#358 Tollwut in Afrika durch Hundeimpfungen ausrottbar

In Europa ist Tollwut seit 20 Jahren so gut wie ausgerottet – in Afrika oder auch Asien streben jedoch immer noch zehntausende Menschen daran. Eine neue Studie zeigt aber: Man kann auch auf diesen beiden Kontinenten die Ausrottung hinbekommen – indem man Hunde impfen lässt.

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In Europa ist Tollwut seit 20 Jahren so gut wie ausgerottet – in Afrika oder auch Asien streben jedoch immer noch zehntausende Menschen daran. Eine neue Studie zeigt aber: Man kann auch auf diesen beiden Kontinenten die Ausrottung hinbekommen – indem man Hunde impfen lässt.

TropenmedizinerInnen des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institus Swiss TPH haben 2012 und 2013 in der Hauptstadt des Tschad, in N’Djamena, pro Jahr 20.000 Hunde gegen Tollwut geimpft – über 65 Prozent der geschätzten Hundepopulation. Damit fiel die Fortpflanzungszahl, also die Anzahl der Sekundärinfektionen, auf unser eins – damit wurde die Übertragung unterbrochen.

 Die Forscher kommen zum Schluss, dass eine wirksame Tollwutbekämpfung mit dem politischen Willen und den notwendigen finanziellen Mitteln in Afrika machbar ist. (unibas.ch)

Damit die Tollwut in einem Zeitraum von 20 Jahren in Zentral- und Westafrika erfolgreich bekämpft wird, würden sich die Kosten auf 1 Milliarde Euro belaufen – dazu braucht es aber einen gemeinsamen Ansatz der afrikanischen Staaten. Zugleich könnte diese Zusammenarbeit zu Frieden und weitergehender Kooperation führen.


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#301 Impfstoff gegen Karies in Entwicklung

Chinesische ForscherInnen des Wuhan Institute of Virology arbeiten grade an einem Impfstoff, der gegen das Bakterium, das Karies verursacht, wirken soll. Das Bakterium mit dem Namen „Streptococcus mutans“ soll durch den Impfstoff daran gehindert werden, an den Zähnen anzudocken.

Ja, es ist wahr: Chinesische ForscherInnen des Wuhan Institute of Virology arbeiten grade an einem Impfstoff, der gegen das Bakterium, das Karies verursacht, wirken soll. Das Bakterium mit dem Namen „Streptococcus mutans“ soll durch den Impfstoff daran gehindert werden, an den Zähnen anzudocken. Nun hat das Forschungsteam den aktuellen Entwicklungsstand im Fachmagazin Scientific Reports veröffentlicht:

Bei Versuchen an Mäusen zeigte sich, dass bei Mäusen ohne Karies in 64,2 Prozent der Fälle die Entstehung von Karies verhindert werden. Be jenen, Mäusen, die bereits Karies hatten, gab es in 53,9 Prozent ie Hälfte von Karies „geheilt“ wurden und es bei über 60 Prozent zu einer prophylaktischen Wirkung. Im Laufe der Forschung konnte auch das Problem enormer Nebenwirkungen beseitigt werden – so kam es zuvor zu Entzündungen bis hin zu Störungen des Herzmuskels. Versuche an Menschen gibt es bislang noch nicht.

Doch auch wenn es in Zukunft eine Impfung dieser Art auch für Menschen geben solle, so bedeutet das nicht das Ende der Zahnbürstenindustrie: Selbst wenn das Bakterium Streptococcus mutans nicht mehr an den Zähnen andocken kann, taucht es trotzdem in der Mundhöhle auf und kann sich dort weiter ausbreiten.


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#296 Studien: Grippeimpfung erhöht Chance auf gesunde Schwangerschaft

Studien erklären, dass die Impfung gegen den Influenza-Virus die Gefahr von Früh- oder Fehlgeburten senken. ForscherInnen in New York möchten nun überprüfen, ob die Impfung auch dazu beiträgt, dass es mehr erfolgreiche künstliche Befruchtungen gibt.

Schon bisherige Studien haben gezeigt, dass es sich positiv auf den Verlauf einer Schwangerschaft auswirkt, wenn man vor oder während einer Schwangerschaft eine Influenza-Impfung (also die „Grippeimpfung“) erhält: Die Zahl der Fehlgeburten wird dadurch reduziert – ebenso die Frühgeburtenrate, die um 41 Prozent gesunken, wenn Frauen, gegen den Influenza-Virus geimpft wurden.

ForscherInnen des Zentrums für menschliche Fortpflanzung in New York untersuchen nun, ob diese positiven Auswirkungen der Impfung für Schwangere auch am Beginn einer In-vitro-Fertilisation (also einer Künstlichen Befruchtung) zu bemerken sind – also ob PatientInnen dadurch eher schwanger werden und weniger Fehlgeburten erleiden.

Die Hypothese der ForscherInnen ist, dass es zu einer „immunologischen Toleranz“ kommt: Das Immunsystem der Frau wird durch die Impfung gestärkt – die körpereigenen Antikörper richten sich aber nicht gegen den Embryo.


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#284 Erfolgreiche Herstellung eines virusfreien Polio-Impfstoffs

Dank weltweiter Impfkampagnen konnte der Polio-Virus zu 99 Prozent ausgerottet werden. Ein Grund, warum die 100 % nicht erreicht werden können, ist der Impfstoff selbst. Dieser beruht auf aktiven Viren. ForscherInnen aus Großbritannien ist es nun gelungen, eine synthetische Kopie herzustellen.

Der Polio-Virus löst Kinderlähmung aus – und dank weltweiter Impfkampagnen konnte der Virus zu 99 Prozent ausgerottet werden. Doch der Virus bleibt auch weiterhin auf dieser Welt – weil die aktuellen Impfstoffe auf aktiven Viren beruhen. ForscherInnen aus Großbritannien ist es nun aber gelungen, eine synthetische Kopie des erfolgreichen Impfstoffs zu produzieren. Damit könnte in einigen Jahren der Virus komplett von der Erde verschwinden.

Zwar besteht der Impfstoff aus der äußeren Proteinhülle des Polio-Virus, enthält aber nicht den Virus selbst bzw. sein Erbgut, das für Ansteckung sorgt. Auf deutschlandfunk.de wird die Herstellungsweise ausführlich beschrieben. Hier eine verkürzte Fassung: Die genetischen Baupläne für die Hüllproteine werden in spezielle Bakterien namens Agrobacterium tumefaciens übertragen – als ringförmiger DNA-Strang. Danach werden die Blätter von Tabakpflanzen (das heutige Titelbild zeigt eine Tabakplantage) mit einer Lösung der Bakterien umspült. Das Bakterium dringt dabei in die Pflanzenzellen ein und schleust sich in den Zellkern. Die im DNA-Strang codierten Proteine werden dann durch die Pflanzen hergestellt – und das Ergebnis ist schließlich die leere Virushülle für den neuen Impfstoff.

ForscherInnen der Universitäten Leeds und Oxford bestätigen in Untersuchungen, dass es sich um eine exakte Kopie der echten Virushülle handelt. Bei ersten Tests mit Mäusen löste sie außerdem die geplante Immunreaktion gegen den Polio-Virus aus. Ziel ist es nun, den Maßstab der Produktion zu vergrößern – und später auch klinische Tests an Menschen durchzuführen. Bereits im nächsten Jahrzehnt möchte man dann den neuen, synthetischen Impfstoff einführen. Auch eine Ausweitung auf andere Impf-Wirkstoffe ist geplant.


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#218 Masernfälle durch weltweite Impfabdeckung minimiert

Die Impfabdeckung ist zwischen 1980 und 2015 von 17 % auf 85 % angewachsen. Allein zwischen 2000 und 2015 sollen dadurch rund 20,3 Millionen Todesfälle verhindert worden sein.

Im Jahr 1980 waren erst 17 % der Weltbevölkerung gegen Masern geimpft  – damals zählte man noch 944,6 Fälle pro einer Million Einwohner. Fünfundzwanzig Jahre später, im Jahr 2015, liegt die Impfabdeckung bei 85 % (übrigens ebenso 2016). Und statt 944,6 Fällen zählt man aktuell nur mehr 28,45 Fälle pro einer Million.

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Abbildung 1: Auf der Y-Achse (senkrecht) sieht man die Masernfälle pro 1.000.000 Menschen, auf der X-Achse die Masern-Impfabdeckung. (Quelle: Our World in Data, CC BY SA 4.0)

1980 schätzte man weltweit 2,6 Millionen Tote durch Masern pro Jahr. Die Krankheit bleibt eine der führenden Todesursachen bei jungen Kindern weltweit, trotz der Verfügbarkeit eines sicheren und wirksamen Impfstoffs – 2000 waren es noch 641.600, 2015 schließlich noch 134.200 Menschen – zumeist Kinder unter 5 Jahren. Und doch bedeutet das, dass allein zwischen 2000 und 2015 durch Impfungen die Todesfälle durch Masern um 79 Prozent gesenkt werden konnten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass der Impfstoff seit 2000 geschätzte 20,3 Millionen Todesfälle verhindern konnte.

Auf der Landkarte (auf Basis der Zahlen der WHO und UNICEF) ist erkennbar, dass gerade Entwicklungsländer noch Aufholbedarf haben: Doch es ist schon beeindruckend, wie es sich in vielen Länder in Afrika, Asien und Südamerika bereits entwickelt hat. Ebenso ein Mitgrund sind die zum Teil schrumpfenden Impfzahlen durch sogenannte Impfgegner – sie gefährden dabei nicht nur ihr eigenes Kind, sondern auch noch nicht geimpfte, fremde Kleinkinder.

MeaslesVaccinesWorldwide
Abbildung 2: Die Masern-Immunisierung durch Impfungen (Prozentzahl der Kinder zwischen 12 -23 Monaten) (Quelle: WHO & UNICEF)

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Bildquelle: CC BY (2.0), dirkvorderstrasse, „Impfen“, Flickr

#138 Bessere Impfstoffe gegen Keuchhusten und HPV

Bei einem Symposium in Wien wurden neue, besser wirksame Impfstoffe gegen Keuchhusten und Humane Papilloma Viren vorgestellt.

Zwar gibt es sowohl gegen Keuchhusten als auch gegen Humane-Papilloma-Viren-Infektionen Impfstoffe – doch nun wurden auf einem Symposium in Wien neue, wirksamere Impfstoffe vorgestellt.

Neuer Keuchhusten-Impfstoff

Keuchhusten fordert pro Jahr weltweit zwischen 200.00 bis 400.000 Todesopfer bei rund 16 Millionen Erkrankungsfällen. Obwohl es schon lange Zeit einen Impfstoff gab, gingen in den vergangenen Jahren die Erkrankungen (v.a. auch bei Jugendlichen und Erwachsenen) wieder in die Höhe. Waren es in den 1980er Jahren in den USA nur um die 2.000 Fälle pro Jahr, waren es 2012 rund 50.000. Allein in Österreich stiegen die Fälle von 339 Fälle im Jahr 2014 auf 1.165 im Jahr 2016 an.

Der neue Impfstoff soll prophylaktisch wirken – im Gegensatz zum vorhanden Impfstoff, welcher vor der Krankheit, aber nicht vor der Infektion schützt. Camille Locht vom Institute Pasteur im französischen Lille arbeitet mit ihrem Team seit Jahren an dem neuen Impfstoff: „Nach einer Erprobung an Pavianen und in anderen Tiermodellen gelang es auch durch eine entsprechende Dosierung, in einer frühen Phase der klinischen Prüfung an Probanden eine Bildung von schützenden Antikörpern bei bis zu um die 90 Prozent der Probanden nachzuweisen.“ (derStandard.at)

Neuer HPV-Impfstoff aus Wien

Humane Papilloma Viren stecken faktisch hinter fast „allen Fällen von Gebärmutterhalskrebs und viele Karzinomen des Genitaltraktes und im HNO-Bereich sowie hinter Haut- und Genitalwarzen“

Reinhard Kimbauer, in Wiener Immundermatologe war 1992 bei der Schaffung des aktuellen Impfstoffs beteiligt. Der neue Impfstoff hat führt zu einer viel breiteren und deutlich mehr HP-Viren umfassenden Immunantwort als der modernste Impfstoff. Bereits 2018 soll dieser Impfstoff angewendet werden.


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#55 Erfolg gegen HIV bei frühen Impfstoffversuchen

Mit einem Medikamentenmix aus zwei innovativen HIV-Impfstoffen und einem Krebsmedikament ist es gelungen, dass bei einigen Studienteilnehmern das Virus zumindest für größeren Zeitraum nicht mehr nicht mehr nachweisbar war.

Heutzutage kann man mit einer HIV-Infektion durch die tägliche Einnahme von antiretroviralen Medikamenten. Aber natürlich forscht man weltweit an einer Möglichkeit, den Virus mittels Impfung bekämpfen zu können. Wird der HI-Virus nicht behandelt, bricht fast immer die Krankheit AIDS aus.

Ein Forschungsteam des IrsiCaixa Aids Research Institue in Barcelone hat für eine Studie zwei innovative HIV-Impfstoff, welche an der University of Oxford entwickelt wurden, und ein Krebs-Medikament Romidepsin miteinander kombiniert. Die Studie dauerte drei Jahre lang – dabei wurden 24 TeilnehmerInnen, welche vor kurzem erfahren hatten, dass sie das HI-Virus in sich trugen, zuerst einmal lange Zeit beobachtet, damit die ForscherInnen herausfanden, wie das Immunsystem auf die täglichen antiretroviralen Medikamente reagiert. Erst relativ spät bekamen dann 15 von ihnen schließlich die innovative Medikamentenkombi.

Bei fünf der TeilnehmerInnen war das Virus nach Erhalt der Behandlung vorübergehend mehr als ein Monat (und darüber hinaus) nicht mehr nachweisbar, durch das Immunsystem wurde dabei seine Verbreitung gestoppt. Einer von ihnen ist sogar seit sieben Monaten medikamentenfrei. Beim Rest wurden nach den ersten vier Wochen jedoch schon wieder das Virus festgestellt.

Das ist definitiv ein großer Fortschritt in der Forschung nach einem Impfstoff gegen HIV. So sieht das auch Mitchell Warren von der „Aids Vaccine Advocacy Coalition“:

Mitchell Warren, executive director of the Aids Vaccine Advocacy Coalition (Avac), said the study had been carried out on a small scale but its findings were “interesting and important”.

“Long-term systems that don’t require daily pill taking could really help accelerate getting 37 million people with HIV undetectable and not infectious – that would be a great opportunity to turn the tide on the epidemic,” he told The Independent.

Warum diese Medikamentenmix so besonders ist? Die beiden Impfstoffe stimulieren dabei die Produktion von weißen Blutkörperchen im Körper. Diese weißen Blutkörperchen sind fähig, Zellen zu erkennen und zu zerstören, die durch das Virus infiziert worden sind. Das Krebsmedikament Romidepsin dient dazu, dass der HI-Virus aus Geweben, in denen er sich niedergelassen hat, herausgespült wird.


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#39 Neuer Malaria-Impfstoff zeigt Wirkung

Bei Tests entwickelt der menschliche Körper – durch Mückenstiche mit dem genetisch verändertem Malaria-Erreger – Antikörper gegen die Krankheit.

Die Risikogebiete für Malaria
Die Risikogebiete für Malaria

Zwar gibt es bereits hochwirksame Medikamente gegen die Krankheit, jedoch wartet die Menschheit bis heute auf einen Impfstoff gegen Malaria. Doch Forscherteams auf der ganzen Welt arbeiten unter Hochdruck daran: Ab 2018 soll ein Impfstoff namens „RTS,S“ in drei Ländern in Subsahara-Afrika zum Einsatz kommen. Das Problem dabei ist: Dieser Impfstoff zeigt nur bei jedem dritten Patienten Wirkung. Nun erbrachte ein weiterer Wirkstoff bei ersten Studien gute Ergebnisse.

Jedes Jahr sterben rund 430.000 Menschen an Malaria – 92 Prozent der Todesfälle sind am afrikanischen Kontinent zu verorten. Zwar ist die Zahl der Neuerkrankungen von 2010 bis 2015 weltweit um 21 % zurückgegangen und die Sterblichkeitsrate um 29 % – doch: 2015 starb alle zwei Minuten ein Kind an dieser Krankheit. (science.orf.at)

Doch wie ging man bei den Tests für den neuen Wirkstoff vor? „Zehn Freiwillige ließen sich von Mücken stechen, die eine genetisch geschwächte Form des Malaria-Erregers Plasmodium falciparum in sich trugen, und entwickelten anschließend Antikörper“, so heise.de. Keiner der zehn Freiwilligen erkrankte dabei an Malaria. Es geht dabei um drei Gene, welche im Erreger Plasmodium falciparum stillgelegt werden müssen, damit der Parasit nicht mehr seinen vollen Lebenszyklus durchläuft. Nach Tests an Mäusen ist das nun der erste Test an Menschen.

Im kommenden Jahr sollen dann Menschen, die mit diesem Impfstoff geimpft wurden in Kontakt mit unmanipulierten Erregern kommen. Dadurch würde sichtbar werden, ob die erzeugten Antikörper das Immunsystem ausreichend schützen können. Sollte dies gelingen, wird es schließlich weitere, größere Studien mit diesem Impfstoff geben. Bis dahin soll der Impfstoff RTS,S eingesetzt werden – denn selbst wenn er nur bei jedem dritten Patienten Wirkung zeigt, ist das bereits ein Fortschritt.


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Bildquelle: Titelbild CC0 Public Domain, ZoranD, Pixabay, Grafik: Public Domain, Link