalen Atomkriegs bewusst – doch anstatt abzurüsten, haben seither immer mehr Länder Atombomben entwickelt.

Mit dem Beschluss wollen die Unterstützer Druck auf die Atommächte für eine Abrüstung ausüben. Friedensorganisationen begrüßten den Vertrag und sprachen von einem „historischen Abkommen“. (spiegel.de)


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#189 Frankreichs Pläne zum Erreichen des Paris-Klimaabkommens

Der französische Minister für Umwelt, Klimawandel und Energiewende hat den Frankreichs Plan vorgestellt, mit welchem die Ziele des Paris-Abkommens erreicht werden sollen. U.a. soll bis 2022 komplett auf Kohlekraftwerke verzichtet werden, ab 2040 sollen schließlich gar keine Autos mit Verbrennungsmotor zugelassen werden.

Die neue Regierung unter Staatspräsident Emmanuel Macron und Premierminister Édouard Philippe hat nun die klimapolitischen Pläne für die kommenden fünf Jahre vorgestellt. Der Minister für Umwelt, Klimawandel und Energiewende, Nicolas Hulot, hat den Aktionsplan präsentiert.

So möchte man die CO2-Steuer erhöhen und eine neue Schwerverkehrsabgabe einführen. Bis 2025 möchte man den Anteil des Stroms aus Atomkraftwerken von aktuell 75 % auf 50 % senken. Thermische Renovierung für Wohnhäuser soll zudem subventioniert werden.

Außerdem soll den Menschen schmackhaft gemacht werden, von alten Autos (Dieselautos vor 1997, Benzinautos vor 2001) Abschied zu nehmen um weniger umweltschädliche Fahrzeuge zu nutzen. Im Jahr 2040 sollen schließlich gar keine Diesel- oder Benzinautos mehr zugelassen werden.

Bis zum Ende von Emmanuel Macrons erster Amtszeit, also bis zum Jahr 2022, soll Frankreich übrigens gar keinen Strom mehr aus Kohlekraftwerken mehr brauchen. Vier Kraftwerke sind jetzt noch in Betrieb und müssen nun in den kommenden fünf Jahren schließen. Spannend dabei ist, wie die NZZ schreibt, dass vor einem Jahr noch der Bürgermeister von La Havre, einer Hafenstadt, in der eines der Kohlekraftwerke steht, die Kohle noch lautstark verteidigt hat. Sein Name: Édouard Philippe, der heutige Premierminister.


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#142 Schweiz: Mehrheit stimmt für Energiewende

Bei der am Sonntag stattgefundenen Volksabstimmung in der Schweiz haben sich 58,2 % der Wählerinnen und Wähler für die Energiestrategie 2050 ausgesprochen.

In vielen Medien liest man heute, dass die Schweiz sich für den Atomausstieg ausgesprochen hat. Das entspricht – sehr langfristig gesehen – auch der Wahrheit. Nur ist dieser „sanfte Atomausstieg“ nur ein kleiner Teil der „Energiestrategie 2050“, welche mit 58,2 % (bei einer Wahlbeteiligung von 42,4 %) angenommen wurde. Basis für diese Abstimmung ist ein revidiertes Energiegesetz (EnG), welches bereits im Herbst 2016 vom Parlament verabschiedet wurde.

Das Energiegesetz beinhaltet folgende Punkte: Verbot des Baus neuer Kernkraftwerke, Senkung des Energieverbrauchs, Steigerung der Energieeffizienz und Förderung erneuerbarer Energien. Auf diese Weise wird die Schweiz unabhängiger von importierten fossilen Energien. Gleichzeitig werden in der Schweiz die einheimischen erneuerbaren Energien gefördert und damit Arbeitsplätze sowie Investitionen geschaffen. (politnetz.ch)

Nach dem eindeutigen Ja für die Energiestrategie 2050 werden keine neuen Atomkraftwerke in der Schweiz hinzukommen. Wobei dies eher ein symbolischer Akt sei, wie Karl Gaulhofer in der Presse schreibt: „Durch das Überangebot an gefördertem Ökostrom sind die Preise so niedrig, dass sich die Investition in ein AKW nicht mehr rentiert“ (diepresse.com). Von den fünf bestehenden Atommeilern wird Mühleberg 2019 aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Netz genommen. Zwei weitere stehen seit Monaten still – aufgrund technischer Probleme. Dabei ist fraglich, ob Beznau 1, das dienstälteste Atomkraftwerk der Welt, je wieder ans Netz gehen wird.

Das Gesetz sieht aber grundsätzlich vor, dass die restlichen vier so lange weiterlaufen dürfen, solange sie als sicher eingestuft werden. Dabei kann es aber natürlich dazu kommen, dass wirtschaftliche Gründe auch bei den vier AKWs dazu führen, dass die eigentlich sicheren Reaktoren früher oder später abgeschaltet werden.

Die drei Eckpfeiler der Energiewende 2050

  • Atomausstieg: keine neuen AKWs, „Auslaufen lassen“ der bestehenden AKWs)
  • Erneuerbare Energien: Sonne, Wind, Biomasse, Abfall, Biogas und Geothermie haben im Jahr 2000 0,2 TWh (Terawattstunden) erzeugt, 2015 waren es 1,7 TWh, bis 2035 sollen es 11,4 TWh und bis 2050 schließlich 24,2 TWh werden. (Wem Wasserkraft fehlt: Die Schweiz bezieht bereits 60 % des Schweizer Stroms aus Wasserkraft)
  • Energieeffizienz: Hier soll sich der Energieverbrauch von 232,9 TWh im Jahr 2015 auf 125 TWh im Jahr 2050 verringern. Außerdem soll der Stromverbrauch pro Kopf um 18 % sinken (im Vergleich zum Verbrauch im Jahr 2000)

Das neue Gesetz soll Anfang 2018 in Kraft treten.


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Bildquelle: CC0 Public Domain, 422737, Pixabay

#13 Schweden will 100 % erneuerbare Energie bis 2040

2015 stammten bereits 57 % des schwedischen Strombedarfs aus erneuerbaren Energien – bis 2040 sollen es schließlich 100 % werden.

Wie der Independent berichtet, ist Schweden auf dem besten Weg, ihr Ziel zu zu erreichen: Bis zum Jahr 2040 wollen die Skandinavier ihren Bedarf voll und ganz mit erneuerbare Energien abdecken. Schon 2015 stammten 57 % des schwedischen Strombedarfs aus erneuerbaren Energien. Im selben Jahr verkündete der schwedische Premierminister Stefan Löfven, dass man durch massive Investitionen in erneuerbare Energien und grüne Technik eines der ersten Länder weltweit sein möchte, das komplett auf fossile Brennstoffe verzichten will.

Warum das in Schweden offenbar so gut gelingt? Weil das Land nicht dicht besiedelt ist und somit viel Land für den Bau von großen Windradanlagen zur Verfügung steht. Die zehn schwedischen Atomkraftwerke werden deshalb nach und nach abgedreht und ihr Anteil an der schwedischen Stromerzeugung von den Windrädern übernommen.

Andere Länder sind da noch besser dran: Dänemark stellt 140 % des dänischen Energiebedarfs allein durch Windkraft her und exportiert den Überschuss in die Nachbarländer. Island schafft es fast, dass 100 % ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien kommt. Costa Rica gelang es 2016 auch fast zu 100 %, rein mit erneuerbarer Energie auszukommen.


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