#176 2 Milliarden Plastiktaschen weniger in Deutschland

In Deutschland wanderten im Jahr 2016 3,6 Milliarden Plastiktaschen über die Ladentheke. In Minus von rund 2 Milliarden gegenüber dem Vorjahr

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Im Jahr 2015 verbrauchte der bzw. die Durschnittsdeutsche noch 68 Plastiktaschen pro Jahr. Ein Jahr später sind ist der Pro-Kopf-Verbrauch auf 45 Taschen pro Jahr gesunken. Laut aktuellen Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsforschung sank der Verbrauch von 5,6 Milliarden Taschen pro Jahr auf 3,6 Milliarden – ein Rückgang von einem Drittel.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Modeketten wie H&M oder C&A haben 2016 begonnen, Gebühren für die Einkaufstaschen zu verlangen – allein damit sank die Ausgabe von Taschen um 50 Prozent. Supermärkte wie Real, Penny, Lidl oder Rewe haben Plastiktaschen komplett aus ihren Geschäften verbannt. Insgesamt verlangen seit Juli 2016 über 350 Unternehmen Geld für jede ausgegebene Plastiktasche.

Eine Alternative, die Papiertaschen, sind zwar gut recyclebar, werden sie aber nur ein- oder zweimal genutzt, schneiden sie auch hier in der Ökobilanz schlecht ab. Ihr Herstellung verbraucht nämlich viel Wasser und Energie. (Wobei sie natürlich grundsätzlich viel ökologischer sind als ihre Plastikpendants.) Perfekt hingegen sind Stoffbeutel. Sie sind extra für eine häufige Nutzung ausgelegt und können einen über Monate oder gar Jahre hinweg begleiten.


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Bildquelle: CC0 Public Domain, geralt, Pixabay

#151 Recycling für CO2 aus der Luft

Das Schweizer Unternehmen Climeworks hat heute eine Anlage gestartet, welche CO2 aus der Luft saugt und weiterverwendet. Damit ist nun das erste kommerzielle Produkt dieser Art auf dem Markt.

Das Schweizer Startup-Unternehmern Climeworks fragt auf seiner Website: „What if we could remove CO2 directly form the air?“ Kohlen(stoff)dioxid ist eine chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff, ein natürlicher Bestandteil unserer Luft, und ein wichtiges Treibhausgas in der Erdatmosphäre. Der Anteil in der Erdatmosphäre ist aber durch den Menschen deutlich angestiegen, was den Treibhauseffekt verstärkte und die Ursache für die globale Erwärmung ist. Es wäre also toll, wenn Climeworks es wirklich könnte, oder?

In Hinwil (einer Gemeinde im Kanton Zürich) hat Climeworks heute (am 31. Mai 2017) eine Anlage gestartet, die pro Jahr bis zu 900 Tonnen CO2 aus der Umgebungsluft holen. Das „abgesaugte“ CO2 wird dann in ein nahegelegenes Gewächshaus eingeleitet, um dem Gemüse beim Wachsen zu helfen.

Auf NZZ.ch wird erklärt, wie die Anlage funktioniert:

„In jedem der achtzehn übereinandergetürmten Module befinden sich Ventilatoren, die Luft ansaugen. Diese strömt durch ein speziell behandeltes Filtermaterial auf Zellulose-Basis. Wie ein Schwamm nimmt der Filter CO2-Moleküle auf, bis er gesättigt ist. Um ihn wieder zu aktivieren, wird der Filter unter Vakuum gesetzt und auf 95 Grad erhitzt. Die nur lose anhaftenden CO2-Moleküle lösen sich von der Oberfläche und werden zwischengespeichert. Der nächste Zyklus kann beginnen.“ (nzz.ch)

In Zukunft sollen nicht nur Gewächshäuser vom CO2 profitieren, sondern auch die Getränkeindustrie. Bei der Herstellung von Mineralwasser (CO2 + H2O, also: H2 CO3) bezieht die Industrie das bisherige CO2 aus der chemischen Industrie. Außerdem haben die Gründer Christoph Gebald und Jan Wurzbacher vor, synthetische Kraftstoffe damit herzustellen – diese seien im Idealfall CO2-neutral. Aus diesem Grund kooperiert das Unternehmen bereits seit 2013 mit Audi.

Auch Bäume entziehen der Luft das Kohlendioxid. Wurzbacher erklärt aber, dass das Climeworks-Produkt viel, viel besser wirkt (aber natürlich nicht so schön aussieht).  :

“One CO2 collector has the same footprint as a tree,” says Wurzbacher. “It takes 50 tons of CO2 out of the air every year. A corresponding tree would take 50 kilograms of the air every year. It’s a factor of a thousand. So in order to achieve the same, you would need 1,000 times less area than you would require for plants growing.” (fastcompany.com)


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: Bild von der Climeworks-Website

#141 Hotel-Seife findet Wiederverwendung in Kambodscha

Samir Lakhani startete 2014 die Non-Profit-Organisation „Eco Soap Bank“: Gebrauchte Hotel-Seifen, die normalerweise im Müll landen, werden seither recycelt und Menschen in Kambodscha zur Verfügung gestellt, die sich die Hygieneartikel normalerweise nicht leisten können.

Zahlen von UNICEF besagen, dass einer von fünf Todesfällen von kambodschanischen Kindern im Alter von fünf Jahren und jünger auf Durchfallerkrankungen zurückzuführen sind. Gründe davor sind die schlechten Hygienepraktiken. Doch es ist nicht so einfach: Für viele Menschen in Kambodscha ist ein Stück Seife ein Luxusartikel, den sie sich nicht leisten können.

Aus diesem Grund hatte der US-Student Samir Lakhani im Jahr 2014 bei einem Aufenthalt in einem Hotel in Kambodscha eine Idee: Hotel-Seife, die kaum benutzt wurde, wird normalerweise in den Müll geworfen. Er wollte diese Seifen sammeln, recyceln und jenen Menschen im Kambodscha zur Verfügung zu stellen, die sie sich normalerweise nicht leisten können. Daher startete er die Non-Profit-Organisation „Eco-Soap Bank“.

Heute betreibt diese Organisation vier Recyclingcenter im ganzen Land und bietet bezahlte Arbeitsplätze für 35 Frauen. Für diese Frauen bedeutet das, dass sie ihre Familie versorgen, Schulden zurückzahlen und ihren Kindern eine Schulbildung ermöglichen können. Ihre Aufgabe in den Recyclingcentern ist es, die benutzten Seifen zu reinigen und sie zu neuen Seifen oder Flüssigseifen einzuschmelzen.

Doch Eco-Soap konzentriert sich nicht nur darauf, die Seifen unter die Menschen zu bringen. Die Communities, Familien und Kinder lernen auch die Wichtigkeit von Hygiene, um Krankheiten vorzubeugen. Über 660.000 Menschen haben von den recycelten Seifen der Eco Soap Bank bislang profitiert. Das Ziel von Lakhani ist es, das Konzept in weiteren Entwicklungsländern umzusetzen – aktuell sind Expansionen in sieben weitere Länder geplant.

Lakhani ist nicht der erste mit dieser Idee: Bereits 2011 stellte CNN ein ähnliches Projekt von Derreck Kayongo vor, das „Global Soap Project„.


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Bildquelle: CC0 Public Domain, B_A, Pixabay

#116 Larve mit „Appetit“ auf Plastik

ForscherInnen entdeckten bei einem Parasiten von Bienenstöcken eine bemerkenswerte Fähigkeit: Die Larven der Großen Wachsmotte können Plastik (genauer gesagt: Polyethylen) zersetzen.

Plastik ist ein wunderbares Verpackungsmaterial – nicht umsonst hat es sich derart durchgesetzt und ist nur schwer aus dem Alltag wegzudenken. Doch Plastik erzeugt vor allem auch eines: Unglaublich viel Müll. Das Problem dabei ist, dass Kunststoffe kaum biologisch abbaubar – zwischen 100 bis 400 Jahre dauert es, bis es sich in der Natur zersetzt. Aus diesem Grund versucht man in den vergangenen Jahren entgegenzusteuern, durch Verbote von Plastiktaschen und der Suche nach neuen, verlässlichen Verpackungsmaterialen. Doch nun könnte Hilfe von unerwarteter Seite kommen: durch die Larve der „Großen Wachsmotte“ (Galleria mellonella).

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Die Larve der Großen Wachsmotte (Galleria mellonella) © César Hernández/CSIC

Bislang kannte man sie vor allem als Parasit in Bienenstöcken. Federica Bertocchini, eine Wissenschaftlerin und Amateur-Imkerin, hat sie ebenfalls auf diesem Weg kennengelernt. Sie sammelte die Wachsmotten von ihren Bienenwaben ab, steckte sie in eine Plastiktüte und erkannte später, dass sich die Larven Löcher hineinfraßen und daraus entkamen.

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Federica Bertocchini, Forscherin und Hobby-Imkerin erkannte durch Zufall die Fähigkeiten der Mottenlarve. © César Hernández/CSIC

Polyethylen

Polyethylen ist mit einem Anteil von ca. 38 Prozent der weltweit am meisten verbrauchte Kunststoff. Im Jahr 2011 wurden 190 Millionen Tonnen Kunststoffe (Polypropylen, Polystyrol, ABS, PVC, PET, Polycarbonat, Polyethylen) verbraucht. PE-LD hatte daran einen Anteil von 10 Prozent, PE-LLD von 11 Prozent und PE-HD von 17 Prozent (de.wikipedia.org)

Nach diesem Zufall musste sie unbedingt erforschen, wie die Larven das geschafft haben: Gemeinsam mit ihren KollegInnen führte sie systematische Experimente durch. Es zeigte sich: Die Larven können das Polyethylen (PE) in Wahrheit gar nicht essen, sie zersetzen es richtiggehend. Es reicht bereits der Kontakt mit den Larven oder den Mottenpuppen, um das Polyethylen zu zersetzen. Selbst getötete und zerkleinerte Larven lösten den PE-Abbau aus.

Doch warum kann das die Galleria mellonella? Dazu muss man wieder zurück zu den Bienen: Die Wachshülle des Bienenstocks ist selber ein Polymer, eine Art „natürliches Plastik“. Die chemische Struktur davon ist der von Polyethylen nicht unähnlich. „‚Es hat eine chemische Struktur, die dem von Polyethylen nicht unähnlich ist.‘ [sagt Co-Autor Paolo Bombelli.] Beide Moleküle besitzen ein Gerüst aus Kohlenwasserstoffen, in dem CH2-CH2-Bindungen eine wichtige Rolle spielen. Genau an diesen Bindungen setzt das Mottenlarven-Enzym offenbar an und zerlegt das Polyethylen in Ethylenglykol-Fragmente, wie Analysen nahelegen.“

Es wäre jetzt natürlich nicht wirklich sinnvoll, diese Larve in zu großem Ausmaß zu züchten und dann auf Deponien abzuwerfen – es soll ja nicht von einer Plastik- zu einer Larvenplage kommen. Deshalb versuchen die ForscherInnen nun jenes für den PE-Abbau zuständige Enzym zu isolieren. Bertocchini warnt nach diesen ersten Forschungsergebnissen aber vor zu viel Euphorie:

„Wir müssen etwas vorsichtig sein. Was bisher feststeht: Die Raupe frisst Plastik und zwar schnell, das ist phänomenal. Aber wir müssen noch den genauen biologischen Mechanismus finden. Es öffnet sich quasi gerade eine neue Tür – was sich dahinter befindet, werden wir noch erkunden.“ (swr3.de)

Für PET (Polyethylenterephthalat), z.B. für Kunststoffflaschen oder Textilfastern verwendet, gibt es übrigens ebenfalls einen hungrigen Organismus. 2016 entdeckte man das Bakterium „Ideonella sakaiensis“ – und auch hier hofft man auf eine Chance, in Zukunft PET biologisch abbauen zu können.

Update 31. August 2017: Streit um Forschungsarbeit

Wie Christoph Seidler im Spiegel berichtet, zweifeln nun deutsche ForscherInnen der Universität Mainz die Ergebnisse an. Sie sehen Schwachstellen und fehlende Kontrollexperimente. Laut ihnen würden die Larven zwar das Plastik essen, aber es nicht zersetzen, sondern unverdaut wieder ausscheiden. Laut ihnen hätte der Gutachter den wissenschaftlichen Ausgangsartikel für das Fachmagazin Current Biology nicht durchgehen lassen dürfen.

In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins findet man nun neben den Forschungsergebnissen der Mainzer aber auch eine Entgegnung der spanischen ForscherInnen.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: Titelbild und alle anderen Bilder:  © César Hernández/CSIC

#18 Vierzig globale Konzerne wollen weniger Plastikmüll erzeugen

40 global agierende Konzerne wie z.B. Procter and Gable, Unilever, Coca-Cola oder Danone haben sich zu einem selbst auferlegten Wandel entschlossen.

Die schlechte Nachricht zuerst: Sollte sich nichts ändern, wird es 2050 mehr Plastik als Fische in den Weltmeeren geben. Eine erschreckende Vorstellung. Die gute Nachricht ist aber, dass sich nun 40 global agierende Konzerne wie z.B. Procter and Gable, Unilever, Coca-Cola oder Danone zu einem selbst auferlegten Wandel entschlossen haben. Im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums in Davos schlossen sich die Unternehmen einer Initiative der Seglerin Ellen MacArthur (übrigens eine Rekord-Weltumseglerin) an.

Sie hat es sich mit ihrer Foundation zur Aufgabe gemacht, die weitreichende Verschmutzung der Weltmeere zum Thema zu machen und Veränderungen bzw. Lösungen zu forcieren. Das Umdenken bei den globalen Unternehmen ist damit ihr bislang größter Erfolg. So schreibt die FAZ:

Der Nahrungs- und Putzmittelkonzern Unilever verpflichtete sich beispielsweise, bis zum Jahr 2025 nur noch voll wiederverwertbare, recyclingfähige oder kompostierbare Plastikverpackungen einzusetzen. (FAZ.net)

Ein kompletter Verzicht auf Plastik ist also nicht vorgesehen – jedoch zielt das Ansinnen der Unternehmen darauf ab, den Einsatz von Plastik einerseits einzuschränken und andererseits auch viel mehr zu recyclen. Die Initiative in Davos erklärt: 20 % der weltweiten Plastikproduktion könnten so gewinnbringend wiederverwertet und ganze 50 % recycled werden.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, geraldsimon00, Pixabay