#287 Superfood gegen die Armut der thailändischen Reisbauern

Die 17 Millionen Reisbauern und -bäuerinnen in Thailand verdienen durchschnittlich 40 Cent (US-Dollar) am Tag. Damit liegt ihr Verdienst weit unter der nationalen Armutsgrenze. Nun soll der „Superfood“-Reis namens Jasberry dafür sorgen, dass für einige von ihnen am Ende des Tages mehr herausschaut.

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Die 17 Millionen Reisbauern und -bäuerinnen in Thailand verdienen durchschnittlich 40 Cent (US-Dollar) am Tag. Damit liegt ihr Verdienst weit unter der nationalen Armutsgrenze. Nun soll der „Superfood“-Reis namens Jasberry dafür sorgen, dass für einige von ihnen am Ende des Tages mehr herausschaut.

Jasberry zählt zum Trendbereich „Superfood“, da er „zehn Mal so viele Antioxidantien stecken wie in grünem Tee, zudem viel Vitamin E und Beta-Carotine“ (enorm-magazin.de) beinhaltet. Und im Gegensatz zu Acai-Beeren und Granatäpfeln ist hier der Anbau vergleichsweise günstig.

Der Thailander Peetachai Dejkraisak, der in Australien aufgewachsen ist, hat mit vier Freunden das Unternehmen Siam Organic gegründet. Dieses Unternehmen schult Bauern in nachhaltigen, ökologischen Anbaumethoden – und zeigt ihnen die Vorteile des Jasberry-Reis. Jene 1.800 Bauern, die diesen Reis anbauen, verdienen bereits das 14-Fache eines durchschnittlichen Reisbauern, also ungefähr 5,6 US-Dollar pro Tag. In den nächsten drei Jahren ist es das Ziel, dass damit 20.000 thailändische Farmer aus der Armut geholt werden sollen.

Der große Markteintritt in den USA und Europa steht bevor. In Amerika gibt es den Reis bereits in New York. Wenn erst der große Hype über den Superreis ausbricht, werden wohl noch viele weitere Jasberry-Farmer benötigt werden.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC BY 2.0, ronamae, „Black rice, white dish“, Flickr

#219 Rotterdam: Konzept für Windrad und Hotel in einem

Ein niederländisches Konsortium hat ein aktualisiertes Konzept für „Dutch Windwheel“ vorgestellt: Ein 174 Meter hohes, ringförmiges Gebäude soll nicht nur ein neues Wahrzeichen im Rotterdamer Hafen werden, sondern zudem auch Energie erzeugen und Wohnungen bieten.

Ein niederländisches Konsortium hat ein multifunktionales Gebäude entwickelt: das „Dutch Windwheel“ ist einerseits ein Hotel, andererseits ein Windrad ohne Rotorblätter. Und geht es nach der Gruppe, soll es bei seiner Fertigstellung 2025 eines der drei höchsten Gebäude in ganz Rotterdam sein.

So soll das Windradhotel von innen aussehen

Aktuell gibt es das Gebäude freilich nur auf dem Papier. Doch das runder Gebäude soll im Hafen von Rotterdam entstehen und ungefähr 174 Meter hoch sein – und legt dabei großen Wert auf Nachhaltigkeit:

  • die Fassade soll mit Solarmodulen ausgestattet sein (30.000 Quadratmeter)
  • Regenwasser soll aufgefangen und damit Pflanzen versorgen
  • Materialien und Technologien der Außenhülle sollen für passive Kühlung bzw. Erwärmung sowie für Luftzirkulation sorgen.

Das Windrad funktioniert ohne jegliche bewegliche Teile – im enorm Magazin wird dies so beschrieben: „Dabei wird Strom grob gesagt dadurch erzeugt, dass Wasserdampf elektrostatisch aufgeladen wird und der Wind die geladenen Teilchen dann innerhalb des elektrischen Feldes bewegt.“ Die Technik nennt sich Ewicon-System – ein erster Prototyp steht dabei übrigens seit 2013 an der Technischen Universität Delft. Ob die Vergrößerung der Anlage dann schließlich überhaupt funktioniert, wissen selbst die Projektinitatoren nicht.

Ewicon-Prototyp an der Technischen Universität Delft

Nachdem das Projekt 2015 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde, hat man nun das überarbeitete Design und die unterstützenden Partner vorgestellt. So gehören zu den öffentlichen Unterstützern u.a. die Gemeinde Rotterdam und das Wirtschafts- und das Infrastrukturministerium.

Das Konsortium bewirbt das 300-500 Millionen Euro-Projekt natürlich außerordentlich. Denn, so erklären sie, durch die Bauweise und die Lage direkt am Hafen soll das Windradhotel einen entscheidenden Schub für den Tourismus bringen – und gar ein neues Wahrzeichen der Stadt werden.

Sollte das Projekt in Rotterdam nicht umgesetzt werden, stehen schon andere Städte Schlange. New York, Miami, Las Vegas, Dubai und Macao haben bereits Interesse bekundet.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: Pressefotos von Dutch Windwheel und mecanoo.nl

#211 Rauchen soll nicht mehr süchtig machen

Die US-Gesundheitsbehörde FDA möchte den Nikotingehalt in Zigaretten derart absenken, dass ihr Konsum nicht mehr abhängig macht.

Die US-Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) möchte das Rauchen revolutionieren: Der Nikotingehalt in Zigaretten soll derart abgesenkt werden, dass KonsumentInnen nicht mehr abhängig machen.

„Der überwältigende Anteil der Todesfälle und Erkrankungen durch Tabak wird durch die Abhängigkeit von Zigaretten verursacht – dem einzigen legalen Produkt, dass bei angedachter Anwendung die Hälfte seiner Langzeitnutzer umbringt“ (Scott Gottlieb, Chef der FDA, spiegel.de)

Natürlich kann ein solches Vorhaben nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Nun erwartet die Behörde Stellungnahmen von Tabakkonzernen und VerbraucherschützerInnen. Erst danach wird sich die FDA zu möglichen Vorschriften für die Hersteller äußern.

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Knapp 1 Million EuropäerInnen sterben viel zu früh (Quelle: statista.de, Eurostat, Europäische Kommission, National Academy on an Aging Society, NIH, CDC, Link)

Für die Tabakhersteller kam die Ankündigung offenbar überraschend: Die Aktienkurse brachen an der New Yorker Börse ein. Die Aktien von Altria (Marken wie Marlboro und Chesterfield) verloren zwischenzeitlich um bis zu 19 Prozent an Wert.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public DomainmarkusspiskePixabay

Transparenz: Ich bin selber Raucher. Und befürworte alle Bestrebungen, die Menschen dazu bringen sollen, weniger zu rauchen. Vielleicht fällt es mir ja dann auch leichter aufzuhören.

#162 Schutz der Ozeane: UN-Konferenz bringt Selbstverpflichtung aller Mitgliedsstaaten

Alle 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen haben sich bei der ersten Oceans Conference zusammengetan, um gemeinsam gegen die Verschmutzung und Überfischung vorzugehen.

Zum allerersten Mal trafen sich VertreterInnen der Vereinten Nationen zu einer Meereskonferenz. Nach fünf Tagen haben sich alle 193 Mitgliedsstaaten auf eine gemeinsame Vorgehensweise geeinigt. So wollen sie die Ozeane „konservieren und nachhaltig“ nutzen und gaben 1.300 Selbstverpflichtungen für Meeresschutzprojekte ab.

8.000 TeilnehmerInnen, darunter RegierungsvertreterInnen, Staatschefs und -chefinnen und MeeresexpertInnen, trafen sich von 5. bis 9. Juni 2017 im Sitz der Vereinten Nationen in New York. Herausgekommen ist ein „Call for Action“, mit 14 Punkten, an die sich alle Staaten halten sollten. Peter Thomson, der Präsident der Generalversammlung, spricht sogar davon, dass sich für alle Beteiligten die Beziehung zu den Ozeanen verändert habe. „Von jetzt an könne niemand mehr sagen, dass man „von dem Schaden, den die Menschheit den Ozeanen angetan hat, nichts wusste“ (dw.com).

Die Konferenz hat nun viele Absichterklärungen gebracht – jetzt müssen die Staaten diese auch in nationale Politik umsetzen und durchsetzen. In Europa hat die EU zugesichert, „Westafrika mit 15 Millionen Euro zu unterstützen, um vor Ort eine nachhaltige Fischerei aufzubauen. Für das Management bestehender Meeresschutzgebiete will Europa 60 Millionen Euro beisteuern, vorwiegend in Entwicklungsländern. In europäischen Gewässern soll die Meeresverschmutzung angegangen werden, dazu will Brüssel Reduktionsziele für den Meeresmüll vorgeben“ (sueddeutsche.de)

Kritik kommt von Umweltorganisationen: Einerseits begrüßen sie die Erklärung, sehen aber keinen Mechanismus, der überprüft, ob die einzelnen Staaten ihre Selbstverpflichtungen auch schaffen. Mit dem Seerechtsübereinkommen (SRÜ) von 1982 gibt es eigentlich schon einem umfassenden Rahmenvertrag der UN für zahlreiche Länder – durch die rapide fortschreitende Verschmutzung und Überfischung scheint nun etwas mehr Schwung in die ganze Sache zu kommen.

Asiatische Staaten versprechen Veränderung

China, Thailand, Indonesien und die Philippinen haben sich im Rahmen der Konferenz. Anfang 2016 wurde diese vier Länder (gemeinsam mit Vietnam) für mehr als die Hälfte des gesamten Plastikmülls in den Meeren verantwortlich gemacht. Laut Oceans Conservancy sollen sogar rund 60 Prozent des gesamten Plastikmülls, das pro Jahr im Meer landet, aus diesen fünf Staaten kommen.

Thailands Regierung hat eine 20-Jahres-Strategie entwickelt um das Problem zu bekämpfen. In Indonesien startet die Regierung ein Programm um Schulkinder zu bilden. Die Philippinen entwickeln neue Gesetze.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, Pexels, Pixabay

#123 Leistbarere Bildung durch Open-Source-Lehrbücher

In den USA gibt einE StudentIn durchschnittlich 1.200 Dollar pro Jahr für Lehrmaterialien aus. Hochschulverbunde in Maryland und New York investieren deshalb in Open-Source-Lehrmaterialien, damit die Kosten für die Studierenden deutlich sinken können.

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Die ansteigenden Kosten für Hochschulbildung in den USA von 2006 bis 2016. Aus: qz.com, erstellt von Keith Collins in Atlas, Quelle der Daten: Bureau of Labor Statistics

Neben den in den USA teilweise horrenden Studiengebühren müssen Studierende oftmals noch Kosten für zahlreiches Lehrmaterial übernehmen. Allein in den vergangenen zehn Jahren stiegen die Kosten für Lehrbücher um 88 % an (Kosten für Studiengebühren um 63 % und für die Unterkunft um 50 %) – seit 1978 sind die Kosten von Unterrichtsmaterialen sogar um 812 % gestiegen. In den USA gibt einE StudentIn durchschnittlich 1.200 Dollar pro Jahr für Lehrmaterialien aus.

In zwei Bundesstaaten in den Vereinigten Staaten von Amerika möchte man nun mit einem neuen Weg eine Entlastung für Studierende ermöglichen: Durch die Einführung von Open-Source-Lehrbücher.

Das University System of Maryland (ein Verbund staatliche Universitäten in dem Bundesland mit rund 130.000 Studierenden) fördert deshalb Fakultäten in sieben Community Colleges und fünf öffentlichen Vier-Jahres-Colleges, welche bis Herbst 2017 offene Bildungsressourcen nutzen, anpassen und skalieren. Durch Mini-Zuwendungen von 500 bis 2.500 Dollar werden die Fakultäten bzw. die einzelnen MitarbeiterInnen dazu angeregt – die Folgen für die Studierenden sind aber groß: Man erwartet, dass sich 8.000 Studierende allein im Herbstsemester 2017 1,3 Millionen Dollar ersparen.

Auch die Regierung des Bundesstaates New York hat nun ein Budget beschlossen, dass Vorteile für Studierende bietet: So sollen Studierende, deren Familien weniger als 125.000 Dollar verdienen, keine Studiengebühren mehr bezahlen müssen – zudem werden aber auch 8 Millionen Dollar in Open-Source-Unterrichtsmaterialen für das kommende Fiskaljahr eingeplant. Durch diese Investitionen sollen offene Bildungsressourcen für die beiden Hochschulverbunde SUNY (State University of New York mit rund 450.000 Studierenden) und CUNY (City University of New York mit rund 480.000 Studierenden) ermöglichen.

Dieser Trend scheint sich auch weiter fortzusetzen: Einige andere Staaten überlegen ebenso Investitionen in Open-Source-Materialien. Eine Vorreiterin in diesem Feld war das Massachusetts Institute of Technology, welche bereits 2001 begann, ihre Kursmaterialen der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung zu stellen und sie mit Creative Commons zu lizenzieren.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, 2509chris, Pixabay

#96 Städte kämpfen gegen „visuelle Verschmutzung“

(Außen-)Werbung ist in der heutigen Zeit allgegenwärtig: Kann man da als Großstadt eigentlich dagegensteuern? Einige Städte wie Grenoble oder São Paulo haben den Versuch gewagt.

(Außen-)Werbung ist in der heutigen Zeit allgegenwärtig: Kann man da als Großstadt eigentlich dagegensteuern? Einige Städte wie Grenoble oder Sao Paulo haben den Versuch gewagt.

Grenoble: Umgesetztes Wahlversprechen

Die kleine französische Stadt Grenoble (rund 160.000 Einwohner und rund 18 km² Fläche) im Südosten des Landes hat den Marketingabteilungen im ganzen Land große Angst gemacht. Denn seit 2015 verschwinden immer mehr Werbeplätze im ganzen Stadtgebiet und werden durch Bäume oder einfach eine freie Fläche ersetzt. Aber wer macht sowas? Ausgangspunkt war ein Wahlversprechen des später auch gewählten und noch amtierenden Bürgermeisters Éric Piolle, einem Kandidaten der „Europe Écologie Les Verts“, also den damals erst kürzlich neugegründeten Grünen Frankreichs.

Die 326 Werbeflächen wurden deshalb bereits Anfang 2015 abgebaut. Einzig die Werbeflächen in Öffi-Haltestellen sind geblieben – doch auch sie sollen, nach Ablauf des laufenden Vertrages, im Jahr 2019 verschwinden. Durch die Nichtverlängerung der Verträge im Jahr verliert die Stadt rund 600.000 Euro pro Jahr – für Piolle kein Grund für einen Rückzug von seinem Wahlversprechen.

São Paulo: Verbot aufgrund „visueller Verschmutzung“

Mit rund 12 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 1.523 km² spielt São Paulo natürlich in einer etwas anderen Liga: Also nach dem Jahrtausendwechsel in Brasilien die Werbung exponentiell anstieg, versank São Paulo unter einem „smog of signage“. Nachdem eine Regulierung nicht gelang, trat 2007 durch Bürgermeister Gilberto Kassab das „Clean City Law“ in Kraft. Außenwerbung wurde dabei als Form von „visual pollution“, also visuelle Verschmutzung eingestuft. Innerhalb eines einzigen Jahres verschwanden 15.000 Werbetafeln und 300.000 überdimensionierten Fassadenschildern.

Fünf Jahre nach dem Verbot wurde Werbung unter starker Kontrolle wieder langsam zugelassen. Die Werbung wurde dabei aber gezielter in die Infrastruktur eingebunden, riesige Werbetafeln gibt es weiterhin nicht. An manchen Bushaltestellen gibt es interaktive Panels, mit denen man z.B. auf Google etwas suchen oder die Wettervorschau ansehen kann.

New York: Kunst statt Werbung (zumindest in einer App)

In Zusammenarbeit mehrerer Projektgruppen entstand die App „NO AD: NYC“. Durch Augmented Reality zeigte der Bildschirm das Smartphones oder Tablets nicht die gewöhnlichen Werbungen in der New Yorker U-Bahn an – sondern tauschte sie durch Kunst aus.

In den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es aber wirklich vier Bundesstaaten, welche sogenannte „Billboards“, also große Werbetafeln verbieten: Vermont, Hawaii, Maine und Alaska

Aber warum das Ganze?

Man kann zu Werbung stehen, wie man will (siehe meinen Absatz „Transparenz“ am Ende des Beitrages). Die Sache mit Außenwerbung, dem sogenannten „Out of home advertising“ (OOH) muss man sich aber trotzdem genauer ansehen:

While in other media we can, to some extent, choose to consume ads, out of home advertising (OOH) has melded itself inextricably into our environment. (Arwa Mahdawi, theguardian.com)

So wirkt Out of Home-Werbung durch die massive Dauerpräsenz und ihrer Unausweichlichkeit viel stärker als z.B. Print- oder TV-Werbung. Und in Wahrheit lenken sie nicht mehr vom Stadtbild ab, sie sind heutzutage ganz einfach Teil des Stadtbilds. Das beschreibt auch, wie TheGuardian schön zitiert, auch die Marketingfirma Clear Channel Outdoor, die OOH-Werbung wie folgt bewirbt: „When brands advertise on our street structures, they become part of the public social space, entering people’s thoughts and conversations.“

Transparenz: Ich bin mir natürlich bewusst, dass hier für LeserInnen manchmal Werbung angezeigt wird. Ich selbst kann das nicht steuern und verdiene auch nichts daran, sondern WordPress.com – dafür ermöglicht mir WordPress.com, dieses Projekt kostenlos umzusetzen. Sollte die Werbung hier zu stark nerven, empfehle ich einen Ad-Blocker. Würden sich Beschwerden häufen, würde ich auch einen Umzug auf einen eigenen Server in Betracht ziehen – dort wär 365guteDinge dann definitiv ohne Werbung, wie auch auf meinen anderen Websites.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, Unsplash, Pixabay