#315 Die Energiewende bis 2050 ist möglich

Die globale Energiewende muss bis zum Jahr 2050 passieren – die Erderwärmung soll dadurch bei zwei Grad Celsius eingebremst werden. Was heute noch sehr utopisch klingt, kann aber gelingen. Eine Studie von ForscherInnen der Stanford Universität haben für 139 Nationen „Fahrpläne“ ausgearbeitet.

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Der Klimawandel zeigt schon heute seine Folgen – gerade deshalb ist wichtig, dass die Weltgemeinschaft gemeinsam an einer globalen Energiewende bis zum Jahr 2050 arbeitet. Bis dahin soll die Erderwärmung bei zwei Grad Celsius eingebremst werden – durch eine Nullbilanz beim CO2-Ausstoß.

Was heute noch sehr utopisch klingt, kann aber gelingen. Eine Studie von ForscherInnen der Stanford Universität haben für 139 Nationen „Fahrpläne“ ausgearbeitet. Das Pariser Klimaabkommen wurde 2015 von allen 195 Ländern unterzeichnet. Warum also nur 139 Nationen? Weil diese für 99 Prozent des globalen CO2-Aufkommen verantwortlich sind. Der Forscher Mark Z. Jacobson und seine KollegInnen ist also die Umsetzung des Klimaabkommens möglich. Es ist nicht der einzige Weg für diese Länder, aber eben einer, der funktionieren kann.

Dabei soll auf der ganzen Welt der Energiebedarf um rund 42,5 Prozent sinken. Zusätzlich entstehen 24 Millionen neue Jobs und pro Jahr werden 4 Millionen Menschen davor bewahrt, aufgrund der Luftverschmutzung zu sterben. Allein für Österreich würde das 80.600 neue Jobs bedeuten – „bereits abzüglich jener Tätigkeitsbereiche, die durch einen Ausstieg aus der fossilen Energiewirtschaft gefährdet sind.“ (science.orf.at)


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#302 Chinas zwangsläufiges Umdenken und der Kampf gegen Luftverschmutzung

Chinas Kohleproduktion hat sich zwischen 2003 und 2011 mehr als verdoppelt – doch aufgrund der dadurch entstandenen Probleme mit massiver Luftverschmutzung – und durch die Milliarden Investitionen in saubere Energie in den vergangenen Monaten scheint nun ein Umdenken zu passieren. Nun mussten 40 Prozent aller chinesischen Firmen vorübergehend ihren Betrieb einstellen, weil sie die vorgegebenen Emissionsziele nicht erreichen konnten.

Wie berichtet hat sich Chinas Kohleproduktion zwischen 2003 und 2011 von 20 auf über 40.000 Terawattstunden verdoppelt und war damit für fast die Hälfte der weltweiten Kohleproduktion verantwortlich. Doch aufgrund der dadurch entstandenen Probleme mit massiver Luftverschmutzung – und durch die Milliarden Investitionen in saubere Energie in den vergangenen Monaten scheint nun ein Umdenken zu passieren.

40 Prozent aller chinesischen Firmen (176.000 Fabriken und 44.000 Kohlekraftwerke) mussten ab 1. Oktober vorübergehend den Betrieb einstellen, weil sie die vorgegebenen Emissionsziele nicht erreichen konnten. Selbst die Stahlproduktion (in Peking, Tianjin und der Provinz Hebei) wurde um die Hälfte gesenkt. Die Regierung hat mehr als 7.000 Inspektoren eingesetzt.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2015 sterben täglich 4.000 ChinesInnen pro Tag an den Folgen der massiven Luftverschmutzung.

Im Artikel auf Zeit.de werden die Anstrengungen im Kampf gegen Luftverschmutzung und der Entwicklung dem Einsatz von Erneuerbarer Energie

Gleichzeitig soll die Energieproduktion durch Sonnenenergie bis 2020 um ein Fünftel erhöht werden. Den zunächst geplanten Bau von mehr als 100 neuen Kohlekraftwerken hat die Regierung inzwischen aufgegeben. Stattdessen will sie in den nächsten Jahren umgerechnet mindestens 320 Milliarden Euro in Ökoenergieprojekte stecken. Vier Städte in der Region, darunter Peking und Tianjin, sollen ab 2020 komplett „kohlefreie Zonen“ werden.

Beim Umstieg auf erneuerbare Energien ist China heute schon führend. Die Volksrepublik erzeugt ein Fünftel ihres Stroms aus regenerativen Quellen. In den USA sind es – zum Vergleich – nur 13 Prozent. (zeit.de)


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#166 Größtes Radverleihsystem der Welt in der chinesischen Stadt Hangzhou

Innerhalb nur weniger Jahre ist in der chinesischen Stadt Hangzhou das größte Radverleihsystem der Welt entstanden: gab es 2008 noch 2.800 Leihräder, sind es 2017 rund 85.000 davon.

Die chinesische Stadt Hangzhou zählt mit rund 8,8 Millionen Bewohnern so viele Einwohner wie Österreich, ist flächenmäßig aber nur ein Fünftel von Österreich. Bekannt auf der ganzen Welt wurde es u.a. aufgrund des G20-Treffens im Jahr 2016.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Stadt massiv weiterentwickelt – vor allem hinsichtlich des öffentlichen Verkehrs. Seit 2007 befindet sich die U-Bahn in Bau. Die ersten 48 Kilometer wurden bereits 2012 eröffnet, bis 2050 sollen es insgesamt 375 Kilometer werden. Außerdem gibt es seit 2010 eine Schnellzugverbindung von Shanghai nach Hangzhou. Und auch das Radverleihsystem hat sich massiv weiterentwickelt: Gab es 2008 noch 2.800 Fahrräder, so hat sich die Zahl bis 2017 auf 85.000 erhöht und ist nun das größte Radverleihsystem der Welt.

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Die Fahrradabstellplätze in Hangzhou (Bildquelle: CC BY SA 2.0, „rental bicycles, Hangzhou“, vhines2000)

Die Stadtregierung spricht von 350.000 Ausleihen pro Tag. Die erste Stunde des Ausleihs ist, wie z.B. auch beim Citybike in Wien, völlig kostenlos. 95 Prozent der Fahrten dauern weniger als 60 Minuten. Seit dem Start im Jahr 2008 gab es rund 700 Millionen Nutzungen, aktuell sind es allein 115 Millionen Nutzungen pro Jahr. Insgesamt gibt es 3.600 Ausleih- und Abstellplätze. Die Kosten für die Anschaffung der Fahrräder, der Abstellplätze und des Kontrollsystems wurden allesamt von der Stadt übernommen – durch den Verkauf von Werbeplätzen bei den Abstellplätzen und den Fahrrädern selbst und die 5 Prozent NutzerInnen, die die Fahrräder länger als 60 Minuten nützen, wird das Projekt finanziert.

Der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder ist für die Stadt wichtig: Zwar wird Hangzhou als eine der schönsten Städte Chinas bezeichnet – doch 2013 zählte man 239 Tage mit starkem Smog (das war aber im Vergleich ein Extremwert), 2014 immer noch 154 Tage. Um bei dem G20-Treffen im Jahr 2016 vor Smog geschützt zu werden, wurden sogar die Firmen abgestellt – weil das aber nicht immer möglich sein wird, ist diese neue Ausrichtung für öffentlichen Verkehr ein wichtiger Schritt um Veränderung herbeizuführen.

2017 wurde das System nun mit dem „International Ashden Award for Sustainable Travel“ ausgezeichnet.


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Bildquelle: CC BY NC 2.0, Design for Health, „Hangzhou, China 024“, Flickr

#124 Indien: Ab 2030 ausschließlich Verkauf von Elektroautos

Indien, das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt, hat es sich zum Ziel gesetzt, dass 2030 ausschließlich Elektroautos verkauft werden dürfen. Jährlich sterben aktuell 2,3 Millionen Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung.

Im Indien, dem zweitbevölkerungsreichsten Land der Welt, ist in den vergangenen Jahren der Bestand an Kraftfahrzeugen stark angestiegen. Waren es 2008 noch rund 14,5 Millionen Fahrzeuge, zählte man 2011 erstmals knapp über 20 Millionen, 2014 lag man schließlich schon bei rund 28 Millionen Fahrzeugen.

Der indische Energieminister Piyush Goyal hat nun angekündigt, dass ab dem Jahr 2030 jedes verkaufte Auto mit Strom betrieben werden soll: „We are going to make electric vehicles self-sufficient… The idea is that by 2030, not a single petrol or diesel car should be sold in the country.“

Der Minister geht davon aus, dass die Autoindustrie zwischen zwei und drei Jahren Unterstützung durch die Regierung benötigt, er erwartet aber, dass danach die Fahrzeuge von der Nachfrage und nicht von Subventionen getrieben werden.

Jährlich sterben, laut einem Report von Greenpeace mit dem düsteren Namen „Airpocalypse„, in Indien 2,3 Millionen Menschen durch die Luftverschmutzung. KritikerInnen werfen der nationalistischen Regierung Indiens jedoch vor, diesen Schritt nicht aus Umweltschutz zu wagen, sondern aus einer rein protektionistischen Haltung, um den Erdölgebrauch (welches aus dem Ausland importiert werden muss) stark einzuschränken. Außerdem wird bezweifelt, dass in dem Land ein so rascher Umstieg innerhalb von dreizehn Jahren überhaupt möglich ist.


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#121 Säuregrad der Atmosphäre (fast) auf dem Niveau der vorindustriellen Zeit

Untersuchungen im Grönlandeis zeigen, dass der Säuregrad unserer Atmosphäre aufgrund der Luftschutzgesetze massiv abgenommen hat – fast auf das Niveau der vor-industriellen Zeit.

Grönland bietet für die Menschen und vor allem für interessierte ForscherInnen ein einzigartiges Archiv der klimatischen und atmosphärischen Entwicklung unseres Planeten. Denn dort fällt regelmäßig Schnee vom Himmel, schmilzt an manchen Stellen jedoch nie (bzw. beginnt es auch dort durch die Erderwärmung zu schmelzen). Somit ist es möglich, durch kilometertiefe Bohrungen bis zu 100.000 Jahren zurückzublicken. Doch auf eine solch große Zeitreise wollten sich ForscherInnen des Niels Bohr Institute der Universität von Kopenhagen (Dänemark) nicht machen – sie interessierten sich für den Zeitraum der vergangenen einhundert Jahre.

Sie untersuchten dabei das Eis auf den Säuregehalt in der Atmosphäre – und dabei erkannten sie, dass dieser in den vergangenen Jahren stark gesunken ist. Von 1930 weg, einem wichtigen Zeitpunkt der industriellen Revolution stieg er an, bis es in den Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte.

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Die Entwicklung des atmosphärischen Säuregrads (Am Anfang der y-Achse ist ungefähr 2005, am Ende 1900) Fotoquelle: Helle Astrid Kjær, NBI

Der Rückgang hat vor allem einen Grund: In den Siebzigern wurden in den Vereinigten Staaten von Amerika und Europa Gesetze verabschiedet, welche die Wiederherstellung, Sicherung und den Schutz der Luftqualität zum Ziel hatte. Dabei wurden Firmen verpflichtet, Filter in ihre Schlote einzubauen, um weniger Gift in die Atmosphäre zu blasen.

Ein hoher Säuregrad kann mehrere Gründe haben: Einerseits durch den Ausstoß bei großen Vulkanausbrüchen, großen Waldbränden und durch die Industrie (und den menschlichen Energieverbrauch). In ihrer Berechnung gelang es, Vulkanausbrüche und Waldbrände herauszurechnen – ihre Ergebnisse beziehen sich also einzig auf die menschgemachte Verschmutzung der Atmosphäre.

Die Untersuchung des Niels Bohr Insituts zeigt auf, wie politische Initiativen eine nachhaltige und wichtige Veränderung herbeiführen können. Die Übersäuerung der Meere, saurer Regen und das sagenumwobene Waldsterben wurde damit zumindest eingedämmt.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, Tarabiscuite, Pixabay

#77 70.000 Elektrotaxis für Peking

Um die anhaltende Luftverschmutzung zu bekämpfen, sollen in Peking über 70.000 benzinbetriebene Taxis durch Elektroautos getauscht werden.

Die chinesischen Großstädte leiden aufgrund des anhaltenden Verkehrs (wie auch viele westliche Städte) an massiver Luftverschmutzung. Um dieser in Zukunft Einhalt zu gebieten, hat die chinesische Hauptstadt Peking geplant, die Taxiflotte in den kommenden Jahren auf Elektroautos umzustellen. Dies würde rund 70.000 Taxis betreffen und 1,3 Milliarden US-Dollar (rund 1,24 Milliarden Euro) kosten.

Wie lange dieser Wechsel dauern wird, ist noch nicht abzusehen. Beginnen soll die Umstellung aber bereits in diesem Jahr: alle neu zugelassenen Taxis müssen ab da Elektroautos sein. Auch in den Städten Shenzen und Taiyuan wurden Beschlüsse dieser Art gefasst. Im Jahr 2016 verdoppelte sich die Zahl der in China zugelassenen Elektrofahrzeuge auf 600.000 – damit ist der chinesische E-Automarkt bereits der größte der Welt.

Damit man sich ein Bild machen kann, warum der Kampf gegen Smog so wichtig ist, hier ein einminütiges Video vom TIME Magazine:


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC BY SA (2.0), Silke Ebel, Summer Palace, Flickr

#52 London startet mit Steuer auf Luftverschmutzung

Um der Luftverschmutzung in London Einhalt zu gebieten, werden ältere Fahrzeuge, welche nicht mehr den Emissionsstandards entsprechen, besteuert.

Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan hat angekündigt, dass die Stadt ab Oktober ältere Fahrzeuge mit einer Steuer belegen werde.

Die als „T-charge“ bezeichnete Gebühr ist dabei nicht billig: 10 Pfund (das sind 11,69 Euro) kostet es pro Tag für all jene, welche ein Benzin- oder Dieselfahrzeug besitzen, welches vor 2006 angemeldet wurde und nicht den europäischen Emissionsstandard „Euro 4“ aus dem Jahr 2005 entsprechen. Gemeinsam mit der Citymaut (11,5 Pfund bzw. 13,44 Euro) wird es für FahrerInnen älterer Fahrzeuge sehr teuer, täglich am Londoner Straßenverkehr teilzunehmen. Vor allem ältere Dieselfahrzeuge blasen zu viel Stickstoffdioxid aus dem Auspuff hinaus.

Jährlich sterben 9.500 BewohnerInnen Londons frühzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung, so eine Studie aus dem Jahr 2015 von ForscherInnen des King’s College London. Das ist auch ein Grund für Khan, diese neue Steuer umzusetzen:

„It’s staggering that we live in a city where the air is so toxic that many of our children are growing up with lung problems,“ said mayor Khan in a statement. „If we don’t make drastic changes now we won’t be protecting the health of our families in the future,“ he added. (news.trust.org)

Diese Maßnahme ist Teil eines 875 Million Pfund (1,02 Milliarden Euro) Bemühens durch das Bürgermeisteramt, die Luftverschmutzung in London zu bekämpfen. 2019 ist zudem die Einführung einer „Ultra Low Emission Zone“ (ULEZ) geplant.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, Unsplash, Pixabay

#43 Senkrechte Wälder für smoggeplagte, chinesische Großstädte

Ein italienisches ArchitektInnenteam möchte bis 2018 in Nanjing die ersten Vertical-Forest-Hochhäuser in Asien bauen – ein Versuch, gegen den Smog in Chinas Großstädten anzukämpfen.

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So sollen die beiden Hochhäuser in Nanjing aussehen – Konzeptgrafik von stefanoboeriarchitetti.net

Die Bilder aus dem smogbedingt sonnenlosen Peking kennen wir wahrscheinlich alle – falls nicht, hier entlang. Doch China versucht einen Weg aus dieser Misere zu finden: Eine Idee ist es, Hochhäuser mit vertikalen Gärten/Wäldern zu bauen. Nun sind zwei Hochhäuser in Nanjing geplant: Die „Vertical Forest“ oder „Nanjing Green Towers“ sollen 2018 fertig gestellt werden – die Pflanzen, mit denen die beiden Hochhäuser bedeckt sein werden, würden in einem klassischen horizontalen Garten rund 6.000 Quadratmeter brauchen.

Das Architekturteam Stefano Boeri erklärt in ihrem Statement, warum das gerade für smoggeplagte Städte eine gute Sache sei:

Along the facades, 600 tall trees, 500 medium-sized trees (for a total amount of 1,100 trees from 23 local species) and 2,500 cascading plants and shrubs will cover a 6,000 Sqm area. A real vertical forest, contributing to regenerate local biodiversity, that will provide a 25 tons of CO2 absorption each year and will produce about 60 kg of Oxygen per day. (stefanoboeriarchitetti.net)

Zwei Hochhäuser mit vertikalen Gärten gibt es bereits – das allererste in Mailand, das zweite steht in Lausanne in der Schweiz. Beide wurden vom selben Architekturteam umgesetzt, das nun für Nanjing verantwortlich ist.

Das Video geht auf die Pläne ein und erklärt, was damit erreicht werden soll:

In weiterer Folge sollen auch weitere Hochhäuser in China entstehen – z.B. in Shanghai, Shijiazhuang und Liuzhou.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle:  Pressebild, stefanoboeriarchitetti.net