#365 Sesamstraße für syrische Kinder

Figuren aus der Kindersendung Sesamstraße werden eingesetzt, um Kindern zu helfen, die durch den Krieg in Syrien vertrieben wurden.

Advertisements

Figuren aus der Kindersendung Sesamstraße werden eingesetzt, um Kindern zu helfen, die durch den Krieg in Syrien vertrieben wurden. Dabei wird eine angepasste Version der Sesamstraße produziert, welche auf Mobiltelefonen erhältlich sein wird und die Alphabetisierung und das Erlernen von Rechnen unterstützt. Zusätzlich soll es dazu beitragen, Wissen über Beziehungen zu lehren und den Respekt vor anderen zu fördern.

Der Sesame Workshop und das International Rescue Committee haben für diese Entwicklung einen Zuschuss von 100 Millionen US-Dollar erhalten – das Geld kam dabei von der John D. and Catherine T. MacArthur Foundation. Es ist eine der größten philantropischen Spenden für ein solches Bildungsprojekt.

Ziel ist es, frühkindliche Bildung zu leisten und auch das Trauma von Millionen junger Flüchtlinge anzugehen. Zusätzlich soll es auch Kinderentwicklungszentren geben, in denen Eltern ihre Kinder mitbringen können und ihnen Beratung, Ressourcen und Informationen zur Verfügung stehen. Flüchtlingskinder in Jordanien, Libanon, Irak und auch in Syrien sollen von diesem Projekt profitieren.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, ScribblingGeekPixabay

#316 Syrer entwickelt Lösung für Zeiten ohne Internetverbindung

Abdul Rahman AlAshraf, ein syrischer Software-Ingeneur hat das Startup „FreeCom“ gegründet. Er möchte mit seinem Tool die Vernetzung auch dann noch ermöglichen, wenn aufgrund von Krise, Krieg oder Politik die Verbindung zum Internet gekappt worden ist.

Für uns Menschen eine Selbstverständlichkeit ist das Internet und der Zugang dazu in vielen Teilen der Welt oftmals nicht so ohne weiteres möglich. Entweder durch den einfachen Umstand, dass keine Internetanbindung vorhanden ist – aber auch durch Naturkatastrophen, Kriegen oder der politischen Entscheidung, das Netz zu blockieren. Das ist gefährlich – denn heutzutage liefert das Internet nicht nur Information, sondern bietet Möglichkeiten zur Kommunikation usw.

Abdul Rahman AlAshraf, ein syrischer Softwareingeneur hat deshalb das Startup „FreeCom“ gegründet und seine App konzipiert.

Mit der Technologie von FreeCom wird jedes Smartphone in einen Sender verwandelt, der Daten zum nächsten Smartphone in der Nähe überträgt – so lange, bis diese bei dem Empfänger ankommen. Die Übertragung findet dabei über jede verfügbare Technologie statt, egal ob Lichtsignale oder Niedrigfrequenz-Schallwellen. Durch diese Kettenreaktion von Gerät zu Gerät entsteht ein Notfall-Netzwerk, das komplett ohne Internet auskommt. Highspeed ist die Verbindung nicht, dafür aber sicher vor Fehlern und verschlüsselt. (reset.org)

FreeCom-Prototype-1024x576.png

Aktuell arbeitet er noch an der Entwicklung des Prototypen. In Zukunft soll FreeCom standardmäßig in die neuen Smartphone integriert sein – daher will er diese Technologie auch frei zur Verfügung stellen und als Open Source der globalen kollektiven Weiterentwicklung öffnen. Erste Tests ergaben übrigens, dass die Technologie sogar auf alten Modellen funktioniere.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, PexelsPixabay

#234 Indien: Islamische Praktik der sofortigen Scheidung verfassungswidrig

In Indien war es für muslimische Männer bislang möglich, sich von ihrer Ehefrau durch das dreimalige Aussprechen des arabischen Worts für Verstoßung mit sofortiger Wirkung zu scheiden. Heute hat das Oberste Gericht diese Praktik für verfassungswidrig erklärt – ein Sieg für die Rechte der muslimischen Frauen.

Im islamischen Recht gibt es bis heute eine Form der Verstoßung: Der Mann (und nur der Mann allein) hat die Möglichkeit, mittels einer auszusprechenden Scheidungserklärung gegenüber seiner Frau mit sofortiger Wirkung sozusagen seine Frau zu verstoßen. Genau das hat das Oberste Gericht in Indien am 22. August 2017 als verfassungswidrig eingestuft – ein großer Sieg für die Reche der islamischen Frauen. Rund 14 Prozent der 1,3 Milliarden Einwohner Indiens bekennen sich laut dem Zensus von 2011 zum Islam.

Man kann es sich eigentlich gar nicht vorstellen: Laut islamischen Recht (und nach allen vier sunnitischen und der schiitischen Rechtsschule) reicht es aus, wenn der Mann (und dieses „Recht“ steht ausschließlich dem Mann zu) drei Mal das arabische Wort für Verstoßung, nämlich „ṭalāqausspricht. (Teilweise passierte dies sogar via Skype oder WhatsApp.) Sobald dieses Wort drei Mal ausgesprochen wurden, gilt die Verstoßung als unwiderruflich. Die ersten beiden Male ist sie noch widerruflich und wird dabei von Männern auch als Drohung oder Erziehungsmaßnahme eingesetzt.

Mehr als 20 muslimische Länder (wie z.B. Pakistan oder Bangladesch) haben diese Praktik abgeschafft. In Jordanien, Libanon, Libyen, Marokko und Syrien muss ein Gericht die Verstoßung bestätigen, und wie Wikipedia schreibt muss „die Ehefrau (…) über die Verstoßung informiert werden“. KritikerInnen heben hervor, dass „triple talaq is not a basic and integral part of Islam“. Einige islamische Gelehrte erklären zudem, dass ṭalāq im Koran gar nicht erwähnt wird.

Das Oberste Gericht Indiens hat nun mit einer 3:2 Mehrheit diese islamische Praktik als unvereinbar mit der indischen Verfassung erklärt. Die Praktik wurde erstmal für sechs Monate ausgesetzt – nun muss das Parlament einen Weg finden, neue Gesetze zu entwickeln.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: By Legaleagle86 at en.wikipedia, CC BY-SA 3.0, Link

#177 Jordanien schafft „Heirate-dein-Opfer“-Klausel ab

Jordanien schafft die Klausel ab, die es Vergewaltigern ermöglicht straffrei zu bleiben, wenn sie ihr Opfer heiraten. In zahlreichen anderen Ländern existieren ähnliche Klauseln aber leider immer noch.

Im Jordanischen Strafgesetzbuch wird Vergewaltigung mit bis zu sieben Jahren Gefängnis oder Todesstrafe bestraft, wenn das Opfer 15 Jahre alt ist. Der Vergewaltiger kann aber dieser Strafverfolgung entkommen, wenn er das Opfer heiratet und es mindestens drei Jahre bleibt. Dieser Artikel 308 soll nun endlich abgeschafft werden. 2016 wurde das Gesetz bereits dahingehend geändert, dass Straffreiheit nur dann möglich ist, wenn das Opfer zwischen 15 und 18 Jahre alt gewesen ist.

Jordanien folgt mit der Aufhebung der Klausel Ägypten, Marokko und Äthiopien nach. Laut der internationalen NGO Human Rights Watch gibt es aber eine solche Klausel noch in Tunesien, Libanon, Syrien, Libyen, Kuwait, Irak, Bahrain, Algerien und in den palästinensischen Gebieten. Im Libanon und Bahrain wird aber bereits an Gesetzesänderungen gearbeitet.

Laut dem Justizministeriums haben 159 Vergewaltiger zwischen 2010 und 2013 diesen Ausweg gewählt. Im gleichen Zeitraum wurden 300 Vergewaltigungen verzeichnet (wobei die Dunkelziffer sehr deutlich darüber vermutet wird). Oftmals werden Opfer sogar von ihrer Familie dazu gezwungen, den Täter zu heiraten, um die „Familienehre“ zu schützen.

Doch für vergewaltigte Frauen besteht noch eine weitere, traurige Gefahr, nämlich durch die Hand von männlichen Verwandten getötet zu werden – sogenannte „Ehrenmorde“ werden auch vor Gericht behandelt: 8 Fälle in 2015, 9 in 2016. Aber auch hier sieht das Gesetz vor, dass Täter eine geringere Strafe erhält, wenn er seine Frau oder eine andere weibliche Verwandte getötet hat, wenn er vermutete, dass sie außerehelichen Sex hatte. Wenn die Familie des Opfers bzw. des Täters eine Beschwerde fällt, kann die Mindeststrafe von einem Jahr (für Mord!) sogar noch halbiert werden.

Laut dem Richter Jehad al-Duradi hat sich zwar in diesem Bereich das Gesetz nicht geändert, aber die Interpretation. In den vergangenen Jahren wurden derartige Straftaten immer stärker bestraft. Seit 2010 erhielt lein überführter Mörder weniger als 10 Jahre Gefängnis.

Suad Abu-Dayyeh, eine Sprecherin der Gruppe Equality Now, hofft, dass das Ende der Klausel in Jordanien ein positives Beispiel für die ganze Region werden könnte.

Die Abschaffung des Gesetzes soll Ende dieses Monats passieren.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC BY (2.0)Giåm, „Jerash, Jordanie, Visite des ruines de la cité romaine.“,  Flickr

#122 Erstes Crowdfunding-Krankenhaus in Aleppo eröffnet

Ende 2016 startete eine Crowdfunding-Kampagne für den Wiederaufbau des zuvor letzten Kinderkrankenhauses in Aleppo, Syrien. 270 % des Finanzierungsziels wurden erreicht, Anfang April wurde das „Hope Hospital“ wiedereröffnet und dank der zahlreichen Spenden von über 4.800 Menschen sind nun auch die Kosten für die ersten sechs Monate gedeckt.

Syrien befindet sich seit sechs Jahren in einem fürchterlichen Bürgerkrieg. Deshalb ist es sehr schwer, positive Geschichten aus dem Land zu berichten. Doch der Einsatz von zahlreichen Menschen hat dafür gesorgt, dass das Leben und vor allem die gesundheitliche Betreuung für einen Teil der Bevölkerung besser wird.

Ende des vergangenen Jahres startete eine Crowdfunding-Kampagne namens „People’s Convoy“. Innerhalb von nur zwei Wochen sammelte man dabei Spenden von 246.505 Britischen Pfund (rund 290.000 Euro) und erreichte damit 270 % des selbstgesteckten Ziels. Mit dem Geld wollte man ein Krankenhaus wiederaufbauen – dank der zahlreichen Spenden von rund 4.800 Menschen wurden aber zugleich die laufenden Kosten von sechs Monaten gedeckt.

Das Krankenhaus wurde damit bereits zum siebten Mal wieder aufgebaut, nachdem es zuvor bereits sechsmal durch Bomben zerstört wurde. Aus dem „Children’s Hospital“ wurde nun das „Hope Hospital“, betrieben von der „Independent Doctors Association“ (IDA), einer Organisation, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein Standardlevel im Bereich Gesundheit und sozialem Wohlbefinden herzustellen und zu erhalten.

Zwischen Jarablus, Azaz und Menbij befindet sich das „Hope Hospital“ und bietet damit Hilfe für rund 60.000 Menschen in diesem ländlichen Raum rund um Aleppo. Am 5. April feierte es feierliche Eröffnung:

 

Dr. Hallam von der Independent Doctors Association erklärt, was der Einsatz aus Großbritannien für sie in Syrien bedeutet hat:

After evacuating from Aleppo our hearts ached, because we had been building the Children’s Hospital in Aleppo for two years and then lost everything. There was something in my heart that said we would have to give up and not work inside a children’s hospital again.

After we saw the People’s Convoy, something rebuilt within ourselves. The hope returned to me when I realised that there are people thinking about us and supporting us. It means all the people in the world aim to save children lives wherever they are and whoever they are. It means the world knew what we were doing inside Aleppo: serving the children, the civilians. So we began working hard to build the new children’s hospital (Hope Hospital). For us, it represents a new place where we can work and still imagine ourselves back in Aleppo. (goodnewsshared.com)

Das gesamte in der Crowdfunding gesammelte Geld kam dem Wiederaufbau und der Ausstattung des Krankenhauses zugute. Selbst die Kosten für den organisierten Convoy wurden nicht damit bezahlt.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, DarkoStojanovic, Pixabay

#44 Drei Syrer starten Upcycling-Marktstand

Der Marktstand „Piece of the East“ in Halifax, Kanada bietet Produkte, die in ihrer Herstellung Lebensmittel vor dem Müll bewahrt haben. Die Macher: Drei syrische Flüchtlinge, die erst vor einem halben Jahr nach Kanada gekommen sind.

Was ist Upcycling?

Wikipedia beschreibt es wie folgt: „Beim Upcycling (englisch up ’nach oben‘ und recycling ‚Wiederverwertung‘) werden Abfallprodukte oder (scheinbar) nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt. Im Gegensatz zum Downcycling kommt es bei dieser Form des Recyclings zu einer stofflichen Aufwertung. Die Wiederverwertung von bereits vorhandenem Material reduziert die Neuproduktion von Rohmaterialien.“ (de.wikipedia.org)

Schöne Beispiele für Upcycling mit Nicht-Essbares gibt es hier.

Ahmad Alhraki, Alla Alhraki und Rafaat Harb kamen vor einem halben Jahr nach Halifax, der Hauptstadt der auf der Halbinsel befindlichen kanadischen Provinz Nova Scotia an der Ostküste des Landes. Seit kurzem sind die drei zudem auch noch Unternehmer: Mit ihrem Stand „Piece of the East“ verkaufen sie selbstgemachte Produkte am Halifax Seaport Farmers‘ Market.

Alleine das wäre schon eine schöne, positive Geschichte. Doch es geht noch weiter: In ihrem Englisch-Sprachkurs war auch gemeinnützige Arbeit inbegriffen. So arbeiteten sie bei der „Parker Street Food Bank“, einer Essenstafel. Dabei sahen sie, dass zwar natürlich alles Nutzbare auch für die Food Bank genutzt wurde – war eine Frucht aber an einer Stelle faulig, durfte sie nicht mehr verwendet und musste weggeworfen werden. Ahmad sagte damals zu der Flüchtlingsbetreuerin Sylvia Gawad, dass man daraus doch noch Marmelade machen könnte. In ihrer Erinnerung reagierte sie so: „I was like ‘why not, let’s do it’.“ Mit dieser Idee sind sie sogar genau im Trend: Upcycling, also aus Abfallprodukten etwas Neues zu machen, wird immer häufiger angewandt.

Sie baute „Piece of the East“ auf. Von der Saint Mary’s University kamen die Verbindungen, die Parker Street Food Bank lieferte die Möglichkeit, neuen MitarbeiterInnen das Sortieren von Essen zu lehren und Hope Blooms bietet dem Team die Küche an, um ihre Gerichte (neben Marmelade auch Kokosnussbrot, Baklava oder Gurabi) herzustellen. Ein mittelfristiges Ziel ist es, weitere Quellen für Essensreste zu finden und eine eigene Küche zu haben – langfristig möchten sie gerne ein Pay-what-you-want-Restaurant eröffnen und von einem kleinen Teil der Einnahmen weitere Community-Projekte unterstützen.

Am Markt wurden sie freundlich aufgenommen und die drei freuen sich über den großen Zuspruch, der ihnen aus der Bevölkerung entgegengebracht wird. Hier noch ein Video von der Eröffnung des Marktstandes:


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, tiburi, Pixabay

#30 Frauen-Gesundheitscenter für syrische Flüchtlinge helfen auch jordanischen Frauen

Ein Gesundheitszentrum, errichtet für weibliche syrische Flüchtlinge, bietet auch den jordanischen Frauen eine Anlaufstelle, um der häuslichen Gewalt zu entkommen.

Das „Institute for Family Health“ in Deir Alla, in Jordanien startete bereits vor drei Jahren, finanziert durch den UN Population Fund, um weiblichen syrischen Flüchtlingen die medizinische Hilfe bei Familienplanung, Schwangerschaft und Geburt zu bieten – aber sie sind auch Anlaufstelle zur Unterstützung gegen Gewalt gegen Frauen – vor allem jordanischen Frauen.

Although the center was set up for Syrians, there is clearly an enormous local need. One in three Jordanian women has experienced some form of violence at the hands of their spouse, according to a 2012 government survey, but only half of them seek any help. (pri.org)

Deir Alla zählt zu den ärmsten Bereichen Jordaniens – für viele Jordanierinnen ist dies die einzig mögliche Anlaufstelle, um etwas gegen häusliche Gewalt zu tun. In den vergangenen fünf Jahren entstanden aber noch 14 weitere sichere Orte für Frauen.

If it hadn’t been for the money now being funneled into Jordan to respond to the Syrian refugee crisis, says Aladi, the center would never have opened, providing not just counseling for domestic violence victims, but also other vital medical services. (pri.org)

Die Reportage von PRI (Public Radio International) ist nicht nur spannend zu lesen – sondern kann natürlich auch angehört werden.


Weiterführende Links und Quellen:

Bildquelle: CC0 Public Domain, LoggaWiggler, Pixabay