#310 Großbritannien verbietet Einsatz von Mikroplastik

Mikroplastik landet in rauen Mengen in den Meeren und ist vermutlich auch für den menschlichen Körper schädlich. Nun soll am 30. Juni 2018 in Großbritannien ein umfangreiches Verbot in Kraft treten, tags darauf ein ähnliches Gesetz in den USA.

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Ob in Peelings, Duschgels oder Zahnpasta: Mikroplastik taucht heutzutage in zahlreichen Kosmetika auf. Dabei handelt es sich um 10 – 30 Mikrometer große Kunststoffkügelchen aus Polyethylen. Am 30. Juni 2018 wird nun in Großbritannien ein Gesetz in Kraft treten, dass den Einsatz von Mikroplastik umfangreich verbietet. Einen Tag später tritt in den USA ein ähnliches Gesetz in Kraft.

Mikroplastik ist einerseits problematisch, weil es in die Meere gelangt und natürlich schädlich für die Wasserwelt und ihre Bewohner ist; andererseits vermutlich auch für den menschlichen Körper, wobei dazu jedoch noch keine ausführlichen, repräsentativen Studien gibt.

Proteste gab es von der Branchenorganisation für Kosmetik, Toiletteartikel und Parfüm, die Einspruch gegen die Änderungen bei der Europäischen Kommission einreichte. Jedoch antwortete eine Koalition aus unterstützenden Organisationen, dass eine Schwächung des neuen Gesetzes das ganze Gesetz grundsätzlich in Frage stellt – denn so würde Mikroplastik weiterhin in die Meere fließen.


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Bildquelle: CC BY NC 2.0MN Pollution Control AgencyFlickr

#302 Chinas zwangsläufiges Umdenken und der Kampf gegen Luftverschmutzung

Chinas Kohleproduktion hat sich zwischen 2003 und 2011 mehr als verdoppelt – doch aufgrund der dadurch entstandenen Probleme mit massiver Luftverschmutzung – und durch die Milliarden Investitionen in saubere Energie in den vergangenen Monaten scheint nun ein Umdenken zu passieren. Nun mussten 40 Prozent aller chinesischen Firmen vorübergehend ihren Betrieb einstellen, weil sie die vorgegebenen Emissionsziele nicht erreichen konnten.

Wie berichtet hat sich Chinas Kohleproduktion zwischen 2003 und 2011 von 20 auf über 40.000 Terawattstunden verdoppelt und war damit für fast die Hälfte der weltweiten Kohleproduktion verantwortlich. Doch aufgrund der dadurch entstandenen Probleme mit massiver Luftverschmutzung – und durch die Milliarden Investitionen in saubere Energie in den vergangenen Monaten scheint nun ein Umdenken zu passieren.

40 Prozent aller chinesischen Firmen (176.000 Fabriken und 44.000 Kohlekraftwerke) mussten ab 1. Oktober vorübergehend den Betrieb einstellen, weil sie die vorgegebenen Emissionsziele nicht erreichen konnten. Selbst die Stahlproduktion (in Peking, Tianjin und der Provinz Hebei) wurde um die Hälfte gesenkt. Die Regierung hat mehr als 7.000 Inspektoren eingesetzt.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2015 sterben täglich 4.000 ChinesInnen pro Tag an den Folgen der massiven Luftverschmutzung.

Im Artikel auf Zeit.de werden die Anstrengungen im Kampf gegen Luftverschmutzung und der Entwicklung dem Einsatz von Erneuerbarer Energie

Gleichzeitig soll die Energieproduktion durch Sonnenenergie bis 2020 um ein Fünftel erhöht werden. Den zunächst geplanten Bau von mehr als 100 neuen Kohlekraftwerken hat die Regierung inzwischen aufgegeben. Stattdessen will sie in den nächsten Jahren umgerechnet mindestens 320 Milliarden Euro in Ökoenergieprojekte stecken. Vier Städte in der Region, darunter Peking und Tianjin, sollen ab 2020 komplett „kohlefreie Zonen“ werden.

Beim Umstieg auf erneuerbare Energien ist China heute schon führend. Die Volksrepublik erzeugt ein Fünftel ihres Stroms aus regenerativen Quellen. In den USA sind es – zum Vergleich – nur 13 Prozent. (zeit.de)


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#298 Mögliche Lösung zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenz

Antibiotikaresistenz (also wenn Bakterien beginnen, auf bestimmte Antibiotika nicht mehr reagieren) wird ein immer größeres Problem. Deshalb bekommt eine alte Therapie neuen Aufschwung: Bakteriophagen sind Viren, die darauf programmiert sind, Bakterien zu töten.

Antibiotikaresistenz ist ein immer weiter wachsendes Problem: Mehr und mehr Bakterien beginnen auf bestimmte Antibiotika nicht mehr zu reagieren. Im Jahr 2014 zählte man rund 700.000 Todesfälle durch Antibiotikaresistenz, bis 2050 könnte diese Zahl weltweit auf 10 Millionen steigen. (Zum Vergleich: weltweit starben 8,2 Millionen Menschen an Krebs.)

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SZ. (n.d.). Häufigste Todesursachen weltweit im Jahr 2014 (in Millionen). In Statista – Das Statistik-Portal. Zugriff am 25. Oktober 2017.

Doch nun könnte eine neue Methode eine Änderung herbeiführen: Mittels bakterientötender Viren, sogenannten Bakteriophagen (kurz: Phagen) können Menschen mit bakterieller Infektion behandelt werden. Entdeckt wurden sie bereits in den frühen 1900er Jahren. Die Viren sind einzig darauf programmiert, Bakterien zu töten – dadurch stellen sie keine große Bedrohung für den menschlichen Körper dar (dazu müssen natürlich die richtigen Viren zur Anwendung gebracht werden).

Pharmaunternehmen haben aufgehört, neue Antibiotika zu entwickeln – und jene, die dies noch tun, scheitern oftmals an der Zulassung. In der Phagenforschung gebe es hingegen Fortschritte: Während sie in Osteuropa und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion bereits eingesetzt wird, braucht es in den USA und Europa noch weitere Studien. AmpliPhi Bioscences, eine kleine Pharmafirma plant, in der zweiten Jahreshälfte 2018 mit einer groß angelegten Phase 2-Studie durchzuführen. Mehrere Phase 1-Studien gibt es bereits aus Australien, die als Grundlage für die weitere Forschung sind. (Zum Nachlesen: Die 4 Phasen der klinischen Arzneimittelprüfungen)

 „There is an urgent need for more investment in research and development for antibiotic-resistant infections including TB, otherwise we will be forced back to a time when people feared common infections and risked their lives from minor surgery.“ (WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, who.int)


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Bildquelle: By Dr Graham Beardsen:Image:Phage.jpg, CC BY-SA 3.0, Link

#296 Studien: Grippeimpfung erhöht Chance auf gesunde Schwangerschaft

Studien erklären, dass die Impfung gegen den Influenza-Virus die Gefahr von Früh- oder Fehlgeburten senken. ForscherInnen in New York möchten nun überprüfen, ob die Impfung auch dazu beiträgt, dass es mehr erfolgreiche künstliche Befruchtungen gibt.

Schon bisherige Studien haben gezeigt, dass es sich positiv auf den Verlauf einer Schwangerschaft auswirkt, wenn man vor oder während einer Schwangerschaft eine Influenza-Impfung (also die „Grippeimpfung“) erhält: Die Zahl der Fehlgeburten wird dadurch reduziert – ebenso die Frühgeburtenrate, die um 41 Prozent gesunken, wenn Frauen, gegen den Influenza-Virus geimpft wurden.

ForscherInnen des Zentrums für menschliche Fortpflanzung in New York untersuchen nun, ob diese positiven Auswirkungen der Impfung für Schwangere auch am Beginn einer In-vitro-Fertilisation (also einer Künstlichen Befruchtung) zu bemerken sind – also ob PatientInnen dadurch eher schwanger werden und weniger Fehlgeburten erleiden.

Die Hypothese der ForscherInnen ist, dass es zu einer „immunologischen Toleranz“ kommt: Das Immunsystem der Frau wird durch die Impfung gestärkt – die körpereigenen Antikörper richten sich aber nicht gegen den Embryo.


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#243 Potential von Fotovoltaik deutlich größer als erwartet

Offenbar hat man das Potential und die Effizienz jahrelang deutlich unterschätzt – bis 2050 könnten 30 bis 50 Prozent der weltweit benötigten Energie aus dieser Technologie kommen.

Nach dem ersten großen Hype von Fotovoltaik hieß es bald, dass diese Technologie nicht effizient genug sei – doch aktuelle Forschungsergebnisse sagen nun etwas anders. Bereits heute wird weit mehr elektronische Energie aus Sonnenlicht gewonnen als man früher prognostizierte. Bis zum Jahr 2050 könnte schließlich zwischen 30 und 50 Prozent der weltweit benötigten Energie aus dieser Technologie kommen – das ist drei Mal so viel, als man bislang annahm.

Das ForscherInnenteam rund um Felix Creutzig vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) hat frühere Prognosen mit den aktuellen Zahlen verglichen. So stieg die installierte Leistung von 1998 bis 2015 jedes Jahr um 38 Prozent – die Internationale Energieagentur hatte hingegen zwischen 1998 und 2010 nur Wachstumsraten zwischen 16 und 30 Prozent erwartet.

Mehrere Gründe seien dafür wesentlich: Zum einen sei unterschätzt worden, wie positiv sich staatliche Fördermaßnahmen wie Einspeisevergütungen und günstige Kredite sowie die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung auf die Nutzung der Fotovoltaik auswirken. Auch die schnelle technologische Weiterentwicklung bei gleichzeitig fallenden Kosten sowie die Verteuerung konkurrierender Technologien seien nicht vorhergesehen worden. Derzeit sinke der Preis von Solarmodulen bei jeder Verdopplung der produzierten Gesamtmenge um mehr als 20 Prozent, schreibt das Team. (spiegel.de)


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#172 Fortschritte bei Forschung zur Regeneration menschlicher Haut

Einem kleinen US-amerikanischen Biotech-Unternehmen ist es gelungen, Haut im Labor erfolgreich vollständig zu regenerieren. Zwar bislang nur bei Schweinen – doch es sieht gut aus, dass dies auch bald beim Menschen möglich sein wird. Dies könnte ein bedeutender Fortschritt für z.B. Menschen mit Verbrennungen sein.

Einem kleinen US-amerikanisches Biotech-Unternehmen ist es gelungen, dass bei Verbrennungen oder Wunden Haut erfolgreich vollständig regeneriert wurde und auch Haarwachstum an diesen Stellen angeregt wurde. Vorerst zwar im Versuch mit Schweinen, doch dies scheint ein wichtiger Weg zu sein, damit dies auch bald mit menschlicher Haut möglich ist.

Heutzutage wird bei rekonstruktiver Chirurgie bei Menschen mit Verbrennungen oftmals eine dünne Schicht gesunder Haut von einer anderen Stelle des Körpers verwendet. Dabei gelingt es aber nicht, eine natürlich dicke und funktionelle Haut an Körperstellen mit den Verbrennungen entstehen zu lassen. Hier sieht PolarityTE Inc. (der Name des Unternehmens) ihren Vorteil.

Hier wird zwar auch mit Haut des Patienten bzw. der Patientin. Hierbei wird die Haut im Labor vergrößert (sozusagen: ausgedehnt). Danach entstehen dort alle Hautschichten, bevor es zur Behandlung der Wunde eingesetzt wird. Laut PolarityTE soll dieser Vorgang innerhalb von weniger als 24 Stunden passieren.

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Diese Grafik soll in aller Einfachheit den Ablauf der Technologie beschreiben. (Bildquelle: PolarityTE)

Nach der erfolgreichen Forschung an Schweinen sollen menschliche Studien später im Laufe diesen Jahres beginnen – eine Zelltherapie könnte schließlich zwölf bis 18 Monate danach auf den Markt kommen. Doch die Haut ist dem Unternehmen nicht genug: Es wird verlautbart, dass die Technologie auch das Potential hat, voll funktionsfähige Gewebe wie Knochen, Muskel, Knorpel oder die Leber zu entwickeln.


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#133 Lebenserwartung mit HIV auf fast normalem Niveau

Die Lebenserwartung von Menschen mit HIV-Infektion ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen: Zwanzigjährige, die 2010 eine antiretrovirale Therapie begannen, leben um zehn Jahre länger als jene, die sie 1996 begannen.

Zwanzigjährige, die im Jahr 2010 eine antiretrovirale Therapie begonnen haben, werden um zehn Jahre länger leben als Zwanzigjährige, die 1996 die ersten antiretroviralen Therapien erhalten haben. Das besagt eine neue Studie von ForscherInnen der University of Bristol (England, Vereinigtes Königreich), welche am 10. Mai 2017 im Fachmagazin „The Lancet HIV“ veröffentlicht wurde.

„The introduction of combination antiretroviral therapy (ART) has been one of the great public health success stories of the past 40 years.“ (Ingrid T. Katz und Brendan Maughan-Brown, The Lancet HIV)

Ein Grund dafür ist die Weiter- und Neuentwicklung von Medikamenten: neuere Medikamente zeigen weniger Nebenwirkungen und wirken besser, wenn es darum geht, den Virus davon abzuhalten, sich im Körper zu reproduzieren. Außerdem ist es für den Virus durch neuere Medikamente schwierig, eine Resistenz auf sie zu entwickeln.

Für die Studie wurden Daten von mehr als 88.000 Menschen in 18 europäischen und nordamerikanischen Staaten verglichen. Die Daten zeigten, dass die Lebenserwartung eines mit dem HI-Virus infizierten Menschen in antiretroviraler Therapie bei 78 Jahren liegt. Das ist nur gering unter der allgemeinen Lebenserwartung – diese lag 2014 in den USA bei 78,95 Jahre, in der Europäischen Union bei 80,9 Jahren.

Antiretrovirale Therapie besteht aus einer Kombination von drei oder mehr Medikamenten, welchen die normale Entwicklung des HI-Virus abbremst oder gar aufhält.

Die StudienautorInnen erklärten, dass die Ergebnisse zeigen, dass die bestehenden HIV-Therapien wirken – und dass nicht unbedingt neuere Medikamente benötigt werden; vielmehr sollte der Zugang zu den bestehenden Medikamenten für viel mehr Menschen möglich sein.


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#125 Mobbing an US-Schulen geht zurück

Durch die große mediale Aufmerksamkeit auf Mobbing (Bullying) in Schulen, vermutet man, dass das Problem immer größer wird. Eine Studie über 10 Jahre zeigt nun, dass Mobbing hingegen zurückgeht, die größten Verbesserungen gab es dabei in den jüngeren Jahren.

Vor allem im letzten Jahrzehnt hat das Thema Mobbing (oder „Bullying“) große mediale Aufmerksamkeit erhalten – viele Menschen denken deshalb, dass dieses Problem weiter wächst.

ForscherInnen haben in einer groß angelegten Studie 246.306 Schülerinnen und Schüler (zwischen 9-10 und 17-18 Jahre alt) aus 109 Schulen in Maryland, USA über 10 Jahre (2005-2014) begleitet. Sie wollten sich dabei ansehen, wie sich das Mobbing entwickelt, vor allem auch, nachdem die einzelnen Bundesstaaten allesamt Aktionen dagegen gestartet haben. Sie definieren Mobbing auf die gleiche Weise wie die U.S. Centers for Disease Control and Prevention: Diese Definition beinhaltet „Bedrohung, Hänseln, Beschimpfen, Ignorieren, das Verbreiten von Gerüchten, das Senden verletzender E-Mails oder Textnachrichten und jemanden mit Absicht auszuschließen“.

Auch wenn diese Studie keine Erklärung liefert, warum es eine Veränderung im Verhalten der SchülerInnen gab, so zeigt sie doch deutlich, dass sich die Verhaltensweise geändert hat: Über den Zeitraum von 10 Jahren ging Mobbing zurück, wobei die größten Verbesserungen des Schulklimas und die stärkste Verringerung des Mobbings in den jüngeren Jahren passierte.

Roughly 80 percent of surveyed students reported feeling safe in their school environments. Feelings of safety increased over the course of the ten-year study. More than a quarter of students who participated in the study reported being the victim of bullying within the past month, and more than half of students reported witnessing an instance of bullying.

But the study showed rates of bullying declined during the decade-long study. Another encouraging sign: The largest decreases in bullying were measured in the final years of the study. (upi.com)

Catherine P.  Bradshaw von der University of Virginia in Charlottesville betont aber, dass die Ergebnisse ihre Studie kein Grund ist, zufrieden zu sein: Mobbing existiert auch heute noch, ist ein Problem und sollte nicht vernachlässigt werden. „We want to build momentum and not lose any traction“, erklärt sie und meint damit, dass jetzt nicht vom Gas runtergehen sollte, nur weil erste Erfolge sichtbar sind. Aber ein deutlicher Fortschritt ist es allemal.


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