#208 Innsbruck essbarer machen

Soziologiestudierende der Universität Innsbruck haben ein Konzept erarbeitet, wie man die Tiroler Landeshauptstadt „essbarer“ machen kann. Dabei soll unter Berücksichtigung regionaler Landwirtschaft und dem Zauberwort Relokalisierung ein Stück Selbstversorgung wieder möglich werden.

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An der Universität Innsbruck in Tirol/Österreich haben Soziologiestudierende ein Konzept erarbeitet, wie man die Landeshauptstadt „essbarer“ machen kann. Dabei soll unter Berücksichtigung regionaler Landwirtschaft und dem Zauberwort Relokalisierung ein Stück Selbstversorgung wieder möglich werden.

„Heute kommt das Essen aus dem Supermarkt, man denkt aber nicht darüber nach, wie es dort hineinkommt.“ (Dr. Markus Schermer, Soziologe und Projektleiter des Forschungspraktikums „Innsbruck – Essbare Stadt?“, schroedingerskatze.at)

Dr. Markus Schermer leitet das Forschungspraktikum „Innsbruck – Essbare Stadt?“. Er betont, dass die Produktvielfalt in konventionellen Supermärkten globale Folgen haben: Lebensmittel reisen mitunter um die halbe Welt, Produktion und Herkunft lassen sich oft schwer identifizieren; um die Nachfrage zu erfüllen, werden potentielle Anbauflächen großflächig abgeholzt. Vieles davon müsste in diesem Ausmaß nicht sein.

Immer mehr Menschen legen aber heutzutage wert darauf, was sie essen, woher es kommt und wie es zu dem wurde, was sie schließlich in ihren Händen halten.

„Sowohl in der Produktion als auch im Konsum müssen wir anfangen umzudenken. Unser System hat dazu geführt, dass Bauern und Bäuerinnen auf große Strukturen hinarbeiten und unmittelbare, regionale Vermarktungsprozesse total vernachlässigen“ (Dr. Schermer, schroedingerskatze.at)

Die Studierenden arbeiten zahlreiche Konzepte dafür aus: So soll die Zivilgesellschaft bei Kapazitätsengpässen regionaler Lebensmittelproduzenten eingebunden werden, zudem es soll Apps oder interaktive Landkarten geben. Spezialisierte „Ernährungsräte“ sollen zudem mit Interessensvertretungen und der Politik an einem Tisch in Sachen lokalisierter Ernährung beraten. Auch die Gastronomie soll hierbei verstärkt eingebunden werden.

Ob und wie sich Innsbruck verwandeln wird, kann natürlich noch nicht gesagt werden. Die Ideen liegen auf dem Tisch – im Oktober sollen sie dann mit institutionellen Beteiligten aufgearbeitet werden.


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#170 Supermärkte testen Verpackungen aus Gras

Die Rewe-Gruppe testet seit Anfang Juni Obstschachteln aus Graspapier. Die Produktion dieser Verpackung ist energie- und wassersparender, chemiefrei und erzeugt weniger Treibhausgase als vergleichbare Alternativen.

Bei einem ganz normalen Einkauf kommt man mit nicht nur mit Lebensmitteln nach Hause – sondern auch mit einer Unmenge an Verpackungsmaterial, dass im Müll landet. Nach und nach öffnen auch einzelne „Unverpackt“-Läden: Dabei wird ganz bewusst auf unnötiges Verpackungsmaterial und vor allem Plastik verzichtet. Doch in großen Supermarktketten wie Spar, Rewe oder Edeka gibt es nur ein langsames Umdenken.

Doch nun startet ein kleiner Testlauf der Rewe-Gruppe (in Deutschland: Rewe und Penny; in Österreich: Merkur, Billa, Penny; in der Schweiz: seit 2011 nicht mehr aktiv). Seit Anfang Juni gibt es ihre Bio-Äpfel in Schachteln aus Graspapier.

Das Graspapier besteht zu 60 Prozent aus Holz und zu 40 Prozent aus sonnengetrocknetem Gras. Doch warum soll das besser sein als Karton?

Laut Rewe gibt es mehrere Vorteile:

  1. Gras ist ein Rohstoff, der sehr schnell nachwächst
  2. die Produktion von Graspellets ist wasser- und energiesparender als bei konventioneller Papierherstellung
  3. bei der Produktion entstehen deutlich weniger Treibhausgasse
  4. außerdem kommt dabei keine Chemie im Einsatz

„Insgesamt könnten so zukünftig bei 1 Million Verpackungseinheiten über eine halbe Tonne Treibhausgase (CO2-Äquivalente) im Vergleich zu bestehenden Apfelverpackungen (Trays) eingespart werden. Ebenso kann ca. 10 Prozent Energie eingespart werden.“ (rewe-group.com)


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#168 Sparsamster Supermarkt der Welt in Finnland

Der sparsamste Supermarkt der Welt steht in Oulu in Finnland. Er verbraucht dabei nur 40 % des herkömmlichen Energiebedarfs eines Supermarkts.

Supermärkte haben einen enormen Energieverbrauch: Ob nun die ganz normale Heizung, die Backöfen fürs Gebäck oder die Kühlvorrichtungen für die Tiefkühlkost bzw. die Lagerung der Produkte. Deshalb arbeiten auch einige kluge Ingeneure und Architekte daran, dass auch hier Einsparungen möglich werden.

Ein Supermarkt in der Stadt Oulu zeigt nun, wie es gehen kann: Er verbraucht weniger als die Hälfte eines vergleichbaren Supermarkts. Da er nur 40 Prozent der Energie braucht, spart sich der Betreiber jährlich 180.000 Euro an Kosten für Strom. Oulu ist übrigens die fünftgrößte Stadt Finnlands und die nördlichste Großstadt der Europäischen Union.

Pro Quadratmeter und Jahr liegt der Energiebedarf des Supermarkts bei 240 Kilowattstunden. Im durchschnittliche Bestand (Altbau, 1950er bis 1970er-Jahre) liegt bei 150-250 kWh pro Quadratmeter – somit liegt dieser Supermarkt (trotz des deutlich höheren Energiebedarfs) im Durchschnitt einer alten Wohnung. Zum Vergleich: Ein „normaler“ Supermarkt verbraucht 600 kWh pro Quadratmeter pro Jahr. Die Hälfte des Energiebedarfs wird übrigens durch eine Solaranlage am Dach gedeckt.

Der Supermarkt gehört zur S Group, einer finnischen Firmengruppe mit über 1.600 Märkten. Der Supermarkt ist ein Teil des VIRPA Projekts, in dem VTT Technical Research Centre of Finland Ltd., der University of Oulu und der Privatsektor involviert sind.


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#51 Kölner Laden für unperfekte Lebensmittel

In „The Good Food“ müssen Obst und Gemüse keiner Norm entsprechen: Hier werden unperfekte Lebensmittel, abgelaufene Produkte oder Backwaren vom Vortag verkauft – den Preis legen die KäuferInnen selbst fest.

Nicole Klaski ist 33 Jahre alt, hat ein abgeschlossenes Jurastudium und ist Gründerin  von „The Good Food„, einem „Supermarkt-Startup“. Dieses Startup hat zum Ziel, etwas gegen die Lebensmittelverschwendung zu tun.

In „normalen“ Supermärkten ist es oftmals so, dass Obst oder Gemüse, das von der Norm abweicht, gar nicht erst in die Regale kommt. Bei „The Good Food“ haben gerade die unperfekten Früchte und Gemüsesorten einen Platz in den Second-Hand- oder selbstgebauten Regalen. Auch abgelaufene, aber noch verzehrbare Lebensmittel werden dort angeboten, sowie Backwaren vom Vortag.

Den Preis legen die KäuferInnen selbst fest. Die Philosophie lautet „Zahl, was es dir wert ist“. Um Gewinn geht es in diesem Laden nicht – Nicole und ihr Team arbeitet ehrenamtlich. Mit den Einnahmen gelingt es aber, die Miet- und Logistikkosten zu decken.

Viel Gemüse wird von Bauern gar nicht erst geerntet, da es nicht schön genug für die Regale ist. Deshalb geht sie mit einigen Helfern zu Bauern und macht nachträgliche Ernten. Der erste Schritte von „The Good Food“ war ein kleiner Marktstand im Herbst 2015, danach folgten zwei Pop-Up-Stores. Im Februar eröffnete nun in Köln-Ehrenfeld der erste richtige Laden.


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#11 Kampf gegen Verschwendung von Lebensmitteln nimmt zu

Seit es in Frankreich ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung in Supermärkten gibt, versuchen mehrere europäische Staaten dem Beispiel zu folgen. Auch auf EU-Ebene soll es Änderungen geben.

Seit 2016 gibt es in Frankreich ein eigenes Gesetz, welches Supermärkte verpflichtet, nicht verkaufte Lebensmittel nicht mehr einfach nur zu vernichten. Damit will man gegen die Lebensmittelverschwendung vorgehen. Halten sich Supermärkte nicht an diese Regelung, drohen ihnen Strafen von bis zu 75.000 Euro.

„Sollten die Lebensmittel nicht mehr genießbar sein, können sie auch zu Tierfutter verarbeitet oder zumindest kompostiert werden. Ziel der französischen Regierung ist es, die Abfallmenge bis zum Jahr 2025 zu halbieren.“ (GEO.de)

Auch das Europäische Parlament forderte nun verbindliche Rechtsvorschriften, um Lebensmittelabfälle in Europa bis 2030 zu halbieren. Italien hat es ebenfalls für Unternehmen und Landwirte gesetzlich erleichtert, Lebensmittel für wohltätige Einrichtungen zu spenden („Sanctions for giving away food past its sell-by date have been removed, and business owners will pay less waste tax the more they donate“ Independent.co.uk). Auch das Parlament des Vereinigten Königreichs arbeitet an einer gesetzlichen Änderung.

Einige Unternehmen starten von selbst aus solche Initiativen: Tesco (mit einem Marktanteil von 28,4 % im Vereinigten Königreich) hat sich entschlossen, es bis Ende 2017 zu schaffen, alle unverkauften Lebensmittel an soziale Einrichtungen zu geben. Auch Starbucks (Marktanteil an Kaffeeketten in den USA: 42,4 %) will all ihre unverkauften Speisen spenden. Bis 2021 soll dies in allen der 7.600 Standorte in den USA passieren.

In Deutschland fordert Ernährungsminister Christian Schmidt das Abschaffen des Haltbarkeitsdatums (geregelt wird dies auf EU-Ebene) – dadurch soll die Verschwendung vor allem bei Privatkonsumenten sinken. Laut seinem Ministerium landen in Deutschland jährlich 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Davon stammen 6,7 Millionen Tonnen von Privathaushalten. In Österreich sieht die Politik den Ball bei den Privathaushalten.


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