#248 Tunesien stärkt die Rechte der Frauen

In Tunesien hat sich das Parlament für eine Stärkung der Frauen- und auch Kinderrechte ausgesprochen. Nun will der Präsident sogar das islamische Erbrecht reformieren, dass Frauen bislang diskriminiert hat.

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In Tunesien hat sich das Parlament für eine Stärkung der Frauen- und auch Kinderrechte ausgesprochen. Nun will der Präsident sogar das islamische Erbrecht reformieren, dass Frauen bislang diskriminiert hat.

So stimmen im Juli alle (!) 146 anwesenden Abgeordneten in Tunis, dass in Zukunft körperliche Gewalt (und daher auch Vergewaltigung) in der Partnerschaft, Ausschreitungen innerhalb der Familie und sexueller Missbrauch von Kindern stärker verfolgt und geahndet wird. Laut einer Studie hat nahezu jede zweite Tunesierin mindestens einmal Gewalterfahrungen gemacht. Ebenso wie Jordanien sieht dieses Gesetz auch vor, dass es keine Straffreiheit mehr für Vergewaltiger gibt, die ihr Opfer heiraten. Das Gesetz tritt Anfang des kommenden Jahres in Kraft.

Dieses Video von ze.tt zeigt Interviews mit jungen Tunesierinnen und Aktivistinnen – so steht es muslimischen Frauen durch das Gesetz nun vollkommen frei, ob sie einen muslimischen Mann heiraten oder jemanden mit einer anderen Religion. (Bislang durften in Tunesien muslimische Frauen nur muslimische Männer heiraten).

Der tunesische Präsident Béji Caïd Essebsi will nun auch das islamische Erbrecht reformieren. (Im Video wird es so besprochen, als wäre es bereits umgesetzt). Bislang bekommt ein männlicher Erbberechtigter doppelt so viel wie Frauen. Während Proteste von ägyptischen Gelehrten kamen, unterstützt der Obermufti von Tunesien den Vorstoß des Präsidenten.

Da das tunesische Parlament 2014 die internationale Konvention zur Beseitigung aller Formen der Diskriminierung gegenüber Frauen unterzeichnete, müsse man die Gleichheit von Mann und Frau auch in ihren Rechten und Pflichten weiter vorantreiben, urteilte das Büro des Muftis.(sueddeutsche.de)


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#215 Jugend in den USA auf einem guten Weg

Statistiken zeigen, dass es um die US-amerikanische Jugend viel besser bestellt ist, als man glauben könnte. Dazu zählen massive Rückgänge bei Verbrechen, geringere Schulabbrüche, häufigere Collegeabschlüsse und ein toleranteres Weltbild.

Wenn man sich die Fakten ansieht, erkennt man eine merkliche Veränderung der US-amerikanischen Jugendlichen in vielen Belangen. Das beginnt bei der Demographie, der Anzahl der Schulabbrecher, Hochschulabschlüsse oder Straftaten bis hin zum Drogenkonsum.

AmerikanerInnen unter 25 sind deutlich diverser als z.B. die Bevölkerung über 55 Jahre: Zählt man da noch 74 Prozent Weiße, sind es bei den Jungen 51 Prozent, 25 Prozent Hispanics, 14 Prozent Schwarze, 5 Prozent Asiaten und 5 Prozent weitere.

Beispiel Kalifornien

Zwischen 1990 und 2015 wuchs die Anzahl der Teenager in Kalifornien um 1 Million. Laut den Zahlen des „Department of Justice, Centers for Disease Control“ (CDC) zeigen im selben Zeitraum folgende Entwicklungen für Los Angeles auf:

  • Mordverhaftungen sanken von 685 auf 88
  • Gewaltverbrechen von 21.000 auf 7.000
  • Eigentumsverbrechen von 54.000 auf 7.000
  • Verhaftungen insgesamt von 220.000 auf 63.000
  • Tötungen durch Waffen von 351 auf 84
  • verhängte Jugendhaft von 10.000 auf 700
  • Teenagergeburten von 26.000 auf 7.000
  • die Schulabrecherquote sank von 16 auf 6 Prozent
  • Collegeeinschreibungen und -abschlüsse stiegen von 34 auf 47 Prozent

Und so sieht die Veränderung in einer schönen Grafik aus:

USJugend2.png

Entwicklung in den gesamten USA

While California’s trends are especially pronounced, FBI and CDC tabulations show major declines in youth problems are occurring everywhere—from Connecticut to Texas, Michigan to Arizona, Atlanta to Seattle, in localities with vigorous anti-violence measures and those with none, with strong gun controls or „gun rights“ regimes, with lots of kids in prison or few. Since 1995, the FBI’s 40 reporting states sawjuvenile violent and property crime declines of at least 55 percent; 23 had declines of over 70 percent. (yesmagazine.org)

Doch worin liegen die Gründe? Statistiken zeigen, dass repressive Pläne der Regierung oftmals keine Wirkung hatten – oder gar in die entgegengesetzte Richtung wirkten. Vielleicht ist es der anfangs erwähnte demografische Wandel: Die am schnellsten wachsende Gruppe in US-Gefängnissen sind Weiße mittleren Alters aus den Vorstädten, deren Todesraten durch Drogenmissbrauch oder Waffen sind ebenfalls deutlich höher als jene für schwarze und Latino-Teenager in den Städten.

Umfragen und Statistiken zeigen zudem, dass junge AmerikanerInnen die Ehe für alle stark befürworten. Sie sind anderen Religionen gegenüber tolerant, heißen ImmigrantInnen willkommen, glauben eher der Wissenschaft als dem religiösen Glauben, wollen etwas gegen den Klimawandel machen, fordern eine starke Regierung für die Wirtschaft und die Gesundheitsversorgung. AmerikanerInnen über 50 Jahre denken in diesen Punkten generell genau anders.

A shrinking contingent of racist and violent young who occasionally generate deplorable headlines remains, but they’re not symptoms of mass depravity. Hard-nosed facts and trends show future-oriented Americans should look to young people as validating progressives’ faith in diversity and globalism. Incorporating younger ages into voting, office-holding, and civic leadership are keys to activating the potential of today’s remarkable youth revolution to reverse today’s destructive public fray.


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#114 Die Kriminalstatistik zeigt: USA ist sicherer geworden

Die Kriminalität sinkt: Die Statistik über Gewaltverbrechen in den USA zeigt einen deutlichen Rückgang von 1996 bis 2015.

Vor allem im vergangenen Wahlkampf wurde die Entwicklung der Vereinigten Staaten sehr düster beschrieben. Wenn man aber nach Daten und Fakten sucht, wird schnell klar, dass sich im Verlauf von rund 20 Jahren sehr vieles zum Positiven verändert hat. Auf der Website des FBI findet man eine Kriminalstatistik im Jahresvergleich von 1996 bis 2015 – auch hier erkennt man eine deutliche Verbesserung, und das bei einem Bevölkerungszuwachs von 265.228.572 Menschen (1996) auf 321.418.820 Menschen (2015).

Kriminalität in den USA

Hier werden die Fallrate pro 100.000 Einwohner miteinander verglichen. Beispiel: 1996 lag die Mordrate bei 7,4, 2015 bei 4,9. Das bedeutet, dass 1996 pro 100.000 Einwohner statistisch 7,4 Morde passiert sind. In Klammer befindet sich die prozentuelle Veränderung von 2006 zu 2015)

  • Gewaltverbrechen: Die Rate sank von 636,6 auf 372,6. (Ein Minus von 22,3 % seit 2006)
  • Mord und vorsätzliche Tötung: Die Mordrate ging von 7,4 auf 4,9 zurück. (Ein Minus von 15,5 % seit 2006)
  • Vergewaltigung: Hier veränderte sich die Rate von 36,3 auf 28,1. (Ein Minus von 11,1 % seit 2006)
  • Raubüberfall: Die Rate fiel von 201,9 auf 101,9. (Ein Minus von 32,1 % seit 2006)
  • Schwere Körperverletzung: Auch hier eine deutliche Veränderung von 391,0 auf 237,8. (Ein Minus von 18,5 % seit 2006)
  • Eigentumsdelikte: Eine Verringerung von 4.660,2 auf 2.730,8. (Ein Minus von 25,7 % seit 2006)
  • Einbruch: 1996 lag die Rate bei 945,0, 2013 bei 491,4. (Ein Minus von 33,0 % seit 2006)
  • Diebstahl: Hier verringerte sich die Rate von 2.980,3 auf 1.775,4. (Ein Minus von 19,8 % seit 2006)
  • Autodiebstahl: Den prozentuell höchsten Rückgang gab es hier. Die Rate ging von 525,7 auf 220,2 zurück. (Ein Minus von 45,0 % seit 2006)

Nur zur Klarstellung: Hier soll kein Gewaltverbrechen jeglicher Art kleingeredet werden. Sie finden immer noch statt und jedes Opfer ist eines zu viel. Der Rückgang soll aber aufzeigen, dass sich auch die USA in diesem Bereich deutlich verbessert hat.

Zum Verständnis von Kriminalstatistiken

Bei der Betrachtung einer Kriminalstatistik ist grundsätzlich immer Vorsicht geboten. Wie man in der Tabelle sehen kann, gibt es einen Anstieg einigen Sparten einen Anstieg von 2014 auf 2015. Außergewöhnliche Ereignisse können gewisse Zahlen für ein Jahr in die Höhe schnellen lassen. Im Gespräch mit dem Pressesprecher der niederösterreichischen Landespolizeidirektion wurde mir erklärt, dass man deshalb aus Kriminalstatistiken vor allem Trends ablesen kann und soll – und dabei auf Vergleichszahlen von vor fünf oder zehn Jahren zurückgreifen soll. Deshalb auch die Angabe der prozentuellen Veränderung seit 2006.

Die Zahlen für 2016 liegen noch nicht komplett vor, die Mordrate scheint aber um 7,8 % zu steigen, wie ein Report des Brennan Center for Justice an der New York University School of Law zeigt. Doch trotz des vermutlichen Anstieges muss man Folgendes im Hinterkopf behalten:

Even with the recent spike in murders, America’s murder rate still remains near the bottom of a 25-year decrease, and the study authors note: „Today’s inner cities‘ are safer than at almost any point in the past.“ (voanews.com)


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, Alexas_Fotos, Pixabay

#67 Wiederherstellender Eingriff für Opfer weiblicher Genitalverstümmelung

Eine Medizinerin in den USA hat einen wiederherstellenden Eingriff für Opfer von weiblicher Genitalverstümmelung entwickelt – die Erfahrungsberichte ihrer ersten drei Patientinnen, ein Jahr nach dem Eingriff, sind positiv.

Die weibliche Genitalverstümmlung ist in vielen Ländern (vor allem in Afrika) leider immer noch trauriger Alltag. Zwar gibt es seit Jahrzehnten internationale Bestrebungen, diesen Vorgang weiter zurückzudrängen – aber die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass weltweit über 200 Millionen Mädchen und Frauen mit Genitalverstümmelung leben müssen. Seit 1997 haben übrigens 20 afrikanische Länder ein Gesetz gegen Genitalverstümmelung erlassen – aufgrund fehlender Strafverfolgung wird es aber weiter praktiziert. (Quelle: dsw.org)

Ivona Percec, eine Medizinerin am Penn Medicine’s Center for Human Appearance, ein eine wiederherstellende Operationsprozedur für Frauen entwickelt, welche Opfer von Genitalverstümmelung geworden sind. Ihre Arbeit hat sie bislang an drei Patientinnen durchgeführt und darüber im Fachmagazin Aesthetic Surgery Journal berichtet. Dieser Eingriff kann für die Betroffenen einerseits die sexuelle Funktion erhöhen und – zumindest bei den frühen Erfahrungen bei diesen drei Personen – zudem dazu beitragen, die emotionalen und psychologischen Wunden, die mit der Verstümmelung verbunden sind, etwas zu heilen.

Die Weltgesundheitsorganisation unterscheidet zwischen vier verschiedenen Schweregraden der Verstümmelung. Die drei Patientinnen litten unter einer Verstümmelung des 2. Grades. Ihnen wurden die Klitoris und die inneren Schamlippen teilweise oder komplett entfernt. Alle drei waren im Alter von 30 bis 33 Jahren und von Sierra Leone in die USA ausgewandert. Alle drei waren verheiratet, erzählten ihren Männern aber nichts davon, dass sie Opfer von Genitalverstümmelung waren. Sex mit dem Partner war möglich, nur ohne Lustempfinden, sondern viel eher mit Schmerz:

“All of them were able to have intercourse, but without pleasure – usually with pain. None of them ever let their partners see their vaginal area.”

Der Eingriff ist laut Percec „simpel, aber effektiv“ und hofft, dass auch bald andere plastische Chirurgen diese Technik einsetzen. Bei einer Nachuntersuchung (durchschnittlich nach einem Jahr) berichten die drei Patientinnen von einer verbesserten sexuellen Funktion und einer verringerten Peinlichkeit gegenüber ihrer Partner. Alle drei würden diesen Eingriff für weitere Opfer weiterempfehlen.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC BY SA (2.0), MONUSCO Photos, „6 February 2014. International Day of Zero Tolerance of Female Genital Mutilation.“, Flickr

#64 Simbabwe verbietet körperliche Gewalt an Kindern

Der Oberste Gerichtshof von Simbabwe verbietet körperliche Gewalt an Kindern, nachdem Eltern sich mit Kinderrechtsorganisationen zusammengeschlossen haben, um gegen körperliche Bestrafung in Schulen vorzugehen.

Das ostafrikanische Land Simbabwe wird das nächste Land sein, welches körperliche Gewalt an Kindern in der Schule und Zuhause unter Strafe stellt. Der Oberste Gerichtshof des Landes entschied sich für den Verbot, nachdem Eltern sich aufgrund der Gewalt von LehrerInnen an SchülerInnen  mit Kinderrechtsorganisationen zusammentaten und damit bis zum Obersten Gerichtshof gelangten. Nun muss nur noch der Verfassungsgerichtshof dem Verbot zustimmen.

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Durch Klick auf die Landkarte landest du auf einer interaktiven Weltkarte, die den Fortschritt des weltweiten Verbots zeigt

Grundsätzlich ist ein Verbot von körperlicher Gewalt gegen Kinder bereits in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen niedergeschrieben – diese Konvention wurde von der UN-Generalversammlung  im November 1989, also vor über 27 Jahren verabschiedet. Bislang haben 52 Staaten der Welt jede Form körperlicher Gewalt gegen Kinder verboten (Simbabwe wäre Staat Nr. 53). Zumindest 54 weitere Staaten haben sich verpflichtet, an einem vollen Verbot zu arbeiten.

In Österreich ist körperliche Gewalt gegen Kinder seit 1989 verboten, in Deutschland seit 2000. In der Schweiz ist körperliche Bestrafung zuhause und in der alternativen Betreuung erlaubt. Österreich ist übrigens nach Schweden (1979), Finnland (1983) und Norwegen (1987) das vierte Land weltweit, welches ein solches umfassendes Verbot hatte. Seit 2011 gibt es zudem ein verfassungsgesetzlich geschütztes Recht jedes Kindes auf eine gewaltfreie Kindheit.

Wer sich die interaktive Landkarte (siehe Abbildung rechts) ansieht, wird überrascht sein: Südamerika ist hier Nordamerika weit voraus – aber auch in Europa gibt es Staaten (Vereinigtes Königreich, Frankreich, Luxemburg, Schweiz, Italien, Tschechien, Kosovo und Weißrussland), welche in manchen Bereichen bislang noch keinen Verbot vorweisen können – sich die Regierungen aber auch nicht zu einem baldigen vollen Verbot verpflichtet haben.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, Alexas_Fotos, Pixabay