#166 Größtes Radverleihsystem der Welt in der chinesischen Stadt Hangzhou

Innerhalb nur weniger Jahre ist in der chinesischen Stadt Hangzhou das größte Radverleihsystem der Welt entstanden: gab es 2008 noch 2.800 Leihräder, sind es 2017 rund 85.000 davon.

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Die chinesische Stadt Hangzhou zählt mit rund 8,8 Millionen Bewohnern so viele Einwohner wie Österreich, ist flächenmäßig aber nur ein Fünftel von Österreich. Bekannt auf der ganzen Welt wurde es u.a. aufgrund des G20-Treffens im Jahr 2016.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Stadt massiv weiterentwickelt – vor allem hinsichtlich des öffentlichen Verkehrs. Seit 2007 befindet sich die U-Bahn in Bau. Die ersten 48 Kilometer wurden bereits 2012 eröffnet, bis 2050 sollen es insgesamt 375 Kilometer werden. Außerdem gibt es seit 2010 eine Schnellzugverbindung von Shanghai nach Hangzhou. Und auch das Radverleihsystem hat sich massiv weiterentwickelt: Gab es 2008 noch 2.800 Fahrräder, so hat sich die Zahl bis 2017 auf 85.000 erhöht und ist nun das größte Radverleihsystem der Welt.

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Die Fahrradabstellplätze in Hangzhou (Bildquelle: CC BY SA 2.0, „rental bicycles, Hangzhou“, vhines2000)

Die Stadtregierung spricht von 350.000 Ausleihen pro Tag. Die erste Stunde des Ausleihs ist, wie z.B. auch beim Citybike in Wien, völlig kostenlos. 95 Prozent der Fahrten dauern weniger als 60 Minuten. Seit dem Start im Jahr 2008 gab es rund 700 Millionen Nutzungen, aktuell sind es allein 115 Millionen Nutzungen pro Jahr. Insgesamt gibt es 3.600 Ausleih- und Abstellplätze. Die Kosten für die Anschaffung der Fahrräder, der Abstellplätze und des Kontrollsystems wurden allesamt von der Stadt übernommen – durch den Verkauf von Werbeplätzen bei den Abstellplätzen und den Fahrrädern selbst und die 5 Prozent NutzerInnen, die die Fahrräder länger als 60 Minuten nützen, wird das Projekt finanziert.

Der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder ist für die Stadt wichtig: Zwar wird Hangzhou als eine der schönsten Städte Chinas bezeichnet – doch 2013 zählte man 239 Tage mit starkem Smog (das war aber im Vergleich ein Extremwert), 2014 immer noch 154 Tage. Um bei dem G20-Treffen im Jahr 2016 vor Smog geschützt zu werden, wurden sogar die Firmen abgestellt – weil das aber nicht immer möglich sein wird, ist diese neue Ausrichtung für öffentlichen Verkehr ein wichtiger Schritt um Veränderung herbeizuführen.

2017 wurde das System nun mit dem „International Ashden Award for Sustainable Travel“ ausgezeichnet.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC BY NC 2.0, Design for Health, „Hangzhou, China 024“, Flickr

#152 Alternativen zum Auto in Zürich immer beliebter

War für 40 Prozent der Befragten im Jahr 2000 noch das eigene Auto das Hauptverkehrsmittel Nr. 1, so landete es im Jahr 2015 nur mehr auf dem dritten Platz. Die Nutzung des Fahrrads hat sich hingegen innerhalb von 5 Jahren verdoppelt.

Seit dem Jahr 2000 ist der Anteil von motorisiertem Individualverkehr von 40 % auf 25 % zurückgegangen, die Nutzung des Fahrrads hingegen allein in einem halben Jahrzehnt von 4 % auf 8 % angewachsen. Und das, nachdem die wahlberechtigten BürgerInnen von Zürich die Regierung dazu verpflichtet haben, den Individualverkehr um 10 Prozentpunkte zu setzen. Wurde das zuvor noch als „völlig unrealistisch“ bezeichnet, hat man nun zur Halbzeit bereits die Hälfte erreicht. Bis 2021 sollte es dann auf 20 Prozent zurückgegangen sei.

Anteil der Hauptverkehrsmittel in Prozent

(Die Grafik findet man im Original auf tagesanzeiger.ch)
Quelle: Tiefbau- und Entsorgungsdepartement | Daten

VerkehrZürich.png
Zur interaktiven Grafik hier entlang

Das Fahrrad ist aber trotz des deutlichen Zuwachses nur auf Platz 4 von 4. Beim Mikrozensus 2015 gaben die Befragten an, dass 41 % öffentliche Verkehrsmittel als Hauptverkehrsmittel nutzen, 26 % gehen zu Fuß und 25 % wählen das eigene Auto.

Nun wird die Forderung vorgebracht, mehr in das „Velonetz“, also die Strecken mit Fahrradspur(en) zu investieren um diesen Wandel bei der Wahl der Hauptverkehrsmittel voranzutreiben.

Filippo Leutenegger, der zuständige Stadtrat ist zuversichtlich, bis 2021 das Ziel zu erreichen. Es gebe bereits zahlreiche Maßnahmen, die schon umgesetzt, im Bau oder in Planung sind – diese würden schon im Mikrozensus 2020 bemerkbar sein.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, kurtdeiner, Pixabay

#150 Mit listnride Fahrräder verleihen und selber ausleihen

Mit listnride haben zwei Gründer ein Airbnb für Fahrräder gestartet: Dabei kann man von Privatpersonen, Herstellern und Bike-Shops direkt verschiedenste Arten von Fahrrädern ausleihen.

Fahrradverleihe sind nichts Neues und auch BikeSharing wie z.B. das CityBike in Wien gibt es bereits. Doch „listnride“ möchte gerne etwas anderes sein – eine Art Airbnb, nur statt um Wohnungen soll es diesmal eben um Räder gehen.

Johannes Stuhler und Gert-Jan van Wijk haben sich im Studium kennengelernt, teilen die Leidenschaft des Radfahrens und haben deshalb ihre Idee einer Onlineplattform in die Realität umgesetzt. Nach München und Berlin sind sie nun auch bereits in Amsterdam und Wien aktiv. Grundsätzlich kann listnride aber überall funktionierten, wo sich nur genügend verleihende Menschen/Unternehmen finden.

Ob ein einfaches Stadtfahrrad, ein Mountainbike, ein E-Bike oder ein Lastenfahrrad – die Plattform bietet für jeden Geschmack des richtige Zweirad. Von den rund 1.500 gelisteten Rädern kommen übrigens 70 % von Bike-Shops oder den Herstellern selbst und 30 % werden von privaten VerleiherInnen angeboten.

Für die Hersteller und Bike-Shops ist es eine gute Möglichkeit, die neuesten Modelle herzuzeigen – für die KundInnen die Möglichkeit, ohne Kaufzwang ebendiese Modelle auszuprobieren und zu nutzen.

Wer sich fragt, was passiert, wenn das Rad beschädigt oder gestohlen wird: Dafür gibt es zwar keine Versicherung, aber eine Art Ausfallfond. Im Jahr 2017 wollen sie 10.000 Leihvorgänge erreichen – langfristig soll die Plattform europaweit angeboten werden.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, Pexels, Pixabay

 

 

#126 London: Hilfreicher Button für Menschen mit unsichtbaren Behinderungen

Ein „Please offer me a seat“-Button für die Öffis in London soll dabei helfen, dass Menschen mit unsichtbaren Behinderungen sich nicht zu erklären brauchen, um einen Platz angeboten zu bekommen.

Ende April startete „Transport of London“ (die Dachorganisation, die das Verkehrssystem in London organisiert) mit „Please offer me a seat“-Buttons: Ziel ist es, dass Menschen mit unsichtbaren Behinderungen damit einfacher einen Platz angeboten bekommen, ohne umständlich (und öffentlich) erklären zu müssen, warum sie einen Platz benötigen.

34257028316_43206a5cf5_o.jpgBereits vergangenen Herbst hatte diese Aktion einen Testlauf – damals erklärten 72 Prozent der TeilnehmerInnen, dass sich ihre Wege in den Öffis Londons durch den Button erleichterten.

James McNaught, ein Teilnehmer, ist begeistert:

“This is a brilliant scheme and I am very glad that it is being introduced by the Mayor. The anxiousness of needing a seat but being unsure whether you will get one can rob people of the confidence to use public transport, and this simple initiative will make a huge difference to the lives of many people.” (positive.news)

In London stehen sie offenbar auf Buttons: So gibt es schon einen „Baby on board!“-Button für Schwangere, McNaught, ein Krebspatient, hat im März 2016 schließlich auch einen „Cancer on board“-Button ausgegeben.

Auch der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan ist überzeugt, dass die Buttons gut ankommen und angenommen werden:

“These blue badges will make a real difference to passengers who need a seat but just haven’t felt confident enough to ask for one,” said Sadiq Khan, mayor of London. “I’ve no doubt they’ll soon become as recognisable across the capital as our popular ‘Baby on Board’ badges.” (positive.news)


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: © Transport for London, Flickr, Titelbild, Bild 1

#96 Städte kämpfen gegen „visuelle Verschmutzung“

(Außen-)Werbung ist in der heutigen Zeit allgegenwärtig: Kann man da als Großstadt eigentlich dagegensteuern? Einige Städte wie Grenoble oder São Paulo haben den Versuch gewagt.

(Außen-)Werbung ist in der heutigen Zeit allgegenwärtig: Kann man da als Großstadt eigentlich dagegensteuern? Einige Städte wie Grenoble oder Sao Paulo haben den Versuch gewagt.

Grenoble: Umgesetztes Wahlversprechen

Die kleine französische Stadt Grenoble (rund 160.000 Einwohner und rund 18 km² Fläche) im Südosten des Landes hat den Marketingabteilungen im ganzen Land große Angst gemacht. Denn seit 2015 verschwinden immer mehr Werbeplätze im ganzen Stadtgebiet und werden durch Bäume oder einfach eine freie Fläche ersetzt. Aber wer macht sowas? Ausgangspunkt war ein Wahlversprechen des später auch gewählten und noch amtierenden Bürgermeisters Éric Piolle, einem Kandidaten der „Europe Écologie Les Verts“, also den damals erst kürzlich neugegründeten Grünen Frankreichs.

Die 326 Werbeflächen wurden deshalb bereits Anfang 2015 abgebaut. Einzig die Werbeflächen in Öffi-Haltestellen sind geblieben – doch auch sie sollen, nach Ablauf des laufenden Vertrages, im Jahr 2019 verschwinden. Durch die Nichtverlängerung der Verträge im Jahr verliert die Stadt rund 600.000 Euro pro Jahr – für Piolle kein Grund für einen Rückzug von seinem Wahlversprechen.

São Paulo: Verbot aufgrund „visueller Verschmutzung“

Mit rund 12 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 1.523 km² spielt São Paulo natürlich in einer etwas anderen Liga: Also nach dem Jahrtausendwechsel in Brasilien die Werbung exponentiell anstieg, versank São Paulo unter einem „smog of signage“. Nachdem eine Regulierung nicht gelang, trat 2007 durch Bürgermeister Gilberto Kassab das „Clean City Law“ in Kraft. Außenwerbung wurde dabei als Form von „visual pollution“, also visuelle Verschmutzung eingestuft. Innerhalb eines einzigen Jahres verschwanden 15.000 Werbetafeln und 300.000 überdimensionierten Fassadenschildern.

Fünf Jahre nach dem Verbot wurde Werbung unter starker Kontrolle wieder langsam zugelassen. Die Werbung wurde dabei aber gezielter in die Infrastruktur eingebunden, riesige Werbetafeln gibt es weiterhin nicht. An manchen Bushaltestellen gibt es interaktive Panels, mit denen man z.B. auf Google etwas suchen oder die Wettervorschau ansehen kann.

New York: Kunst statt Werbung (zumindest in einer App)

In Zusammenarbeit mehrerer Projektgruppen entstand die App „NO AD: NYC“. Durch Augmented Reality zeigte der Bildschirm das Smartphones oder Tablets nicht die gewöhnlichen Werbungen in der New Yorker U-Bahn an – sondern tauschte sie durch Kunst aus.

In den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es aber wirklich vier Bundesstaaten, welche sogenannte „Billboards“, also große Werbetafeln verbieten: Vermont, Hawaii, Maine und Alaska

Aber warum das Ganze?

Man kann zu Werbung stehen, wie man will (siehe meinen Absatz „Transparenz“ am Ende des Beitrages). Die Sache mit Außenwerbung, dem sogenannten „Out of home advertising“ (OOH) muss man sich aber trotzdem genauer ansehen:

While in other media we can, to some extent, choose to consume ads, out of home advertising (OOH) has melded itself inextricably into our environment. (Arwa Mahdawi, theguardian.com)

So wirkt Out of Home-Werbung durch die massive Dauerpräsenz und ihrer Unausweichlichkeit viel stärker als z.B. Print- oder TV-Werbung. Und in Wahrheit lenken sie nicht mehr vom Stadtbild ab, sie sind heutzutage ganz einfach Teil des Stadtbilds. Das beschreibt auch, wie TheGuardian schön zitiert, auch die Marketingfirma Clear Channel Outdoor, die OOH-Werbung wie folgt bewirbt: „When brands advertise on our street structures, they become part of the public social space, entering people’s thoughts and conversations.“

Transparenz: Ich bin mir natürlich bewusst, dass hier für LeserInnen manchmal Werbung angezeigt wird. Ich selbst kann das nicht steuern und verdiene auch nichts daran, sondern WordPress.com – dafür ermöglicht mir WordPress.com, dieses Projekt kostenlos umzusetzen. Sollte die Werbung hier zu stark nerven, empfehle ich einen Ad-Blocker. Würden sich Beschwerden häufen, würde ich auch einen Umzug auf einen eigenen Server in Betracht ziehen – dort wär 365guteDinge dann definitiv ohne Werbung, wie auch auf meinen anderen Websites.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, Unsplash, Pixabay

#27 Wien zählt erneut mehr Öffi-Jahreskarten als PKWs, Fahrradnutzung steigt ebenfalls

2015 zählte Wien erstmals mehr Jahreskarten-BesitzerInnen als angemeldete PKWs. 2016 wuchs dieser Abstand weiter an.

Die Bewohner der österreichischen Bundeshauptstadt zeigt sich in Sachen Mobilität sehr modern: Gab es im Jahr 2006 noch doppelt so viele angemeldete PKWs wie Öffi-Jahreskarten, so hat sich das in den vergangenen zehn Jahren deutlich verändert, wie eine Grafik des VCÖ (einer NGO zum Thema Mobilität) aufzeigt:

Zwar wuchs die Anzahl der angemeldeten PKWs an – doch nur in kleinem Ausmaß. Wenn man bedenkt, dass Wien 2008 1,67 Millionen Einwohner und 2016 bereits 1,84 Millionen zählte, hätte man hier auch einen weitaus größeren Zuwachs sehen können. Preislich war die Jahreskarte bereits 2007 mit 449 Euro für 961 Kilometer Öffi-Netz recht günstig, den deutlichsten Anstieg an JahreskartenbesitzerInnen gab es aber 2012, als im Mai der Preis auf 365 Euro gesenkt wurde. 2015 gab es dann erstmals mehr JahreskartenbesitzerInnen als PKWs, und auch 2016 ist die Tendenz weiter steigend.

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Der massive Zuwachs ist nur deshalb, weil hier nicht 2015 und 2016 verglichen werden, sondern 2010 und 2016.

Und auch hinsichtlich das Radfahrens kann Wien mit positiven Zahlen aufwarten: Die Stadt Wien hat an verschiedenen Orten automatische Zählstellen für den Radverkehr installiert – um so die Frequentierung messen zu können. Dabei gab es an fünf von zehn Zählstellen Veränderungen im zweistelligen Prozentbereich und nur zwei Stellen, die mit -1,9 % und-1,8 % einen negativen Wert aufführen.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, domeckopol, Pixabay