#307 Neuseeland plant Visa für Klimaflüchtlinge

Menschen fliehen vor Krieg, Diktatur, Verfolgung und Aussichtslosigkeit – und vor den Folgen des Klimawandels. Doch in den meisten Ländern ist Klima-Flucht bislang kein Asylgrund. Für Neuseeland soll sich das nun ändern.

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Menschen fliehen vor Krieg, Diktatur, Verfolgung und Aussichtslosigkeit – und vor den Folgen des Klimawandels. Erst kürzlich zeigt eine Studie von Oxfam (Oxfam ist ein internationaler Verbund von verschiedenen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen), dass Menschen aus ärmeren Ländern „ein fünfmal höheres Risiko, aufgrund von Extremwettern aus ihrer Heimat vertrieben zu werden, als Bewohner wohlhabender Staaten“. Doch in den meisten Ländern ist Klima-Flucht bislang kein Asylgrund. Für Neuseeland soll sich das nun ändern.

Der neuseeländische Umweltminister James Shaw hat erklärt, dass eine erste Testphase mit „experimentellen Visa“ schon bald starten könnte.

Das alles passiert, nachdem bereits einige Klimaflüchtlinge um Asyl angesucht haben – und ihre Anträge abgelehnt wurden. In Zukunft soll nun aber auch der Klimawandel als Asylgrund akzeptiert werden. Das wird wohl auch in zahlreichen weiteren Ländern notwendig werden – denn sollte das „Zwei-Grad-Ziel“ (also der internationale Versuch, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu halten) nicht erreicht werden, so müsse man mit bis zu 200 Millionen Klimaflüchtlingen rechnen. (orf.at)


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#239 „Verwenden statt verschwenden“ – Offener Kühlschrank für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

SchülerInnen des Bundesgymnasiums Dornbirn haben die Initiative „Verwenden statt verschwenden“ gestartet. Dabei werden übrig gebliebene Speisen aus der Schulkantine, die normalerweise entsorgt werden, in einem offenen Kühlschrank gelegt, auf den unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zugreifen können.

Am Bundesgymnasium Dornbirn war es SchülerInnen irgendwann nicht mehr egal, dass zu viele Speisen in der Schulkantine entsorgt wurden, die übrig geblieben sind. Sie wollten etwas ändern. Das Ziel war es, einen Food-Sharing-Kühlschrank bereitzustellen. Dieses übrig gebliebene Essen sollte Flüchtlingen zugute kommen – so war der Plan.

Das Projekt ist gelungen: Unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge aus dem Ort wird durch den „offenen Kühlschrank“ eine zeitunabhängige Entnahme ermöglicht. Nicht nur, dass hier keine Lebensmittel mehr verschwendet werden, die geflüchteten Jugendlichen kommen dabei auch noch in den Genuss von lokal gekochten Gerichten. Unterstützung bekam er dabei durch die Initiative „Eure Projekte“ (siehe unten) – dadurch konnte ein Kühlschrank samt Behälter angeschafft werden. Einer der Schüler, selber ein Flüchtling, bringt dabei die Speisen regelmäßig in die Flüchtlingsunterkunft.

„Verwenden statt verschwenden“ zeigt wieder einmal, wie ein kleines, regionales Projekt die großen Probleme unserer Welt anpacken kann – und dabei auch noch die Verbindung zwischen der alteingesessenen Bevölkerung und den Geflüchteten verbessert. Das Projekt wurde auch mit dem Österreichischen Jugendpreis ausgezeichnet.


EureProjekte_Logo_frei.jpgEure Projekte

„Eure Projekte“ ist eine Initative des österreichischen Bundesministeriums für Familien und Jugend. Hierbei können junge Menschen, die ein Projekt umsetzen möchten um finanzielle Unterstützung von bis zu 500 Euro ansuchen. Zusätzlich erhalten die Jugendlichen individuelle Projektberatung. Zielgruppe sind Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren. Wer eine Idee hat, kann hier seine/ihre Idee bzw. sein/ihre Projekt einreichen: eureprojekte.at


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#228 Ugandas offene Grenzen für Flüchtlinge

Der ostafrikanische Binnenstaat Uganda bietet Flüchtlingen nach ihrer Ankunft 900 Quadratmeter Grund, eine Arbeitserlaubnis ab dem ersten Tag und ein Bleiberecht für immer. Und hat schon über 1 Million Geflüchtete aufgenommen.

Der ostafrikanische Binnenstaat Uganda bietet Flüchtlingen nach ihrer Ankunft 900 Quadratmeter Grund, eine Arbeitserlaubnis ab dem ersten Tag und ein Bleiberecht für immer. In den vergangenen Jahren nahm das Land rund eine Million Menschen auf der Flucht auf – vor allem aus dem kriegsgebeutelten Südsudan, zudem auch aus dem Kongo, Somalia, Eritrea und Burundi.

Die UNO-Flüchtlingshilfe schreibt im März 2017, dass von den rund 1,5 Millionen Flüchtlingen aus dem Südsudan Uganda mit rund 700.000 Flüchtlinge fast die Hälfte aufgenommen hat. Inzwischen sollen es fast eine Million Kriegsflüchtlinge aus dem Südsudan sein.

Die Menschen erhalten nach ihrer Ankunft 30 mal 30 Meter Grund, dass sie selber bebauen dürfen, mit einem Wohnhaus und einem Garten. Zwar sind die Gegenden nahe der Grenze vom Klima her eher raus, das Land karg – und doch: für die Menschen ist es nach der Flucht ein sicherer Ort.

Eigennützig hilfsbereit

Uganda profitiert von den Flüchtlingen: der bislang unterentwickelte Nordwesten des Landes erhält durch die internationale Hilfe erhöhte Aufmerksamkeit. So entstehen, dank der Hilfsorganisationen, hunderte Kilometer neue Straßen oder ganze Ortschaften. Es entwickeln sich Märkte, Unterkünfte, Restaurants oder auch Büros für die unzähligen registrierten Hilfsorganisationen.

Die Versorgung der Geflüchteten findet dabei vor allem durch die Hilfsorganisationen statt. Um das Essen kümmert sich das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen – Kritiker meinen, dass Uganda da selber aktiver werden soll, und wie z.B. Tansania oder Kenia große Getreidespeicher für Dürrezeiten zu füllen.

Die Europäische Union unterstützt Uganda nach einem Beschluss im Juni 2017 mit 85 Millionen Euro – das UN-Flüchtlingswerk forderte für das Land Hilfsgelder in Höhe von 673 Millionen Dollar (624 Millionen Euro). Der zypriotische EU-Kommissar (für humanitäre Hilfe und Krisenmanagement) Christos Stylianides erklärt: „Wie Uganda schutzlosen Menschen hilft, mit ihrer Flucht umzugehen, ist Vorbild für die ganze Region und die Welt“. Weiter: „Aber kein Land kann so eine hohe Zahl an Flüchtlingen alleine bewältigen.“

Gefährlich ist, dass sich offenbar die ugandische Regierung auch selber finanziell etwas an den Hilfsprojekten bedient – Korruption war, ist und bleibt leider ein Problem in diesem Land. Kommt ein solcher Skandal ans Tageslicht, werden mitunter auch Hilfsgelder eingefroren – eine Gefahr für die Versorgung der Flüchtlinge.


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#202 Die Möglichkeit eines Bankkontos für Flüchtlinge

Das Start-Up Taqanu möchte Flüchtlingen ermöglichen, auch ohne staatliche Ausweispapiere ein Bankkonto zu eröffnen. Die Identifikation soll stattdessen mit dem digitalen Fingerabdruck funktionieren.

Die Integration von geflüchteten Menschen ist ein (gesellschafts-)politisches Dauerthema. Für Balázs Némethi scheitert die Eingliederung in die Gesellschaft bereits häufig daran, dass viele von ihnen kein Bankkonto besitzen. Das will er mit seinem Start-up Taqanu verändern.

Konto ohne Ausweis?

Das Problem für Flüchtlinge ist häufig, dass sie ohne staatliche Ausweispapiere ankommen. Für Banken normalerweise eine Voraussetzung, um überhaupt erst einmal ein Konto zu eröffnen. Némethi will seine potentiellen „Kunden“ anders identifizieren – mit ihren persönlichen digitalen Fingerabdruck:

Es ist problemlos möglich, jemanden anhand seines Onlineverhaltens zu identifizieren. Egal ob Kontakte, Suchanfragen, Profile in sozialen Netzwerken, das Tipp- und Wischverhalten auf dem Smartphone: Wenn man nur einen Bruchteil der verfügbaren Daten zusammenträgt, ergibt sich ein Profil, das so einzigartig wie ein Fingerabdruck ist. (Balázs Némethi im enorm Magazin)

Némethi betont, dass sie diese Daten nur zur Analyse nutzen, sie bleiben dabei immer im Besitz des/der jeweiligen Nutzers/Nutzerin und dieseR entscheidet auch, worauf Taqanu Zugriff bekommt.

In Zukunft soll diese Technik auch für weitere Bereiche geöffnet werden. So ist es vorstellbar, auch in Krankenhäusern, bei Mobilfunkanbietern oder im Online-Shopping diese Form der Identitätsfeststellung einzusetzen. Doch ob es überhaupt umgesetzt werden kann, ist fraglich: Je nachdem, ob die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (kurz: BaFin) es zulässt – oder eben nicht.

Némethi sieht darin eine Möglichkeit, die Integration voranzutreiben:

Wenn wir es schaffen, diesen Menschen einen Zugang zum Finanzmarkt zu geben, kommt der Stein ins Rollen: Ist der einmal da, können die Flüchtlinge auch Verträge unterschreiben, Arbeit suchen – sich kurz gesagt eine Identität aufbauen und sich integrieren. (enorm Magazin)


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#173 Europäische Kommission startet Instrument zur Kompetenzermittlung für Asylsuchende

Die Europäische Kommission hat ein Instrument vorgestellt, mit welchem Kompetenzprofile von Asylsuchenden erstellt werden können – damit ihre Fähigkeiten schneller anerkannt werden können und weitere Bildungswege eventuell eingeleitet werden können.

Die EU-Sozialkommissarin Marianne Thyssen hat am 20. Juni 2017, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, eine neue elektronische Plattform vorgestellt, die Nicht-EU-BürgerInnen und eben auch gezielt Asylsuchenden bei der Arbeitsvermittlung helfen soll. Die Beamten der Europäischen Union haben sich sogar einen besonders eingängigen Namen dafür ausgedacht: „EU-Instrument zur Erstellung von Kompetenzprofilen für Drittstaatsangehörige“.

Das Problem ist, dass es oftmals sehr schwierig ist, die Bildung und Ausbildung von geflüchteten Menschen zu ermitteln. Genau da soll dieses Instrument helfen: Zuerst füllen einE InterviewerIn (z.B. einE SozialarbeiterIn) und der/die Befragte (aus einem Drittstaat) einen Fragebogen aus, bei der die Kompetenzen, der schulische und berufliche Werdegang, Arbeit/Lebensunterhalt, Erfahrungen und Erwartungen abgefragt werden. Danach kann man in einem Web-Editor (welcher in 30 Sprachen – den EU-Amstsprachen und den Sprachen Arabisch, Farsi, Paschtu, Sorani, Somalisch und Tigrinya – zugänglich ist).

Durch das Ausfüllen des Fragebogens und des Web Editors erhält der/die NutzerIn ein „Kompetenzprofil“. Der/die Sozialarbeiterin kann dann Empfehlungen für die nächsten Schritte abgeben: zum Beispiel einen Besuch bei einer amtlichen Akkreditierungsstelle zur Anerkennung einer Qualifikation, die Empfehlung eines Sprachkurses oder einen Termin bei einer öffentlichen Arbeitsverwaltung.

In Deutschland kann drei Monate nach der Antragstellung auf Asyl können Menschen aus Drittstaaten eine Arbeitserlaubnis beantragen. Die zuständige Stelle ist die Ausländerbehörde. In Österreich dürfen Unternehmer grundsätzlich keine Asylwerber beschäftigen, wobei es dabei ein paar Ausnahmen gibt. So kann eine Beschäftigung als Saisoner erteilt werden. Zudem soll es für jugendliche Asylwerber bis zu 25 Jahren einen Lehrplatz geben – aber nur in jenen Lehrberufen, in denen ein nachgewiesener Lehrlingsmangel besteht. Aber egal ob als Saisoner oder im Lehrberuf: Auch hier muss man zumindest seit drei Monaten zum Asylverfahren zugelassen sein.


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#63 Mit dem Fernsehen eine Sprache lernen

Durch Fernsehkonsum (und mithilfe einer App und Untertiteln) soll das Erlernen der Sprache Spaß machen. Ein hehres Ziel, dass aktuell in Linz in die Testphase startet.

Bei der Integration von zugewanderten Menschen ist das Erlernen der Sprache eine der größten Herausforderungen und zugleich eine sehr wichtige Bedingung. Deshalb arbeiten auch viele WissenschaftlerInnen, ForscherInnen und Kreative in diesem wichtigen Feld. Während das bereits vorgestellt Tarjimly (von drei MIT-Entwicklern umgesetzt) sich als Übersetzungshelfer ansieht, geht es bei uugot.it hingegen darum, eine Sprache langfristig zu erlernen.

Doch wie funktioniert diese App? Auf linz.at ist die Funktionsweise kurz zusammengefasst:

Das Prinzip ist einfach: TV-Sendungen werden auf das Smartphone oder Tablet gestreamt und mit interaktiven Untertiteln versehen. Der/Die NutzerIn kann sich nicht verstandene Begriffe simultan übersetzen lassen. „Wir wollen mit uugot.it nicht nur eine einfache, sondern auch eine unterhaltsame Methode entwickeln, um Sprache zu lernen. Eine Methode, die gleichermaßen Spaß macht und den Integrationsprozess beschleunigt“, erklärt Philipp Etzlinger, CEO und Co-Founder von uugot.it. (linz.at)

Um es noch einmal kurz zu erklären: Die Untertitel sind zuerst einmal auf Deutsch. Versteht man ein Wort nicht, wird dies durch Draufklicken simultan übersetzt – in die (auswählte) Muttersprache der TeilnehmerInnen. Dieses angeklickte Wort taucht dann als interaktive Lernkarte auf, um später wiederholt zu werden. Etzlinger betont zudem, dass Fernsehen auch sehr viel über die Kultur eines Landes zeigt und macht dies für Zugewanderte verständlicher.

Ihre Marktgröße schätzen sie auf ihrer Website sehr hoch ein: denn weltweit gibt es 1,2 Mrd. Menschen, die eine Sprache lernen und 232 Millionen Migranten. Vorerst haben sie einen deutlich kleineren, aber doch recht großen Erfolg zu vermelden: Die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz unterstützt das Projekt – das bedeutet, dass TeilnehmerInnen, welche an der Volkshochschule Linz den Kurs „Deutsch als Fremdsprache“ besuchen, in einer fünfwöchigen Testphase die App nutzen sollen. Diese soll helfen, Fehler auszumerzen und die Usability zu verbessern, um die Marktreife zu erlangen.

Hier noch ein Video, mit dem sie Ende 2015 um ein erstes Crowdfunding-Budget fragten:


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#54 Erste arabisch-deutsche Flüchtlingszeitung

Der syrisch-palästinensische Schriftsteller Ramy Al-Asheq hat Ende 2015 „Abwab“ gestartet. Die Zeitung wächst, konnte die Auflage fast verdoppeln und zählt aktuell 50 AutorInnen.

Vor einem Jahr startete der junge, syrisch-palästinensische Schriftsteller Ramy al-Asheq (27) die Zeitung „Abwab“. Er war im Jahr 2014 nach Deutschland gekommen (mittels eines Autorenstipendiums der Heinrich-Böll-Stiftung) und startete im Dezember 2015 mit der ersten Ausgabe. „Abwab“ heißt übrigens übersetzt „Türen“.

„Abwab“ wird in Köln produziert, in der bayrischen Stadt Hof gedruckt und mit einer Auflage von 45.000 Exemplaren bundesweit kostenlos verteilt. Die Zeitung erscheint monatlich. Der Großteil der Texte sind in arabischer Sprache verfasst, manche jedoch auch ins Deutsche übersetzt. Finanziert wird die Zeitung durch Werbung und den Investor nhd Consulting – die mit dem Verkauf der Anzeigen ganz bewusst den Markt der Geflüchteten bedienen kann. Herausgeber ist die „New European Media Ltd.“ aus London.

Innerhalb eines Jahres konnte man die Auflage fast verdoppeln, aktuell schreiben 50 AutorInnen für die Zeitung, auf Facebook hat man gerade die 100.000 Likes-Hürde geschafft – doch al-Asheq erklärt, warum sich die Zeitung nun weiterentwickeln muss:

Die Idee des Herausgebers New European Media Ltd. war eine Art Informationszentrale – sprich: offene Türen – für Neuankömmlinge zu schaffen. Die Fragen beantwortet wie: Was sagt die Verfassung? Was macht die grüne Bewegung? Wer haut im Karneval auf den Putz? Doch wir haben uns weiterentwickelt, mehr Perspektiven und Erfahrungen gesammelt. Jetzt wird es Zeit, dass wir uns zu einer Plattform entwickeln, die Probleme wie Diskriminierung, Rassismus sowie positive und negative Stereotypen bespricht und eigene Ideen und Lösungsansätze aufzeigt. (perspective-daily.de)

Das Interview auf perspective-daily.de ist durch und durch lesenswert – mit diesem Link kann man es kostenlos lesen, hier kann (für nur 60 Euro im Jahr) Mitglied werden.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, kaboompicsPixabay

#44 Drei Syrer starten Upcycling-Marktstand

Der Marktstand „Piece of the East“ in Halifax, Kanada bietet Produkte, die in ihrer Herstellung Lebensmittel vor dem Müll bewahrt haben. Die Macher: Drei syrische Flüchtlinge, die erst vor einem halben Jahr nach Kanada gekommen sind.

Was ist Upcycling?

Wikipedia beschreibt es wie folgt: „Beim Upcycling (englisch up ’nach oben‘ und recycling ‚Wiederverwertung‘) werden Abfallprodukte oder (scheinbar) nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt. Im Gegensatz zum Downcycling kommt es bei dieser Form des Recyclings zu einer stofflichen Aufwertung. Die Wiederverwertung von bereits vorhandenem Material reduziert die Neuproduktion von Rohmaterialien.“ (de.wikipedia.org)

Schöne Beispiele für Upcycling mit Nicht-Essbares gibt es hier.

Ahmad Alhraki, Alla Alhraki und Rafaat Harb kamen vor einem halben Jahr nach Halifax, der Hauptstadt der auf der Halbinsel befindlichen kanadischen Provinz Nova Scotia an der Ostküste des Landes. Seit kurzem sind die drei zudem auch noch Unternehmer: Mit ihrem Stand „Piece of the East“ verkaufen sie selbstgemachte Produkte am Halifax Seaport Farmers‘ Market.

Alleine das wäre schon eine schöne, positive Geschichte. Doch es geht noch weiter: In ihrem Englisch-Sprachkurs war auch gemeinnützige Arbeit inbegriffen. So arbeiteten sie bei der „Parker Street Food Bank“, einer Essenstafel. Dabei sahen sie, dass zwar natürlich alles Nutzbare auch für die Food Bank genutzt wurde – war eine Frucht aber an einer Stelle faulig, durfte sie nicht mehr verwendet und musste weggeworfen werden. Ahmad sagte damals zu der Flüchtlingsbetreuerin Sylvia Gawad, dass man daraus doch noch Marmelade machen könnte. In ihrer Erinnerung reagierte sie so: „I was like ‘why not, let’s do it’.“ Mit dieser Idee sind sie sogar genau im Trend: Upcycling, also aus Abfallprodukten etwas Neues zu machen, wird immer häufiger angewandt.

Sie baute „Piece of the East“ auf. Von der Saint Mary’s University kamen die Verbindungen, die Parker Street Food Bank lieferte die Möglichkeit, neuen MitarbeiterInnen das Sortieren von Essen zu lehren und Hope Blooms bietet dem Team die Küche an, um ihre Gerichte (neben Marmelade auch Kokosnussbrot, Baklava oder Gurabi) herzustellen. Ein mittelfristiges Ziel ist es, weitere Quellen für Essensreste zu finden und eine eigene Küche zu haben – langfristig möchten sie gerne ein Pay-what-you-want-Restaurant eröffnen und von einem kleinen Teil der Einnahmen weitere Community-Projekte unterstützen.

Am Markt wurden sie freundlich aufgenommen und die drei freuen sich über den großen Zuspruch, der ihnen aus der Bevölkerung entgegengebracht wird. Hier noch ein Video von der Eröffnung des Marktstandes:


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, tiburi, Pixabay