#106 Neues solar-betriebenes Gerät gewinnt Trinkwasser aus der Luft

ForscherInnen der UC Berkeley und des MIT haben einen Prototypen entwickelt, welcher Trinkwasser aus der Atmosphäre ziehen kann – und das selbst an Orten mit nur rund 20 % Luftfeuchtigkeit, wie z.B. die Sahara-Wüste.

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ForscherInnen des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der University of California (UC), Berkeley haben ein kompaktes Gerät entwickelt, welches mit der Wärme der Sonne und der in der Luft befindlichen Feuchtigkeit Trinkwasser herstellen kann.

Der Journalist Robert Czepel hat die Funktionsweise in seinem Beitrag auf science.orf.at sehr gut erklärt:

Herzstück der Maschine ist eine metallorganische Verbindung, kurz „MOF“ genannt, die so ähnlich wie ein Schwamm funktioniert: Sie nimmt Wasser aus der Luft auf und lagert es an ihrer Oberfläche an. Arbeitsschritt zwei erledigt die Sonne. Ihre Wärme sorgt dafür, dass das Wasser den metallorganischen Schwamm als Dampf verlässt und sich schließlich an einer Kondensatoroberfläche sammelt, von wo es in einen Behälter rinnen kann. (science.orf.at)

Die ForscherInnen aus Berkeley sind für die Entwicklung der MOF zuständig, die ForscherInnen am MIT machten daraus den „Luftentfeuchter“. Wasser aus der Atmosphäre zu gewinnen ist keine neue Entwicklung: Doch oftmals brauchten die Prozesse das Vorhandensein von 100 Prozent relativer Luftfeuchte und jede Menge Energie. Das ist hier anders: Selbst in Wüsten wie der Sahara, Gobi oder Kalahari, welche oftmals nur eine Luftfeuchtigkeit von rund 20 Prozent aufweisen, würde dieses Gerät funktionieren. Die einzige Energiequelle, die benötigt wird, ist die Sonne. Mit dem aktuellen Prototypen gelingt es, innerhalb von 12 Stunden 2,8 Liter aus der Luft zu gewinnen – benötigt dafür wird etwas unter 1 Kilogramm des MOF.

In diesem Video erklärt Professor Omar Yaghi die Funktionsweise des Geräts:

Der im Journal Science vorgestellte Prototyp arbeitet mit einer MOF-Variante, welche 20 % ihres Gewichts an Wasser aufnehmen kann – in Zukunft sollen das aber 40 % oder mehr sein. Damit diese Entwicklung mehr und mehr Menschen (vor allem in Bereichen der Welt, wo der Zugang zu sauberem Trinkwasser nicht vorhanden ist) erreicht, braucht es jetzt die Industrie, die diesen Prototypen weiterentwickelt und schließlich produziert. Das deutsche Chemieunternehmen BASF ist bereits an Bord, die ersten Geräte könnten bereits in ein paar Jahren auf den Markt kommen.

Sowohl Omar Yaghi von der UC Berkeley als auch Evelyn Wang vom MIT sind überzeugt, dass sie mit ihrem Prototypen nur zu einem kleinen Teil das Potential dieses Konzepts erschlossen haben.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, PublicDomainPictures, Pixabay

#70 Neuer Preis belohnt zivilen Ungehorsam

Der MIT Media Lab Disobedience Award ist ein mit 250.000 Dollar dotierter Preis für „ein außerordentliches Beispiel für zivilen Ungehorsam zum Vorteil der Gesellschaft“.

Das Massachusetts Institute of Technology (kurz MIT) schreibt in diesem Jahr erstmals den „MIT Media Lab Disobedience Award“ aus. Der mit 250.000 Dollar dotierter Preis soll an eine Person oder eine Gruppe gehen, welche für „ein außerordentliches Beispiel für zivilen Ungehorsam zum Vorteil der Gesellschaft“ verantwortlich sind.

Dabei legt das MIT auch fest, welche Kriterien der Regelbruch erfüllen muss: So muss er gewaltfrei, kreativ und mutig sein, und die Person oder die Gruppe muss auch die Verantwortung für die eigenen Tagen übernehmen können. Bis zum 1. Mai 2017 kann man hier Projekte einreichen, am 21. Juli 2017 soll schließlich die Preisverleihung stattfinden.

Warum sich gerade das MIT für zivilen Ungehorsam stark macht? netzpolitik.org hat dafür eine Antwort: Aaron Swartz. Der junge Mann, u.a. Mitbegründer der Plattform reddit und politischer Hacktivist, hat am MIT mehrere Millionen wissenschaftliche Artikel aus dem Zeitschriftenarchiv JSTOR heruntergeladen, um diese dann öffentlich zugänglich zu machen. Ein deutlicher ziviler Ungehorsam und auch eindeutig zum Vorteil der Gesellschaft. Die amerikanische Justiz sah das anders und verfolgte ihn strafrechtlich nach dem „Computer Fraud and Abuse Act“. Vor etwas mehr als vier Jahren, am 11. Jänner 2011, beging Aaron Swartz Suizid.

Wer mehr über Aaron Swartz erfahren möchte, dem kann ich ganz persönlich „The Internet’s Own Boy“, eine mit Crowdfunding finanzierte, mehrfach ausgezeichnete Dokumentation empfehlen. Zu finden auf Netflix und auch vollständig auf YouTube.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC BY SA (2.0), Sage Ross, Boston Wiki Meetup, Flickr

#38 Schüler findet kosteneffektiven Weg um Trinkwasser aus Salzwasser zu gewinnen

Chaitanya Karamchedu, ein Schüler aus Portland, Oregon (USA) geht zwar noch zur High School, beeindruckt mit seiner Forschung aber bereits Unternehmen wie Intel und Universitäten wie das MIT.

Auf der Erde gibt es insgesamt 1,38 Mrd. km³ Wasser. Davon sind 97,4 % Salzwasser und 2,6% sind Süßwasser. Im Jahr 2015 hatten 783 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Wenn man also das Salzwasser der Meere und Ozeane entsalzen könnte, könnte man der Lösung dieses Problems näher kommen. Und diese Möglichkeiten der Entsalzung gibt es schon: Das Prinzip dabei ist stets gleich: Das Wasser muss erhitzt werden und der dabei entstehende Wasserdampf abgefangen werden.

Chaitanya Karamchedu (Spitzname: Chai), ein Schüler aus Portland, Oregon (USA) hat nun einen Weg gefunden, kosteneffektiv das Salz vom Wasser zu trennen. Dazu benutzt er ein Polymer (Definition: Ein Polymer ist eine chemische Verbindung, die aus Ketten- oder verzweigten Molekülen (Makromolekül) besteht, die aus gleichen oder gleichartigen Einheiten (den sogenannten Monomeren) bestehen. chemie.de), dass sich nicht mit den Wassermolekülen, sondern nur mit den Salzmolekülen verbindet. Damit sammelt sich das Salz, das trinkbare Wasser bleibt dann übrig.

Für ihn war die Erkenntnis wichtig, dass Wasser nicht vollkommen mit Salz durchsetzt ist. Er sagt, nur 10 Prozent des Wassers ist mit Salz verbunden, die restlichen 90 Prozent nicht. Seine Herangehensweise erklärt er so:

„People were concentrated on that 10 percent of water that’s bonded to the salt in the sea and no one looked at the 90 percent that was free. Chai just looked at it and said if 10 percent is bonded and 90 percent is free, then why are we so focused on this 10 percent, let’s ignore it and focus on the 90.“ kptv.com

Mit seiner Erfindung gewann er bereits den mit 10.000 Dollar dotierten Preis der „US Agency for International Global Development“ auf der „International Science Fair“ des Unternehmens Intel und wurde Zweiter auf der TechCon Conference am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Damit hat er weiteres Geld für seine Forschung erhalten – und forscht nun mit Intels und MITs Investments.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, bykst, Pixabay

#37 Ein Übersetzungshelfer für Flüchtlinge

Ein MIT-Entwicklerteam hat vergangene Woche Tarjimly vorgestellt: Dieser Facebook Messenger Bot soll als Schnittstelle zwischen Flüchtlingen und freiwilligen ÜbersetzerInnen funktionieren.

Drei Entwickler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben vergangene Woche einen neuen Facebook Messenger Bot vorgestellt: Tarjimly funktioniert so, dass es Flüchtlingen bei allen möglichen Übersetzungen helfen soll. Der Bot verbindet dabei Flüchtlinge und ImmigrantInnen mit freiwilligen ÜbersetzerInnen.

Ein Facebook Messenger Bot funktioniert (ganz vereinfacht gesagt) wie ein automatischer Beantworter. Innerhalb der Messenger-App von Facebook kann der Bot auf vorgegebene Inputs reagieren und die passende, gesuchte Antwort oder Aktion (den Output) liefern. Bei Tarjimly ist es so, dass man zuerst der Seite eine Nachricht schreiben (hier entlang), danach muss man dem Bot die Sprache nennen und wird anschließend mit einem Übersetzer/einer Übersetzerin vernetzt.

Aktuell befindet sich die App noch in der Testphase – die App wertet aber die Daten der Übersetzungen aus. Damit sollen schlechte ÜbersetzerInnen aussortiert werden. Für die Flüchtlinge ist dieser Bot von Vorteil, weil man dabei direkt mit EntwicklungshelferInnen, ÄrztInnen im Einreiseprozess unterstützt werden kann. Die Entwickler rechneten in der ersten Woche mit 50 Anmeldungen – bislang haben sich aber bereits über 1.100 Flüchtlinge angemeldet.

Im Gegensatz zu anderen Apps für Flüchtlinge sieht man hier den direkten zwischenmenschlichen Kontakt (den der Bot herstellt) als großen Vorteil. Außerdem muss keine weitere App installiert werden – es reicht der Facebook Messenger, der mit rund 1 Milliarde NutzerInnen neben WhatsApp der beliebteste Messengerdienst weltweit ist.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, Pexels, Pixabay