#363 Wadi – Ein UV-Messgerät für die Wiederaufbereitung von Trinkwasser

Das österreichische Start-up Helioz hat ein UV-Messgerät entwickelt, um sicherzustellen, dass wiederaufbereitetes Trinkwasser frei von schädlichen Bakterien und Protozoen (Mikrolebewesen) ist.

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Das österreichische Start-up Helioz hat ein UV-Messgerät entwickelt, um sicherzustellen, dass wiederaufbereitetes Trinkwasser frei von schädlichen Bakterien und Protozoen (Mikrolebewesen) ist. Es wird bereits tausendfach in Ländern eingesetzt – 2016 wurde Wadi es als eines von acht Verfahren von der Weltgesundheitsorganisation WHO als zuverlässig bestätigt.

Der Vorgang funktioniert nur mit der Sonne: Dabei legt man Wasser in durchsichtigen Plastikflaschen in die pralle Sonne. Die UV-Strahlung desinfiziert dabei mittels UV-Strahlung das kontaminierte Wasser. Wadi zeigt dann an, wenn es ungefährlich ist, das Wasser zu trinken. Ein Vorteil des Geräts ist es, dass es keine Batterien braucht und dadurch jahrelang eingesetzt werden kann.

Bereits 2016 waren es 10.000 Geräte weltweit: in Ländern wie den Philippinen, Kenia, Uganda, Äthiopien, Ghana, Mali und Indien.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: von der Helioz-Website

#313 Neuartige Gentherapie heilt Schmetterlingskrankheit

In einer Zusammenarbeit zwischen ForscherInnen aus Österreich, Deutschland und Italien ist es gelungen, einen damals siebenjährigen Jungen von der seltenen Schmetterlingskrankheit innerhalb von zwei Jahren zu heilen. Bislang gab es für die Erbrankheit Epidermolysus bullosa) keinerlei Heilung. 

In einer Zusammenarbeit zwischen ForscherInnen aus Österreich, Deutschland und Italien ist es gelungen, einen damals siebenjährigen Jungen von der seltenen Schmetterlingskrankheit innerhalb von zwei Jahren zu heilen. Bislang gab es für die Erbrankheit Epidermolysus bullosa) keinerlei Heilung.

2015 kam der Bub in die Bochumer Kinderklinik. Durch den Fortschrit der Krankheit waren bereits 60 Prozent seiner gesamten Hautoberfläche zerstört. Nachdem übliche Behandlungen nicht mehr wirkten, sahen sich die ÄrztInnen auf Wunsch der Eltern nach experimentellen Therapiemöglichkeiten um.

Die Methode wurde unter anderem von ForscherInnen am Salzburger EB-Haus (einem Expiertseszentrum für diese Krankheit) entwickelt. Dabei wurde ein genmodifiziertes Hautgewebe in Italien herangezüchtet und in Deutschland transplantiert. 80 Prozent der gesamten Körperhaut des Kindes wurden dabei ersetzt. Der Klinikaufenthalt dauerte acht Monate an – doch es hat sich ausgezahlt.

Heute führt er ein normales Leben – Verletzungen an der neuen Haut heilen nun so wie bei jedem gesunden Kind. Er ist weltweit der erste Mensch, der so behandelt wurde. Nun muss der weitere Verlauf beobachtet werden.


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Bildquelle: CC0 Public DomainulleoPixabay

#305 Weltweiter Kampf gegen Hepatitis zeigt Erfolge

in den vergangenen zwei Jahren haben auf der ganzen Welt rund 3 Millionen Menschen Zugang zu Medikamenten gegen Hepatitis C bekommen, weitere 2,8 Millionen Menschen wurden 2016 gegen Hepatitis B behandelt. Ziel ist es immer noch, bis 2030 die Viruserkrankung weitestgehend zu eliminieren.

Die Weltgesundheitsorganisation (kurz: WHO) verkündete anlässlich des Welt-Hepatitis-Gipfels in São Paulo aktuelle Zahlen: in den vergangenen zwei Jahren haben auf der ganzen Welt rund 3 Millionen Menschen Zugang zu Medikamenten gegen Hepatitis C bekommen, weitere 2,8 Millionen Menschen wurden 2016 gegen Hepatitis B behandelt. Ziel ist es immer noch, bis 2030 die Viruserkrankung weitestgehend zu eliminieren.

Der für Hepatitis C verantwortliche Virus ist nur wenige Nanometer groß. Er greift die Leberzellen an und diese geschwächten Zellen werden in weiterer Folge zusätzlich vom Immunsystem angegriffen. Die Zellen gehen kaputt und im schlimmsten Fall kann die Leber versagen – und mit ihr noch weitere Organe. Mit dem 2013 zugelassenen Medikament „Sofosbuvir“ heilt 90 bis 95 Prozent der Erkrankten – kostet aber z.B. in den USA 1.000 Dollar pro Tablette. Weltweit sind ca. 170 Millionen Menschen mit dem Hepatitis C-Virus infiziert, 350.000 sterben jährlich an den Folgen. Die Schätzungen von Erkrankungen in Deutschland liegen bei 300.000, in Österreich und der Schweiz je bei 40.000.

An allen Formen von Hepatitis (virale Hepatitis und Hepatitis A, B, C, D und E) sind weltweit rund 325 Millionen erkrankt, 1,3 Millionen sterben. Charles Gore, Präsident der Welt-Hepatitis-Allianz fordert deshalb deutlich stärkere finanzielle Anstrengungen der Länder.


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Bildquelle: CC0 Public DomainjrvalverdePixabay

#295 Anbaufläche für Bio-Landwirtschaft wächst in Deutschland deutlich

1,25 Millionen Hektar Felder wurden 2016 in Deutschland dazu genutzt, ökologische Landwirtschaft zu betreiben – dahinter stehen 27.132 Bio-Bauernhöfe. Das ist ein Anstieg um 15 Prozent zum Jahr zuvor.

1,25 Millionen Hektar Felder wurden 2016 in Deutschland dazu genutzt, ökologische Landwirtschaft zu betreiben – dahinter stehen 27.132 Bio-Bauernhöfe. Das ist ein Anstieg um 15 Prozent zum Jahr zuvor. Im Jahr 2007 waren es noch 18.703 Bio-Unternehmen. Die Anbaufläche hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren mehr als verdreifacht – 7,5 Prozent (Quelle: positive.news; 7,1 Prozent auf statista.de) aller Felder in Deutschland werden bereits für die ökologische Landwirtschaft genutzt.

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BMEL, & BÖLW. (n.d.). Anteil der Anbaufläche im ökologischen Landbau an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland in den Jahren 1996 bis 2016. In Statista – Das Statistik-Portal. Zugriff am 22. Oktober 2017.

Auch wenn die ökologische Landwirtschaft, gemessen am Gesamtvolumen, noch immer ein Nischendasein fristet, zeigen die Zahlen, dass es sich um einen boomenden Bereich handelt. Das zeigt auch der Anteil der Bio-Betriebe an der Gesamtheit aller Agrarbetriebe: Waren es 1995 noch 1,1 Prozent, so sind waren es zwanzig Jahre später bereits 8,7 Prozent.

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BMEL. (n.d.). Anteil der Betriebe im ökologischen Landbau an allen Agrarbetrieben in Deutschland in den Jahren 1995 bis 2015. In Statista – Das Statistik-Portal. Zugriff am 22. Oktober 2017.

In Österreich sind übrigens bereits rund ein Fünftel aller landwirtschaftlichen Betriebe Bio-Betriebe, wie die nachfolgende Grafik zeigt:

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Bio Austria. (n.d.). Anteil der Bio-Betriebe an allen landwirtschaftlichen Betrieben in Österreich in den Jahren 2013 bis 2016. In Statista – Das Statistik-Portal. Zugriff am 22. Oktober 2017.

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Bildquelle: CC0 Public Domain, AnneERPixabay

#290 Kältebusse für Menschen ohne Obdach

Die Wintermonate sind für obdachlose Menschen die schwierigste Zeit im ganzen Jahr. Glücklicherweise gibt es Kältebusse in Deutschland und Österreich, die sich um diese Menschen umschauen. enorm Magazin hat die Kontaktdaten für deutsche Städte gesammelt, hier gibt es dafür die Kontaktdaten für österreichische Städte.

Die Tage werden kürzer und zugleich auch immer kälter. Für viele Menschen auf der Straße beginnen damit die schwierigsten Monate des ganzen Jahres. Rund 335.000 Menschen (Zahlen von 2016) in Deutschland und rund 37.000 Menschen (Zahlen von 2006) in Österreich gelten als obdachlos – für die Schweiz konnten keine gesicherten Zahlen gefunden werden.

Damit diese Menschen die erbarmungslosen Witterungsverhältnisse ertragbarer werden, gibt es die Einrichtung der Kältebusse. Diese leisten niederschwellige Akuthilfe. Diese bieten zum Teil warmes Essen und Getränke an, und im Rahmen der Möglichkeiten auch Schlafsäcke, -plätze und Decken.

Deutschland

enorm Magazin hat hier die Telefonnummern der Kältebusse in den Städten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart zusammengetragen.

Österreich

In Österreich gibt es dieses Angebot in der klassischen Form bislang nur in Wien, in anderen Großstädten gibt es aber auch andere Angebote (Speisen, Getränke oder kostenlose medizinische Versorgung).

Wien

Caritas-Kältetelefon
Telefon: 01/480 45 43
E-Mail: kaeltetelefon@caritas-wien.at

Canisibus – Suppenbus

Louise-Bus – Medizinbus
Montag bis Freitag an verschiedenen Orten in Wien, alle Zeiten online

Linz

Help-Mobil – Mobile Basisversorgung
Telefon: 0676 877 623 42
E-Mail: help.mobil@caritas-linz.at

am Montag
von 17 – 18:45 Uhr am Domplatz, Eingang Herrenstraße
von 19 – 20:45 Uhr am Volksgarten (gegenüber Arbeiterkammer)

am Freitag
von 17 – 18:45 Uhr am Domplatz, Eingang Herrenstraße
von 19 – 20:45 Uhr bei der Martin-Luther-Kirche, Martin-Luther-Platz 1

Salzburg

Virgilbus – Medizinische Versorgung für Obdachlose
Nicht direkt ein Kältebus – aber die Möglichkeit für Obdachlose niederschwellige medizinische Beratung anzubieten
jeden Sonntag in Quartiren und auf Plätzen, welche von Obdachlosen und BettlerInnen häufig frequentiert werden

VinziBus – Hier werden (das ganze Jahr über) täglich belegte Brote und Tee ausgegeben.

Graz

VinziBus – Hier werden (seit 1991) täglich an drei verschiedenen Ausgabestellen belegte Brote und Tee ausgegeben. Um 20 Uhr im Augarten, um 20.30 am Jakominiplatz und um 21 Uhr am Hauptbahnhof.

Marienambulanz – rollende Ambulanz
Mariengasse 24
Eingang Kleiststraße 73
8020 Graz
Telefonnummer: 0316/8015-351
E-Mail: marienambulanz@caritas-steiermark.at

Klagenfurt

Vinzibus – Wie in Graz kein wirklicher Kältebus, aber auch hier täglich Ausgabe von belegten Broten und Tee

Innsbruck

medcar(e) – soziale und medizinische Basisversorgung

Öffnungszeiten:
Ordination Südbahnstraße 1, 6020 Innsbruck: 
MO 15:45 Uhr – 18:00 Uhr
MI 9:00 Uhr – 10:00 Uhr anschließend Teestube, Kapuzinergasse 43, 6020 Innsbruck

Medcare Bus (mobil Innsbruck Innenstadt):
FR ab 17:00 Uhr

Vinzibus Innsbruck

Info: Sobald Informationen und Kontaktmöglichkeiten zu weiteren mobilen Einrichtungen für obdachlose Menschen auftauchen, wird diese Liste natürlich erweitert. Vielen Dank an Caritas-Chef Michael Landau für die rasche Antwort auf meine Tweetanfrage!


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, josemdelaaPixabay

 

#286 Segel- statt Containerschiff: Fair gehandelter Kaffee soll emissionsfrei nach Europa kommen

Alles kommt irgendwann wieder: Was in der Mode für die eine oder andere Überraschung sorgt, soll nun auch im globalen Warentransport Einkehr finden. Zwei Österreicher wollen fair gehandelten Kaffee aus Lateinamerika mit einem richtig alten Segelschiff nach Europa bringen – angetrieben nur vom Wind.

Alles kommt irgendwann wieder: Was in der Mode für die eine oder andere Überraschung sorgt, soll sich nun auch im globalen Warentransport Einkehr finden. Zwei Österreicher wollen fair gehandelten Kaffee aus Lateinamerika mit einem richtig alten Segelschiff nach Europa bringen – angetrieben nur vom Wind.

Der weltweite Handel mit Containerschiffen

Der weltweite Handel wird mit rund 40.000 Containerschiffen (umweltbundesamt.de) betrieben. Während man am Festland den Schadstoffausstoß von Fahrzeugen beschränken will, fahren die Containerschiffe mit Schweröl, das sehr hohe Schwefel- und Schwermetallanteile beinhaltet. Bei Containerschiffen darf der Schwefelgehalt im Schiffstreibstoff maximal 3,5 Prozent betragen. Was nach wenig klingt, ist in Wahrheit extrem hoch: Es ist 3.500 Mal so viel wie in LKW-Diesel. Saubere Alternativen (also „saubere“ Treibstoffe gäbe es, und sie würden damit auch den Preis für Produkte nur um wenige Cents ansteigen lassen). Laut Schätzungen sterben in Europe 50.000 Menschen an der Luftverschmutzung durch den Ausstoß von Containerschiffen.

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Oscar und Daniel Kravina, beide Ende der 60er in Tarvis, Italien geboren, haben sich einen über 100 Jahre alten Frachtsegler gekauft, der aktuell in der Werft in Trapani, Sizilien restauriert wird. „Brigantes“, so der Name des Schiffes, soll ab Ende 2018 zwischen dem Mittelmeer und Lateinamerika verkehren. Auf dem 30 Meter langen Zweimaster sollen 160 Tonnen Waren geladen werden können. Es sollen vor allem fair gehandelter Kaffee und Kakao auf diesem Weg transportiert werden.

Dafür haben sie das Unternehmen das Unternehmen „Sail-powered Shipping GmbH“ gegründet und ist Mitglied der Sail Cargo Alliance. Finanziert werden soll das Projekt vorerst durch Spenden und Crowd-Investing: 800 von ingesamt 1.600 Firmenanteilen können zu jeweils 1.000 Euro gekauft werden. Auch hier bezieht man sich auf ein traditionelles Finanzierungsmodell in der Schifffahrt: Seit 2007 in Österreich und 2013 in Deutschland dürfen eigentlich keine neuen Reedereien errichtet werden – es bleibt also spannend, ob dies als „Crowd-Investing“ schließlich doch möglich sein wird.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: Alle Bilder sind von der Website Brigantes.eu

#279 PocketDefi: Ein Defibrillator zum Mitnehmen

Ein Grazer Startup hat den kleinsten und handlichsten Defibrillator entwickelt. Vor wenigen Tagen startete man eine Crowdfundingkampagne – und konnte das erste Fundingziel bereits nach 48 Stunden erreichen.

Der Einsatz von Defibrillatoren kann die Überlebenchance nach einem Herzstillstand deutlich erhöhen – deshalb sollte man stets wissen, wo man einen findet (bzw. wo man online nachschauen muss:  für Österreich 144.at/defi, für Deutschland defikataster.de und für die Schweiz: herzsicher.ch). Das Grazer Start-up Liimtec hat sich aber zum Ziel gesetzt, den Defibrillator weiterzuentwickeln: Der PocketDefi ist nur 400 Gramm schwer und laut seinen EntwicklerInnen der kleinste Defibrillator der Welt. Seit wenigen Tagen ist nun die Crowdfunding-Kampagne am Laufen – mit vollem Erfolg: nach gerade einmal zwei Tagen wurden bereits 120.000 Euro finanziert – die erste 75 Geräte waren sogar innerhalb von 10 Minuten verkauft.

Natürlich gibt es bei einem solchen lebensrettenden Gerät große Auflagen – das Gerät soll für Österreich, Deutschland und die Schweiz angeboten werden und soll natürlich alle notwendigen Zertifizierungen und Zulassungen vorweisen können. Sollte die Kampagne so gut weiterlaufen (und im kommenden Monat zumindest 250.000 Euro erreicht werden, soll es weitere Sprachpakete für Frankreich, Spanien, die Niederlande und Italien geben – dem großen Launch in vielen europäischen Staaten sollte damit also nichts mehr im Weg stehen. (Im August erhielt das Startup zudem Investitionen in sechststelliger Höhe.)

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Für die KäuferInnen heißt es aber trotzdem warten: Die ersten Geräte sollen im Dezember 2018 ausgeliefert werden. Sofort nach dem Ende des Fundings wird mit der serienfähigen Produktion begonnen – doch aufgrund der strengen medizinrechtlichen Vorgaben kann die Zulassung nur auf Basis eines fertigen Produktes erfolgen. Das Gerät kostet 699 Euro – aktuell gibt es bei der Crowdfunding-Aktion noch einen 35-prozentigen Rabatt (der Preis sinkt dadurch auf 449 Euro). Im Vergleich zu größeren Geräten ist der Preis deutlich geringer.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: Bilder von der PocketDefi-Facebookseite

#273 Erstes interkontinentales Telefonat mit Quantenverschlüsselung geglückt

Am 29. September gelang das erste interkontinentale Quanten-Videotelefonat statt – Wissenschaftler aus Österreich und China vollführten ein vollkommen abhörsicheres Telefonat mit Verschlüsselung nach Quantenart.

Als Johann Philipp Reis 1861 sein „Telephon“ erstmals vorstellte, sprach er Sätze wie „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“ in das Mikrofon. 156 Jahre später, am 29. September 2017 war es der Satz „Professor Zeilinger, can you hear us?“, der einen neuen Fortschritt in der Geschichte der Telefonie, der Verschlüsselung und der physikalischen Übertragung markierte: Denn WissenschaftlerInnen aus China und Österreich gelang das erste interkontinentale Videotelefonat – „unter Verwendung der Verschlüsselungsmethoden der Quantenphysik.“ (derStandard.at)

Anton Zeilinger, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, beim ersten interkontinentalen Quanten-Videotelefonat mit einem Modell des Satelliten
Anton Zeilinger, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, beim ersten interkontinentalen Quanten-Videotelefonat mit einem Modell des Satelliten „Micius“. © ÖAW

Das Gespräch zwischen den beiden Präsidenten (Alfred Zeilinger ist der Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Chunli Bai der Präsident des chinesischen Pendants) war laut ihrer Aussage der erste Versuch – und wurde mutigerweise vor laufenden Kameras, bei großem Medieninteresse, live durchgeführt.

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Quo vaditis, Quanten?

Um die Technik dahinter zu verstehen, muss weit ausgeholt werden: In diesem kurzen Video erklärt Dr. Quantum, der animierte, aber auch sehr kluge Professor, die grundlegenden Gedankengänge bei der Arbeit mit Quantenmechanik.

In diesem Bereich wird auf der ganzen Welt geforscht: Auf der Quantenkonferenz im Juni 2017 erklärte Rainer Blatt, wissenschaftlicher Direktor am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) in Innsbruck/Österreich zum Thema Quantencomputer: „Wir sind im Moment auf dem Niveau eines Röhrencomputers“ (golem.de). Doch die Zeit der Quantencomputer wird kommen – und zum Teil den herkömmlichen Computer ersetzen. Ebenfalls untersucht werden Quantensensoren: Sie sind nur wenige Nanometer groß und können z.B: im Inneren eines einzelnen Stickstoffatoms sitzen. In etwas ferner Zukunft sollen solche Sensoren im Blut von PatientInnen unterwegs sein und dort Krankheiten im Frühstadium erkennen.

Unter Verschluss: Die Kommunikation nach Quantenart

Das chinesisch-österreichische Gespräch wäre nie zustande gekommen ohne dem Quantensatelliten Micius, der seit letztem Jahr in 600 Kilometer Höhe um die Erde fliegt.

Der Satellit sendete verschränkte Photonenpaare (Lichtteilchen) an die Bodenstationen in China und Österreich. Diese Teilchen haben eine zufällige Schwingungsrichtung (Polarisation) – das ist der sogenannte „erste Quantenschlüssel“ – der Sender und der Empfänger haben dieselbe Polarisation.

Und nachdem die Bodenstation in Graz (Österreich) den Schlüssel beim Satelliten hinterlegt hat, mussten die Chinesen dasselbe tun – daraus wurde der „zweite Quantenschlüssel“. Durch die beiden Schlüssel und einem kombinierten Schlüssel ist das Gespräch vollkommen abhörsicher.

Denn das ist das Besondere an der Technologie: Wenn jemand versucht, die Photonen abzufangen oder die Polarisation (den Quantenschlüssel) zu messen, verändert sich der Zustand der Teilchen und die Verbindung fliegt auf. Es kann also Angriffe auf diese Form der Kommunikation geben, aber es kann nichts abgehört werden.

Erst der Anfang

Obwohl die Theorie der Quantenmechanik bereits seit rund 90-100 Jahren die ForscherInnen beschäftigt, stehen die Ergebnisse erst am Beginn: Das abhörsichere Videotelefonat lief noch über das herkömmliche Internet – auch hier sollte in der Zukunft eine Quantenversion folgen.

Quantenphysiker Robert Ursin erklärte beim Experiment:  „dass es auf der Basis dieser Technologie in fünf bis sechs Jahren ein kommerziell nutzbares Quanten-Internet geben wird. Allerdings brauchen Sie dazu teure Geräte am Dach. Das hat nur Sinn, wenn bei Spionage großer wirtschaftlicher Schaden droht. Bücher bei Amazon brauchen Sie nicht im Quanten-Internet bestellen.“ (wienerzeitung.at)

Das Experiment hat aber eines gezeigt, wie Journalist Robert Czepel auf science.orf.at schreibt: „Die Verschlüsselung nach Quantenart ist in der interkontinentalen Kommunikation angekommen.“


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: Pressefotos der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Titelbild: © Johannes Handsteiner/ÖAW, restliche Bilder: © ÖAW