#339 „Code to Inspire“ – Eine Programmier-Schule für junge Frauen in Afghanistan

Fereshteh Forough hat mit „Code to Inspire“ die erste Programmier-Schule in Afghanistan gegründet, die sich ausschließlich an junge Frauen richtet.

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Fereshteh Forough wurde im Iran geboren – in den 1980ern war ihre Familie vor der Invesaion der Sowjetunion dorthin geflohen. Ein Jahr nach dem Fall der Taliban kehrt sie mit ihrer Familie nach Afghanistan zurück. Sie studiert dort Computerwissenschaften und macht ihren Masterabschluss in Berlin. Danach gründet sie „Code to Inspire“, der ersten Coding-Schule in Afghanistan nur für Frauen.

„The main goals I have are: to educate and train women as much as we can with technology; build a network of women in Afghanistan who support each other; create startups and entrepreneurs that create more job opportunities for women; and launch more programming labs in different cities in Afghanistan to expand the project“ (Fereshteh Forough, refinery29.com)

Während der Herrschaft der Taliban besuchten rund 900.000 Menschenin Afghanistan irgendeine Schuleinrichtung – alle davon waren männlich. Heute sind es 9 Millionen Menschen (der 32-Millionen-Bevölkerung), ein Drittel davon sind weibliche Schülerinnen und Studentinnen.

Die Coding-Schule bildet aktuell 50 Schülerinnen zwischen 15 und 25 Jahren aus. Die Schule selbst ist für die Schülerinnen kostenlos und finden nach der eigentlchen Schule statt. Finanziert wird das Projekt durch Spenden: Forough lebt in New York, wo sie ihre Non-Profit-Organisation auch registriert hat – und sammelt hier Geld- und Sachspenden. Wie sie im Gespräch auf positive.news erzählt, haben viele Schülerinnen zuvor noch nie einen PC benutzt und coden nun Websites oder Apps.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, PexelsPixabay

#270 Ende des Fahrverbots für Frauen in Saudi-Arabien angekündigt

Ab 24. Juni 2018 wird es saudi-arabischen Frauen erlaubt sein, vollkommen legal ein Fahrzeug zu lenken. Aber anstatt dem Königshaus für diesen längst überfälligen Schritt zu loben, muss man jene Heldinnen hervorheben, die seit Jahrzehnten gegen dieses Unrecht protestierten – und dabei auch jede Strafe in Kauf nahmen.

Ab 24. Juni 2018 wird es saudi-arabischen Frauen erlaubt sein, vollkommen legal ein Fahrzeug zu lenken. Das hat das Königshaus rund um König Salman bin Abdulaziz Al Saud verlautbaren lassen. Dieser kleine Erfolg für die Frauenrechte in diesem Land bedeutet unter anderem, dass Frauen dadurch einen verbesserten Zugang zur Arbeitswelt und der Gesellschaft an sich haben. Spät aber doch hat dies auch das saudi-arabische Königshaus eingesehen – und das, nachdem jahrzehntelang mutige Frauen sich nicht mit dieser Regelung nicht abfinden wollten … und dagegen protestierten.

Am 6. November 1990 fuhr ein Autokonvoi mit 47 Frauen auf der Tahlia Street in Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens. Sie protestierten für das Recht, ein Fahrzeug lenken zu dürfen – und wurden allesamt verhaftet, verloren ihre Jobs und wurden im ganzen Land angeprangert.

„Driving means access, mobility and empowerment, and from there we can chip away at the bigger issues,“ (Fawzia al-Bakr, eine der 47 Frauen; time.com) „If we can drive, anything is possible.“

Wajeha al-Huwaider war die erste Frau, die auf YouTube ein Video veröffentlichte: Am Internationalen Frauentag 2008 rief sie damit – hinter dem Steuer – ihre Landsfrauen auf, es ihr gleichzutun.

Im Frühjahr 2011 postete Manal al-Sharif ein Video, dass sie hinter dem Steuer eines Autos zeigt – auch sie wollte Nachahmerinnen animinieren und damit die Aktion „Women2Drive“ starten. Für dieses Video kam sie 9 Tage in Haft, die Aktion wurde dadurch vollkommen ausgebremst.

Mit der Unterschriftenaktion „Oct26Driving“ konnten 17.000 UnterzeichnerInnen gesammelt werden – bevor die Regierung die Website sperrte. Am 26. Oktober 2013 waren es schließlich 60 Frauen, die es sich trauten und jede Strafe in Kauf nahmen. In den Jahren danach wiederholten sie am 26. Oktober ihren Protest.

Saudi-Arabien ist das einzige Land auf der ganzen Welt, in denen es Frauen verboten war, ein Fahrzeug zu lenken. Im Juni des kommenden Jahres wird auch das endlich Geschichte sein.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public DomainIamnitishthakurPixabay

#200 Kenia: Kostenlose Hygieneartikel für Mädchen während ihrer Menstruation

Für zwei Drittel aller Mädchen und Frauen in Kenia sind Tampons und Binden nicht leistbar, jedes zehnte Mädchen bleibt während der Periode der Schule fern. Ein neues Gesetz in Kenia verspricht nun, dass jedes Mädchen in der Schule Zugang zu kostenlosen Hygieneartikeln während ihrer Menstruation bekommt.

In Kenia können sich zwei Drittel aller Mädchen und Frauen keine Tampons und Binden leisten: Deshalb bleiben viele Schülerinnen während ihrer Menstruation zu Hause. In Sub-Saraha-Afrika versäumt, laut UNICEF, deshalb eines von 10 Mädchen den Schulunterricht. 2012 waren es nur in Kenia zwischen 30 und 40 Prozent aller Mädchen.

Ein neues Gesetz sieht nun vor, dass jede junge Frau kostenlose Hygieneartikel für die Zeit der Menstruation zur Verfügung gestellt bekommt. Ende Juni trat das Gesetz, bzw. die Novellierung des Bildungsgesetzes in Kraft. Es verspricht „free, sufficient and quality sanitary towels“ für jedes Mädchen, dass in der Schule registriert ist und zudem  „a safe and environmental sound mechanism for disposal“.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle:  Bestimmte Rechte (CC BY NC 2.0) vorbehalten von Maria Salamanca, Bildtitel: School, Flickr

#177 Jordanien schafft „Heirate-dein-Opfer“-Klausel ab

Jordanien schafft die Klausel ab, die es Vergewaltigern ermöglicht straffrei zu bleiben, wenn sie ihr Opfer heiraten. In zahlreichen anderen Ländern existieren ähnliche Klauseln aber leider immer noch.

Im Jordanischen Strafgesetzbuch wird Vergewaltigung mit bis zu sieben Jahren Gefängnis oder Todesstrafe bestraft, wenn das Opfer 15 Jahre alt ist. Der Vergewaltiger kann aber dieser Strafverfolgung entkommen, wenn er das Opfer heiratet und es mindestens drei Jahre bleibt. Dieser Artikel 308 soll nun endlich abgeschafft werden. 2016 wurde das Gesetz bereits dahingehend geändert, dass Straffreiheit nur dann möglich ist, wenn das Opfer zwischen 15 und 18 Jahre alt gewesen ist.

Jordanien folgt mit der Aufhebung der Klausel Ägypten, Marokko und Äthiopien nach. Laut der internationalen NGO Human Rights Watch gibt es aber eine solche Klausel noch in Tunesien, Libanon, Syrien, Libyen, Kuwait, Irak, Bahrain, Algerien und in den palästinensischen Gebieten. Im Libanon und Bahrain wird aber bereits an Gesetzesänderungen gearbeitet.

Laut dem Justizministeriums haben 159 Vergewaltiger zwischen 2010 und 2013 diesen Ausweg gewählt. Im gleichen Zeitraum wurden 300 Vergewaltigungen verzeichnet (wobei die Dunkelziffer sehr deutlich darüber vermutet wird). Oftmals werden Opfer sogar von ihrer Familie dazu gezwungen, den Täter zu heiraten, um die „Familienehre“ zu schützen.

Doch für vergewaltigte Frauen besteht noch eine weitere, traurige Gefahr, nämlich durch die Hand von männlichen Verwandten getötet zu werden – sogenannte „Ehrenmorde“ werden auch vor Gericht behandelt: 8 Fälle in 2015, 9 in 2016. Aber auch hier sieht das Gesetz vor, dass Täter eine geringere Strafe erhält, wenn er seine Frau oder eine andere weibliche Verwandte getötet hat, wenn er vermutete, dass sie außerehelichen Sex hatte. Wenn die Familie des Opfers bzw. des Täters eine Beschwerde fällt, kann die Mindeststrafe von einem Jahr (für Mord!) sogar noch halbiert werden.

Laut dem Richter Jehad al-Duradi hat sich zwar in diesem Bereich das Gesetz nicht geändert, aber die Interpretation. In den vergangenen Jahren wurden derartige Straftaten immer stärker bestraft. Seit 2010 erhielt lein überführter Mörder weniger als 10 Jahre Gefängnis.

Suad Abu-Dayyeh, eine Sprecherin der Gruppe Equality Now, hofft, dass das Ende der Klausel in Jordanien ein positives Beispiel für die ganze Region werden könnte.

Die Abschaffung des Gesetzes soll Ende dieses Monats passieren.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC BY (2.0)Giåm, „Jerash, Jordanie, Visite des ruines de la cité romaine.“,  Flickr

#67 Wiederherstellender Eingriff für Opfer weiblicher Genitalverstümmelung

Eine Medizinerin in den USA hat einen wiederherstellenden Eingriff für Opfer von weiblicher Genitalverstümmelung entwickelt – die Erfahrungsberichte ihrer ersten drei Patientinnen, ein Jahr nach dem Eingriff, sind positiv.

Die weibliche Genitalverstümmlung ist in vielen Ländern (vor allem in Afrika) leider immer noch trauriger Alltag. Zwar gibt es seit Jahrzehnten internationale Bestrebungen, diesen Vorgang weiter zurückzudrängen – aber die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass weltweit über 200 Millionen Mädchen und Frauen mit Genitalverstümmelung leben müssen. Seit 1997 haben übrigens 20 afrikanische Länder ein Gesetz gegen Genitalverstümmelung erlassen – aufgrund fehlender Strafverfolgung wird es aber weiter praktiziert. (Quelle: dsw.org)

Ivona Percec, eine Medizinerin am Penn Medicine’s Center for Human Appearance, ein eine wiederherstellende Operationsprozedur für Frauen entwickelt, welche Opfer von Genitalverstümmelung geworden sind. Ihre Arbeit hat sie bislang an drei Patientinnen durchgeführt und darüber im Fachmagazin Aesthetic Surgery Journal berichtet. Dieser Eingriff kann für die Betroffenen einerseits die sexuelle Funktion erhöhen und – zumindest bei den frühen Erfahrungen bei diesen drei Personen – zudem dazu beitragen, die emotionalen und psychologischen Wunden, die mit der Verstümmelung verbunden sind, etwas zu heilen.

Die Weltgesundheitsorganisation unterscheidet zwischen vier verschiedenen Schweregraden der Verstümmelung. Die drei Patientinnen litten unter einer Verstümmelung des 2. Grades. Ihnen wurden die Klitoris und die inneren Schamlippen teilweise oder komplett entfernt. Alle drei waren im Alter von 30 bis 33 Jahren und von Sierra Leone in die USA ausgewandert. Alle drei waren verheiratet, erzählten ihren Männern aber nichts davon, dass sie Opfer von Genitalverstümmelung waren. Sex mit dem Partner war möglich, nur ohne Lustempfinden, sondern viel eher mit Schmerz:

“All of them were able to have intercourse, but without pleasure – usually with pain. None of them ever let their partners see their vaginal area.”

Der Eingriff ist laut Percec „simpel, aber effektiv“ und hofft, dass auch bald andere plastische Chirurgen diese Technik einsetzen. Bei einer Nachuntersuchung (durchschnittlich nach einem Jahr) berichten die drei Patientinnen von einer verbesserten sexuellen Funktion und einer verringerten Peinlichkeit gegenüber ihrer Partner. Alle drei würden diesen Eingriff für weitere Opfer weiterempfehlen.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC BY SA (2.0), MONUSCO Photos, „6 February 2014. International Day of Zero Tolerance of Female Genital Mutilation.“, Flickr

#30 Frauen-Gesundheitscenter für syrische Flüchtlinge helfen auch jordanischen Frauen

Ein Gesundheitszentrum, errichtet für weibliche syrische Flüchtlinge, bietet auch den jordanischen Frauen eine Anlaufstelle, um der häuslichen Gewalt zu entkommen.

Das „Institute for Family Health“ in Deir Alla, in Jordanien startete bereits vor drei Jahren, finanziert durch den UN Population Fund, um weiblichen syrischen Flüchtlingen die medizinische Hilfe bei Familienplanung, Schwangerschaft und Geburt zu bieten – aber sie sind auch Anlaufstelle zur Unterstützung gegen Gewalt gegen Frauen – vor allem jordanischen Frauen.

Although the center was set up for Syrians, there is clearly an enormous local need. One in three Jordanian women has experienced some form of violence at the hands of their spouse, according to a 2012 government survey, but only half of them seek any help. (pri.org)

Deir Alla zählt zu den ärmsten Bereichen Jordaniens – für viele Jordanierinnen ist dies die einzig mögliche Anlaufstelle, um etwas gegen häusliche Gewalt zu tun. In den vergangenen fünf Jahren entstanden aber noch 14 weitere sichere Orte für Frauen.

If it hadn’t been for the money now being funneled into Jordan to respond to the Syrian refugee crisis, says Aladi, the center would never have opened, providing not just counseling for domestic violence victims, but also other vital medical services. (pri.org)

Die Reportage von PRI (Public Radio International) ist nicht nur spannend zu lesen – sondern kann natürlich auch angehört werden.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, LoggaWiggler, Pixabay

#10 Um 25 % weniger Todesfälle durch Krebs in den USA

In den letzten 25 Jahren sind die Todesfälle durch Krebs um 25 % gesunken – Gründe dafür sind der Rückgang des Tabakkonsums und bessere Früherkennung.

Die American Cancer Society (ACS) zeigt mit ihren neuen Zahlen einen Rückgang bei Todesfällen durch Krebs in den Vereinigten Staaten von Amerika. In den letzten 25 Jahren sank die Zahle der Todesfälle um 25 Prozent.

Zwischen 1990 und 2014 gab es zum Beispiel bei Todesfällen im Zusammenhang mit Lungenkrebs bei Männer einen Rückgang um 43 Prozent, bei Frauen zwischen 2002 und 2014 um 17 Prozent. Brustkrebs-Todesfälle bei Frauen sanken um 38 Prozent (zwischen 1989 und 2014), Prostata-Todesfälle bei Männern um 51 Prozent (zwischen 1993 und 2014), die Zahl der Darmkrebs-Todesfälle bei Männern und Frauen ebenfalls um 51 Prozent (zwischen 1976 und 2014)

Gründe für den Rückgang sind, laut ACS, der deutliche Rückgang beim Tabakkonsum. In den USA sank die Raucherquote von 42 Prozent im Jahr 1965 auf 24,7 im Jahr 1997 und schließlich auf 15,2 Prozent im Jahr 2015. Keinen Rückgang, sondern eine Zunahme gab es bei der Früherkennung, vor allem durch die stärker genutzten Vorsorgeuntersuchungen. Informationen über die verschiedenen Vorsorgeuntersuchungen gibt es übrigens z.B. hier auf der Seite der Österreichischen Krebshilfe.


Weiterführende Links und Quellen

Bildquelle: CC0 Public Domain, PDPics, Pixabay