#362 Neu gezüchtete Korallenhybriden sollen Riffabbau verhindern

WissenschaftlerInnen haben „Superkorallen“ gezüchtet, welche auch in den wärmer werdenden Weltmeeren überleben können. Dabei wurden verschiedene Arten riffbildender Korallen gekreuzt – jene, die eher in kälteren Gewässern wachsen mit jenen, die auch wärmeren Temperaturen ausgesetzt sein können. 

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WissenschaftlerInnen haben „Superkorallen“ gezüchtet, welche auch in den wärmer werdenden Weltmeeren überleben können. Dabei wurden verschiedene Arten riffbildender Korallen gekreuzt – jene, die eher in kälteren Gewässern wachsen mit jenen, die auch wärmeren Temperaturen ausgesetzt sein können.

In einem Londoner Aquarium ist es gelungen, den gesamten komplexen Lebenszyklus von Laichkorallen zu reproduzieren – nun werden diese in Florida hochgezogen. Bis 2019 sollen dann diese Korallen vor der Küste gepflanzt werden. Auf einer Konferenz an der Universität Oxford wurde auch darüber gesprochen, dass ein derartige Eingriff an Korallenriffe kontrovers diskutiert wird und auch als riskant angesehen werden könnte. Doch der voranschreitende Riffabbau lasse es nicht zu, dass man die Korallenriffe in Ruhe lasse, so Prof. Madeleine van Oppen vom australischen Institut für Meereswissenschaften und der Universität von Melbourne.

Weiters wird an Gentechnologie geforscht: So sollen schützende Gene in Korallen abgegeben werden. Van Oppens Team arbeitet daran, Probiotika auf ein Riff zu sprühen, um diese zu stärken.


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Bildquelle: CC0 Public Domain, joakantPixabay

#332 Kaffee als Antrieb für einen Londoner Bus

Durchschnittlich 2,3 Tassen Kaffee pro Person und Tag ergeben 200.000 Tonnen Abfall pro Jahr – und das alleine in London. Das britische Start-Up Bio Bean will daraus, gemeinsam mit dem Erdölkonzern Shell, einen Biodiesel entwickeln – nun startet das Pilotprojekt.

Durchschnittlich 2,3 Tassen Kaffee pro Person und Tag ergeben 200.000 Tonnen Abfall pro Jahr – und das alleine in London. Ein britisches Start-Up bio-bean will daraus, gemeinsam mit dem Erdölkonzern Shell, einen Biodiesel entwickeln – nun startet das Pilotprojekt.

Der Biodiesel namens B20, der zu 20 Prozent aus Kaffeeresten besteht, soll nun ein Jahr lang den Kraftstoff für einen  Londoner Bus bieten. Alternative Biokraftstoffe werden schon seit längerem in Londons Bussen getestet – um einerseits Emissionen, andererseits auch die Ausgaben zu senken. Doch im Gegensatz zu anderen Beimischungen handelt es sich bei Kaffeesatz um ein reines Abfallprodukt – eine Pflanze wird dafür nicht ausschließlich dafür angebaut, um dann zu Biodiesel zu werden.

bio-bean möchte in diesem Jahr 6.000 Liter des Kaffeeöls produzieren, welches gewöhnlichem Diesel beigemengt wird. Der Gründer Arthur Kay denkt übrigens bereits an Expansion: denn in Deutschland würden rund 61 Milliarden Tassen Kaffee pro Jahr getrunken.


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Bildquelle: Bild von Shell

#224 Open House Wien erstmals in Gebärdensprache

Die „Open House“-Tage in Wien bieten nicht nur Zugang zu 65 architektonisch beeindruckenden Gebäuden – sondern 2017 auch erstmals einige Führungen in Gebärdensprache.

Seit 2014 bietet Open House Wien die Möglichkeit, zahlreiche Gebäude in Wien zu entdecken, zu denen man normalerweise eher schwer Zugang bekommen würde. In diesem Jahr findet die Veranstaltung am 9. und 10. September 2017 in 65 Gebäuden statt. Die Open House-Idee wurde 1992 in London gestartet – 2017 zählt man bereits Städte aus 36 teilnehmenden Ländern.

Während bereits zahlreiche Gebäude mit einem Rollstuhl zugänglich sind (in der Gebäudeliste sind sie mit einem Rollstuhlpiktogramm gekennzeichnet), gibt es nun erstmals auch Führungen in Gebärdensprache.

  • Samstag, 9. 9., 11 – 12 Uhr: Börsegebäude
  • Samstag, 9. 9.,14 – 15 Uhr: Neue Burg
  • Sonntag, 10. 9., 11 – 12 Uhr: ÖAMTC Zentrale

Zwar sind das erst 3 von 65 Gebäuden, aber es ist zumindest ein Anfang. Und wie Markus Ladstätter auf bizeps.or.at schreibt: „Andere Gebäude ohne Führung in Österreichischer Gebärdensprache können natürlich auch gerne besucht werden. Es gibt viel zu sehen.“


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Bildquelle: © visitBerlin, Foto: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

#126 London: Hilfreicher Button für Menschen mit unsichtbaren Behinderungen

Ein „Please offer me a seat“-Button für die Öffis in London soll dabei helfen, dass Menschen mit unsichtbaren Behinderungen sich nicht zu erklären brauchen, um einen Platz angeboten zu bekommen.

Ende April startete „Transport of London“ (die Dachorganisation, die das Verkehrssystem in London organisiert) mit „Please offer me a seat“-Buttons: Ziel ist es, dass Menschen mit unsichtbaren Behinderungen damit einfacher einen Platz angeboten bekommen, ohne umständlich (und öffentlich) erklären zu müssen, warum sie einen Platz benötigen.

34257028316_43206a5cf5_o.jpgBereits vergangenen Herbst hatte diese Aktion einen Testlauf – damals erklärten 72 Prozent der TeilnehmerInnen, dass sich ihre Wege in den Öffis Londons durch den Button erleichterten.

James McNaught, ein Teilnehmer, ist begeistert:

“This is a brilliant scheme and I am very glad that it is being introduced by the Mayor. The anxiousness of needing a seat but being unsure whether you will get one can rob people of the confidence to use public transport, and this simple initiative will make a huge difference to the lives of many people.” (positive.news)

In London stehen sie offenbar auf Buttons: So gibt es schon einen „Baby on board!“-Button für Schwangere, McNaught, ein Krebspatient, hat im März 2016 schließlich auch einen „Cancer on board“-Button ausgegeben.

Auch der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan ist überzeugt, dass die Buttons gut ankommen und angenommen werden:

“These blue badges will make a real difference to passengers who need a seat but just haven’t felt confident enough to ask for one,” said Sadiq Khan, mayor of London. “I’ve no doubt they’ll soon become as recognisable across the capital as our popular ‘Baby on Board’ badges.” (positive.news)


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Bildquelle: © Transport for London, Flickr, Titelbild, Bild 1

#87 Ein Haarschnitt für Obdachlose

Josh Coombes in London und Nasir Sobhani in Melbourne gehen an ihren freien Tagen mit ihrem Friseurwerkzeug auf die Straße – um Obdachlose einen Haarschnitt und ein offenes Ohr zu schenken.

Joshua Coombes arbeitet seit sechs Jahren als Frisör. Im Jahr 2015 begann er schließlich, sich mit seinem Friseur-Werkzeug im Rucksack auf den Weg in Exeters Straßen (Exeter ist die Hauptstadt der Grafschaft Devon im Westen von England). Seither schneidet er obdachlosen Menschen kostenlos die Haare – zuerst eben in Exeter, später auch in London. Begleitet wird er dabei von seinem Freund Matt Spracklen, ein Fotograf, der die Ergebnisse mit der Kamera dokumentiert.

Auf Coombes Instagram-Account findet man diese sehenswerten und berührenden Eindrücke, gemeinsam mit dem Hashtag #DoSomethingforNothing (übersetzt: Mache etwas für nichts). Coombes möchte mit seiner Arbeit Bewusstsein schaffen für die vielen Menschen, die auf der Straße leben. Im April 2016 veranstalteten Coombes und Spracklen auch ein Zusammentreffen für Menschen, die sich ebenfalls engagieren wollen. Josh erklärt,

„For me, it is about giving something back and raising awareness of the homeless and by doing it on the street, it breaks the generalisation and so far it has been a good response.“ (metro.co.uk)

Nasir Sobhani ist ein weiterer Straßenfrisör. Er kümmert sich dabei seit 2014 um die Obdachlosen der australischen Stadt Melbourne. Er ist geboren und aufgewachsen in Japan, hat in Kanada ein College besucht, am Inselstaat Vanuatu ehrenamtlich gearbeitet und ist schließlich in Australien gelandet.

Und auch er erklärt, warum nicht nur der Haarschnitt für die Obdachlosen wichtig ist:

„They need actual human contact, to engage in some form of intimacy with a human being who actually cares for them.“ (popsugar.com)

Neben seinem Instagram-Account (mit dem Hashtag #CleanCutCleanStart) gibt es auch noch einen eigenen YouTube-Account, in der Geschichten von einzelnen Obdachlosen während eines Haarschnitts erzählt werden.


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#59 Wie ein junger Mann HIV-Neuinfektionen in England zurückdrängte

Greg Owen hat eine Website geschaffen, auf der er Generika von prophylaktischen HIV-Medikamenten verkaufte, bevor sie in England vom Gesundheitssystem übernommen wurden. Die gesunkenen Zahlen der Neuinfektionen sprechen deutlich für ihn.

Die Anzahl der HIV-Neudiagnosen bei schwulen Männern in London ist innerhalb von 12 Monaten um 40 Prozent, in ganz England um ein Drittel gesunken. Der Grund dafür ist Greg Owen und sein Einsatz für PrEP (Präexpositionsprophylaxe), also Medikamente, die bei täglicher Einnahme vor einer möglichen HIV-Infektion schützen sollen.

In einem langen Beitrag im britischen Buzzfeed erzählt Journalist Patrick Strudwick wie Owen dies gelang. Der junge Mann hatte selbst Angst davor, sich mit dem HI-Virus zu infizieren und wollte 2015 mit PrEP starten, was er auch in einem Facebook-Posting verlautbarte. Am Tag darauf wollte er noch einen Doppelcheck (Blut und Urin) durchführen lassen – doch die Nachricht, die er dort erhielt, war unerwartet: Er hatte sich bereits infiziert. Er war HIV-positiv. Als er auch das veröffentlichte er auf Facebook, bekam unglaublichen Zuspruch, Unterstützung, aber, wegen seinem vorhergegangenen Posting auch zahlreiche Fragen zu PrEP.

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Das Logo von Owens Website für PrEP-Medikamenten

Das brachte ihn dazu, sich zu fragen, wie man PrEP mehr und mehr verbreiten kann: Denn die Behandlung wurde von der britischen National Health Service (NHS) nicht bezahlt; wollte man es sich privat verschreiben lassen, hätte das pro Monat 500 Pfund (587,52 Euro) gekostet. Owens Idee, ein Generikum des Medikaments aus dem Ausland zu importieren und es auf einer eigenen Website anzubieten, war schließlich der Schlüssel zum Erfolg. Was jetzt ein bisschen dubios klingt, war mit Ärzten besprochen und die angebotenen Generika waren natürlich bereits zahlreichen Tests unterzogen. Die Kosten beliefen sich für eine Monatsration an Medikamenten auf rund 50 Pfund (58,75 Euro).

Vor allem auch, weil es 2016 erst daran scheiterte, dass die NHS begann, die Kosten für das Medikament zu übernehmen, um es schließlich im November doch noch zuzulassen, brachte viel Aufmerksamkeit auf PrEP und Owens Website. Zehntausende Menschen pro Monat informierten sich über die Medikamente und bestellten die Generikas. Deshalb ist er auch der wichtigste Part, der für den Rückgang in England zuständig ist, wie Professor Sheena McCormack, eine der angesehensten HIV-Ärztinnen, erklärt:

“She said, ‘It’s all very well us doing this – professors, doctors, researchers – but you did something that none of us could have done. You convinced people that they would want to use PrEP because you showed them how easy it was. And then you implemented support for them and then made it easy for them to buy it. None of us could have done that because none of us are you.’”

Reich geworden ist Owen damit nicht: Mit der Website verdient er selber nichts. Und musste deshalb in den vergangenen Monaten noch regelmäßig auf den Couches von Freunden und Familie schlafen und sich irgendwie durchschlagen. Dafür kann er sagen, dass er zu einem immensen Teil zuständig für einen der größten Rückgange an Neuinfektionen in England in den über 35 Jahren seit der Entdeckung des HI-Virus.


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#52 London startet mit Steuer auf Luftverschmutzung

Um der Luftverschmutzung in London Einhalt zu gebieten, werden ältere Fahrzeuge, welche nicht mehr den Emissionsstandards entsprechen, besteuert.

Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan hat angekündigt, dass die Stadt ab Oktober ältere Fahrzeuge mit einer Steuer belegen werde.

Die als „T-charge“ bezeichnete Gebühr ist dabei nicht billig: 10 Pfund (das sind 11,69 Euro) kostet es pro Tag für all jene, welche ein Benzin- oder Dieselfahrzeug besitzen, welches vor 2006 angemeldet wurde und nicht den europäischen Emissionsstandard „Euro 4“ aus dem Jahr 2005 entsprechen. Gemeinsam mit der Citymaut (11,5 Pfund bzw. 13,44 Euro) wird es für FahrerInnen älterer Fahrzeuge sehr teuer, täglich am Londoner Straßenverkehr teilzunehmen. Vor allem ältere Dieselfahrzeuge blasen zu viel Stickstoffdioxid aus dem Auspuff hinaus.

Jährlich sterben 9.500 BewohnerInnen Londons frühzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung, so eine Studie aus dem Jahr 2015 von ForscherInnen des King’s College London. Das ist auch ein Grund für Khan, diese neue Steuer umzusetzen:

„It’s staggering that we live in a city where the air is so toxic that many of our children are growing up with lung problems,“ said mayor Khan in a statement. „If we don’t make drastic changes now we won’t be protecting the health of our families in the future,“ he added. (news.trust.org)

Diese Maßnahme ist Teil eines 875 Million Pfund (1,02 Milliarden Euro) Bemühens durch das Bürgermeisteramt, die Luftverschmutzung in London zu bekämpfen. 2019 ist zudem die Einführung einer „Ultra Low Emission Zone“ (ULEZ) geplant.


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#19 Die mögliche Selbstheilung der Zähne

Dank britischer ForscherInnen könnten Füllungen aus Amalgam, Kunststoff und Zement in nicht zu ferner Zukunft der Vergangenheit angehören.

Wenn britische ForscherInnen des King’s College London Recht behalten, dann könnte ihre Entdeckung in der Zukunft Füllungen aus Amalgam, Kunststoff oder Zement unnötig machen. Sie fanden heraus, dass ein ein Mittel, welches eigentlich gegen Alzheimer wirken soll, die Zähne von Mäusen dazu anregt, Löcher durch nachwachsende Zellen zu schließen.

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Der Aufbau eines Zahns

Aber von Anfang an: Ein Zahn ist, vereinfacht gesagt, aus drei Dingen aufgebaut. Ganz innen ist das Zahnmark, oder auch Zahnpulpa genannt. Um dieses herum liegt das Zahnbein, auch Dentin genannt – das ist der größte Teil des Zahns. Auf dem Dentin liegt schließlich noch der harte Zahnschmelz. Geht der Zahnschmelz verloren, ist das blöd – denn der wächst nicht wieder nach. Das Dentin hingegen kann lebenslang neu gebildet werden – das passiert auch schon jetzt zwischen der Grenzfläche zum Zahnmark, wenn die Pulpa durch ein Verletzung oder eine Infektion freigelegt wird.

Die ForscherInnen schafften nun aber, dass sich die Dentinneubildung auf den ganzen Zahn ausweitet. Dies funktioniert mit dem klinisch als sicher geltenden Alzheimermedikament namens Tideglusib. Wie diese Selbstheilung funktioniert, ist schnell erklärt:

Wie die Forscher im Fachblatt „Scientific Reports“ schreiben, stimuliert Tideglusib die Bildung von Stammzellen im Zahnmark und regt sie dazu an, sich zu sogenannten Odontoplasten umzuwandeln. Diese spezialisierten Zahnzellen wiederum führen zur Produktion von Dentin. (derStandard.at)

Tideglusib deaktiviert dabei ein Enzym namens GSK-3, welches die Neuformung von Dentin eigentlich unterdrückt.

Die Sache ist nur: Löcher in Mäusezähnen sind viel, viel kleiner als Löcher in Menschenzähnen. Nach dem erfolgreichen Test an Mäusen, testen die ForscherInnen es nun an Ratten, welche bereits vierfach größere Zähne haben als Mäuse. Gelingt auch hier die Selbstheilung, sollen klinische Tests bei Menschen beginnen.

Aber: Auch bei zukünftigen Selbstheilungsprozessen der Zähne muss der Zahnarzt in von Karies befallenen Zähne bohren. So gut das alles also auch klingt – es bleibt einem leider nicht alles erspart.


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Bildquelle: CC0 Public Domain, renatalferro, Pixabay