#309 Diabetes Typ 2 im Darm heilen

Eine neue Behandlungsmethode für PatientInnen mit Diabetes Typ 2 legt den Fokus auf den Darm. Im Zwölffingerdarm wird die Insulinproduktion mit angeregt – und ist die dafür zuständige Schleimhaut beschädigt, kann das zu Problemen führen. Die neue Idee sieht vor, eben diese Schleimhaut zu erneuern.

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Der Darm ist – wie viele Menschen spätestens seit dem Buch „Darm mit Charme“ wissen – ein herausragendes, unglaublich wichtiges Organ. Es ist das größte Nervensystem außerhalb des Gehirns – und der Darm gibt auch die meisten Hormone ab.

Der US-amerikanische Kardiologe Harith Rajagopalan kam deshalb auf die Idee, eine neue Behandlungsmethode für Typ-2-Diabetes zu entwickeln, bei der der Darm eine wichtige Rolle spielt. Denn der Zwölffingerdarm regt die Insulinproduktion mit an – „durch spezielle Zellen in der Schleimhaut, die das Hormon GLP-1 ausschütten“ (science.orf.at). Isst man zu viel Fett und Zucker, so wird diese Schleimhaut angegriffen und reagiert nicht mehr richtig.

Rajagopalans Idee sieht vor, einen „Katheter – mit einer Art Ballonaufsatz – durch den Mund in den Zwölffingerdarm eingeführt werden und einige Zentimeter der oberflächlichen Schleimhaut auf 90 Grad Celsius erhitzen“ (science.orf.at). Die dadurch zerstörten Zellen werden danach ausgeschieden und die Schleimhaut erneuert sich innerhalb von sechs Wochen komplett. Komplett uneigennützig ist Rajagopalans Idee aber nicht: Der Katheter wurde von Fractyl entwickelt – er selber ist Mitgründer des Medizingeräteherstellers.

In den von Fractyl bereits durchgeführten Studien spricht man von deutlicher Verbesserung der Fälle in 80 Prozent der Fällen. Unabhängige Studien zur Effektivität gibt es noch nicht – der Katheter selber ist aber bereits in der EU zugelassen. Es laufen zudem schon klinische Studien in Europa. Laut Rajagopalan könnte diese Behandlungsmethode auf unserem Kontinent in zwei bis drei Jahren zugelassen sein.


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Bildquelle: CC0 Public DomainSeanbattyPixabay

#210 Die Welt ist friedlicher geworden

Bei regelmäßigem Medienkonsum könnte man das Gefühl bekommen, dass die Zeiten immer schlimmer werden. Zahlen zeigen aber, dass die Welt heutzutage – im Vergleich zu den letzten sechs Jahrhunderten – deutlich friedlicher ist.

Mit der Welt geht es bergab! – Das könnte man vermuten, wenn man regelmäßig die Berichterstattung in Zeitungen, Zeitschriften oder in den Nachrichtensendungen der TV-Stationen konsumiert. Kriege und Terror werden uns damit tagtäglich in unsere Wohnzimmer gesendet, Konflikte vom anderen Ende der Welt landen auf der Titelseite und in unseren Briefkästen. Die Wahrheit ist jedoch: Es gab seit dem Jahr 1400 keine Zeit, in der weniger Menschen weltweit in Konflikten gestorben sind.

global death in conflicts since the year 1400
Globale Todeszahlen in Konflikten seit dem Jahr 1400

Die Grafik von „Our World in Data“ zeigt den Verlauf der vergangenen sechshundert Jahre. Der Forscher Max Roser arbeitet an der Universität von Oxford und publiziert (aktuell mit zwei Kollegen) auf seiner Website aktuelle Zahlen, um die Entwicklung der Welt im großen Ganzen (und vor allem im geschichtlichen Verlauf) darzustellen.

Ein wichtiger Grund, warum die Todeszahlen in Konflikten derart zurückgegangen sind ist der Frieden, der in Europa (in den Ländern der Europäischen Union) seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs herrscht.

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Jahre, in denen europäische Staaten in internationalen Kriegne teilnahmen (1500-2000) (CC BY SA 4.0, Max Roser / Our World in Data)

„Was die Nachrichten dominiert, sind die Kriege, die stattfinden und nicht jene, die nicht stattfinden“ (Max Roser, businessinsider.de)

Dabei sollen natürlich aktuelle Konflikte mit zahlreichen Toten nicht kleingeredet werden: Auch heute noch sterben zu viele Menschen in Kriegen. Und doch zeigt die Statistik, dass wir in vergleichsweise friedlichen Zeiten leben, vor allem auch gesehen im Verhältnis zur Weltbevölkerung.


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Bildquelle: CC0 Public Domain, Defence-Imagery, Pixabay; CC BY SA 4.0, Max Roser / Our World in Data

#173 Europäische Kommission startet Instrument zur Kompetenzermittlung für Asylsuchende

Die Europäische Kommission hat ein Instrument vorgestellt, mit welchem Kompetenzprofile von Asylsuchenden erstellt werden können – damit ihre Fähigkeiten schneller anerkannt werden können und weitere Bildungswege eventuell eingeleitet werden können.

Die EU-Sozialkommissarin Marianne Thyssen hat am 20. Juni 2017, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, eine neue elektronische Plattform vorgestellt, die Nicht-EU-BürgerInnen und eben auch gezielt Asylsuchenden bei der Arbeitsvermittlung helfen soll. Die Beamten der Europäischen Union haben sich sogar einen besonders eingängigen Namen dafür ausgedacht: „EU-Instrument zur Erstellung von Kompetenzprofilen für Drittstaatsangehörige“.

Das Problem ist, dass es oftmals sehr schwierig ist, die Bildung und Ausbildung von geflüchteten Menschen zu ermitteln. Genau da soll dieses Instrument helfen: Zuerst füllen einE InterviewerIn (z.B. einE SozialarbeiterIn) und der/die Befragte (aus einem Drittstaat) einen Fragebogen aus, bei der die Kompetenzen, der schulische und berufliche Werdegang, Arbeit/Lebensunterhalt, Erfahrungen und Erwartungen abgefragt werden. Danach kann man in einem Web-Editor (welcher in 30 Sprachen – den EU-Amstsprachen und den Sprachen Arabisch, Farsi, Paschtu, Sorani, Somalisch und Tigrinya – zugänglich ist).

Durch das Ausfüllen des Fragebogens und des Web Editors erhält der/die NutzerIn ein „Kompetenzprofil“. Der/die Sozialarbeiterin kann dann Empfehlungen für die nächsten Schritte abgeben: zum Beispiel einen Besuch bei einer amtlichen Akkreditierungsstelle zur Anerkennung einer Qualifikation, die Empfehlung eines Sprachkurses oder einen Termin bei einer öffentlichen Arbeitsverwaltung.

In Deutschland kann drei Monate nach der Antragstellung auf Asyl können Menschen aus Drittstaaten eine Arbeitserlaubnis beantragen. Die zuständige Stelle ist die Ausländerbehörde. In Österreich dürfen Unternehmer grundsätzlich keine Asylwerber beschäftigen, wobei es dabei ein paar Ausnahmen gibt. So kann eine Beschäftigung als Saisoner erteilt werden. Zudem soll es für jugendliche Asylwerber bis zu 25 Jahren einen Lehrplatz geben – aber nur in jenen Lehrberufen, in denen ein nachgewiesener Lehrlingsmangel besteht. Aber egal ob als Saisoner oder im Lehrberuf: Auch hier muss man zumindest seit drei Monaten zum Asylverfahren zugelassen sein.


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#167 Für EU-Mitgliedsstaaten wird Pariser Klimaabkommen gesetzlich verpflichtend

Mit überwältigender Mehrheit haben sich die Mitglieder des Europäischen Parlaments für eine Gesetzesinitative ausgesprochen. Damit sollen gesetzlich Zielvorgaben festgelegt werden, damit die 28 EU-Staaten die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen.

Würden sich alle Staaten dieser Erde an ihre Versprechungen aus dem Pariser Klimaabkommen halten, wäre das natürlich eine gute Entscheidung im Kampf gegen den Klimawandel. Entscheidet sich aber ein Land, sich nicht an die Abmachungen zu halten, dann wird es dafür nicht bestraft. Für viele Umweltorganisationen ist das der große Nachteil am Abkommen. Für die 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union soll sich nun durch ein Gesetz verändern.

Das Europäische Parlament hat sich am 14. Juni 2017 mit überwältigender Mehrheit (534 Stimmen dafür, 88 Gegenstimmen. 56 haben sich enthalten) für diese Gesetzesinitiative ausgesprochen. Das Gesetz würde die Mitgliedsstaaten dazu verpflichten, den Ausstoß von Treibhausgasen um 40 Prozent unter den Wert von 1990  Die Europäische Union ist der drittgrößte Produzent von Treibhausemmissionen – nach China (30 %) und den USA (15 %) kommen die EU-28 auf 9%, gefolgt von Indien (7 %), Russland (5 %) und Japan (4 %). Bislang konnte die EU den Ausstoß um 22 Prozent verringern, für die restlichen 18 Prozent braucht es breit angelegte Anstrengungen.

Der von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Entwurf muss nun noch im Rat der Europäischen Union verabschiedet werden – danach muss es noch von den einzelnen nationalen Regierungen in nationales Recht umgewandelt werden. Das kann also noch einige Jahre dauern – und doch ist es vielversprechend und vielsagend, dass sich das Parlament mit einer derart großen Zustimmung dafür ausgesprochen hat.


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#162 Schutz der Ozeane: UN-Konferenz bringt Selbstverpflichtung aller Mitgliedsstaaten

Alle 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen haben sich bei der ersten Oceans Conference zusammengetan, um gemeinsam gegen die Verschmutzung und Überfischung vorzugehen.

Zum allerersten Mal trafen sich VertreterInnen der Vereinten Nationen zu einer Meereskonferenz. Nach fünf Tagen haben sich alle 193 Mitgliedsstaaten auf eine gemeinsame Vorgehensweise geeinigt. So wollen sie die Ozeane „konservieren und nachhaltig“ nutzen und gaben 1.300 Selbstverpflichtungen für Meeresschutzprojekte ab.

8.000 TeilnehmerInnen, darunter RegierungsvertreterInnen, Staatschefs und -chefinnen und MeeresexpertInnen, trafen sich von 5. bis 9. Juni 2017 im Sitz der Vereinten Nationen in New York. Herausgekommen ist ein „Call for Action“, mit 14 Punkten, an die sich alle Staaten halten sollten. Peter Thomson, der Präsident der Generalversammlung, spricht sogar davon, dass sich für alle Beteiligten die Beziehung zu den Ozeanen verändert habe. „Von jetzt an könne niemand mehr sagen, dass man „von dem Schaden, den die Menschheit den Ozeanen angetan hat, nichts wusste“ (dw.com).

Die Konferenz hat nun viele Absichterklärungen gebracht – jetzt müssen die Staaten diese auch in nationale Politik umsetzen und durchsetzen. In Europa hat die EU zugesichert, „Westafrika mit 15 Millionen Euro zu unterstützen, um vor Ort eine nachhaltige Fischerei aufzubauen. Für das Management bestehender Meeresschutzgebiete will Europa 60 Millionen Euro beisteuern, vorwiegend in Entwicklungsländern. In europäischen Gewässern soll die Meeresverschmutzung angegangen werden, dazu will Brüssel Reduktionsziele für den Meeresmüll vorgeben“ (sueddeutsche.de)

Kritik kommt von Umweltorganisationen: Einerseits begrüßen sie die Erklärung, sehen aber keinen Mechanismus, der überprüft, ob die einzelnen Staaten ihre Selbstverpflichtungen auch schaffen. Mit dem Seerechtsübereinkommen (SRÜ) von 1982 gibt es eigentlich schon einem umfassenden Rahmenvertrag der UN für zahlreiche Länder – durch die rapide fortschreitende Verschmutzung und Überfischung scheint nun etwas mehr Schwung in die ganze Sache zu kommen.

Asiatische Staaten versprechen Veränderung

China, Thailand, Indonesien und die Philippinen haben sich im Rahmen der Konferenz. Anfang 2016 wurde diese vier Länder (gemeinsam mit Vietnam) für mehr als die Hälfte des gesamten Plastikmülls in den Meeren verantwortlich gemacht. Laut Oceans Conservancy sollen sogar rund 60 Prozent des gesamten Plastikmülls, das pro Jahr im Meer landet, aus diesen fünf Staaten kommen.

Thailands Regierung hat eine 20-Jahres-Strategie entwickelt um das Problem zu bekämpfen. In Indonesien startet die Regierung ein Programm um Schulkinder zu bilden. Die Philippinen entwickeln neue Gesetze.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, Pexels, Pixabay

#139 Europäisches Parlament will Verschwendung von Lebensmitteln verringern

Das Europäische Parlament hat einem Initiativbericht verabschiedet, der die EU-Kommission auffordert, einen Aktionsplan gegen Lebensmittelabfälle zu entwickeln, um damit die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren.

Laut Schätzungen sollen in den achtundzwanzig Ländern der Europäischen Union jährlich rund 88 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll landen – das sind umgerechnet 173 Kilogramm pro Bürgerin und Bürger.  Abgeordnete des Europäischen Parlaments haben aus diesem Grund Maßnahmen vorgeschlagen, um der Verschwendung Einhalt zu gebieten und sie bis zum Jahr 2024 um 30 % und bis  zum Jahr 2030 um 50 % zu verringern.

„Das Parlament fordert die EU-Kommission auf, die Beschränkungen für Lebensmittelspenden aufzuheben und die Verwirrung bezüglich der Angaben zum „Mindesthaltbarkeitsdatum“ und zum „Verbrauchsdatum“ von Lebensmitteln zu beenden.“ (europarl.europa.eu)

Die kroatische Berichterstatterin Biljana Borzan, Mitglied im Ausschuss für „Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit“, fordert „koordinierte politische Maßnahmen in den Bereichen Etikettierung, Haftung und Information, da die meisten Verbraucher die genaue Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums und des Verbrauchsdatums nicht verstehen“. Außerdem sollen Mängel bei bestehende EU-Rechtsvorschriften, welche Lebensmittelspenden behindern, geändert werden. Ebenso sollen diese Spenden von der Mehrwertsteuer befreit sein.

Am 16. Mai 2017 wurde ihre Entschließung mit 623 Stimmen verabschiedet, es gab 33 Gegenstimmen und 20 Enthaltungen.

Infografik: Lebensmittelverschwendung in der EU

In dieser Infografik sind verschiedene Daten aus der EU und ihren Mitgliedsländern hinsichtlich dem Problem der Lebensmittelverschwendung gesammelt:


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, congerdesign, Pixabay, Infografik: europarl.europa.eu

#97 EU beschließt neue Verordnung für Handel von Konfliktmineralien

Die neue Verordnung soll verhindern, dass durch den Import von Mineralien bewaffnete Konflikte (v.a.) am afrikanischen Kontinent finanziert werden.

Vielen Menschen wird der Begriff „Konfliktmineralien“ (oder Konfliktrohstoffe oder -ressourcen) nur wenig sagen: Dieser Begriff beschreibt Bodenschätze, welche in Konfliktregionen gefördert werden, deren Abbau illegal und durch Rebellen und Milizen außerhalb staatlicher Kontrolle stattfindet. Diese Mineralien werden u.a. in Smartphones, Schmuck oder Fahrzeugen verarbeitet – die Industrie hat deshalb natürlich großes Interesse an ihnen.

Die „Verordnung zur Schaffung eines Unionssystems zur Selbstzertifizierung der Erfüllung der Sorgfaltspflicht in der Lieferkette durch verantwortungsvolle Einführer von Zinn, Tantal, Wolfram, deren Erzen und Gold aus Konflikt- und Hochrisikogebieten“ (in weiterer Folge nur mehr „Verordnung“ genannt) verlangt nun von Importeuren in die EU, dass sie die Herkunft von importierten Rohstoffen mit Zinn, Tantal, Wolfram und Gold  transparent nachweisen müssen – damit sichergestellt werden kann, dass damit keine bewaffneten Konflikte von der europäischen Industrie mitfinanziert werden. Ab 1. Jänner 2021 wird diese Verordnung wirksam sein, bis dahin müssen alle (dann wohl nur mehr 27 Mitglieder der EU) die Verordnung in nationales Recht umgesetzt haben.

Die Verordnung enthält klare Verpflichtungen für eine verantwortungsvolle Beschaffung im „vorgelagerten“ Teil des Produktionsprozesses, der den Abbau und die Veredelung der genannten Mineralien umfasst. Mindestens 95 % aller EU-Importe von Metallen und Mineralien werden unter die Neuregelung fallen; Kleinimporteure werden nicht betroffen sein. (consilium.europa.eu)

Die Verordnung wurde durch Parlament und Rat beschlossen – nun muss es nur mehr im Amtsblatt der Europäischen Union publiziert werden.

Update (24.04.2017): Sind ProduzentInnen, die Konfliktmineralien in Produkten benutzen, ebenfalls verpflichtet, dies zu melden? 

Ich habe bei der Europäischen Kommission nachgefragt – hier ist die Antwort:

The due diligence check on the supply chain is mandatory for the importers of raw materials, whereas reporting is at the moment voluntary for producers where products contain these minerals.

Also: Nein. ProduzentInnen können es freiwillig melden, sind aber nicht verpflichtet.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, hangela, Pixabay